Wolfsmischlinge und die reine Lehre

Der Widerstand gegen die „Entnahme“ der Wolfsmischlinge in Thüringen zeigt: Die Hardcore-Tierschützer sind wieder mal dabei, ihren Lieblingen einen Bärendienst zu erweisen.

Wolfshybrid

Symbolbild: Dieter Hopf

Wer die Hintergründe nicht kennt, der könnte meinen, dass „Experten“ im Internet reichlich unblutige Alternativen zum Abschuss der Mischlinge parat haben: Betäubung mit anschließender Kastration oder Sterilisation. Oder Käfighaltung für den Rest des Lebens. Oder aber einfach laufen lassen.

Da sind sogar sonst gefeierte „Gurus“ der Szene mit ihren eindeutigen Warnungen vor einer Schädigung der reinen Wolfsgene machtlos. Zumal neben den klassischen Fangruppen auch die Gemeinde der Wolfshund-Liebhaber mitmischt.

Die Erfahrung aus klassischen Wolfsländern lehrt: Die Chancen, den Tieren nahe genug für einen Schuss mit dem Betäubungsgewehr zu kommen, sind minimal. Lebendfallen meiden die legendär schlauen Wölfe ziemlich konsequent.

Selbst die Vorstellung, unfruchtbar gemachte Wölfe in die freie Wildbahn zu entlassen, schreckt einen Teil der Experten. Es könnte ja sein, dass es zu erfolglosen Paarungen kommt und dies der weiteren Populationsentwicklung schadet.

Eher nachvollziehbar klingt der Einwand, dass sterilisierte Fähen scheinträchtig werden könnten und dann jämmerlich an Entzündungen von Gebärmutter oder Gesäuge verenden. Ein vom Haushund bekanntes Risiko.

Die Idee des Einfangens und Einsperrens in Freiheit aufgewachsener Tiere bringt schließlich die Front der Tierpark- und Gehege-Kritiker durcheinander – und womöglich Tierbefreier in Alarmzustand. Was dabei herauskommen kann, zeigt die noch laufende Hatz nach den Gatter-Wölfen aus dem Nationalpark Bayerischer Wald (wir berichteten).

Dabei wären klare Antworten aus unverdächtiger Quelle vorhanden. Die Bern-Konvention aus dem Jahr 2014, verfasst zum Schutz frei lebender Großraubtiere in Europa, verpflichtet alle Unterzeichner-Staaten, Mischlinge aus Wolf und Hund aus dem Lebensraum wild lebender Wölfe zu entfernen.

Nebenbei: Die Regionalverwaltung der schwedischen Provinz Södermanland, in der fast zeitgleich mit Thüringen Mischlinge nachgewiesen wurden (wir berichteten), begründet ihren Beschluss, diese Tiere zu entfernen, mit eben dieser Empfehlung der Berner Konvention. Zudem haben die Beamten Strafanzeige gegen Hassprediger gestellt, die im Internet gegen diese Entscheidung polemisierten.

Ein Teil der deutschen Wolfsliebhaber erinnert derweil schon an das traurige Ende des letzten Ausbruchs bayerischer Gehege-Wölfe im Jahr 1976: Nachdem die Tiere eine Gruppe spielender Kinder angegriffen hatten und dabei ein Vierjähriger eine Bisswunde am Allerwertesten erlitt, gab die Staatsregierung damals die Wölfe allesamt zum Abschuss frei.

Zum Schluss eine Anmerkung für unsere Jagdgegner: Für Jäger bleiben die Mischlinge ebenso tabu wie die reinrassigen Wölfe. Mögliche Entnahmen und deren Durchführung sind Sache der zuständigen Behörden.

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