Mit Hurtigruten entlang der norwegischen Küste: Ein Erlebnisbericht

Sonnenuntergang in Norwegen

Norwegen ist das Land, in dem Neptun duscht und Trolle Leitern bauen – und in dem im Sommer die Sonne nicht untergeht

„Hast du nicht zugehört?“ Doch eigentlich schon. Ertappt fühlt man sich ja trotzdem immer irgendwie ein bisschen. Aber so eine Angel ist ein ziemlich kompliziertes Gerät: Auswerfen, Leine abspulen – auf den großen Fang hoffen. Zumindest bei den Punkten eins und zwei kann man prima Fehler machen. Da fragt man doch lieber beim Kapitän noch einmal nach, und nimmt die Verlegenheitsröte in Kauf.

Saltstraumen in Norwegen

Es ist noch Zeit. Hier in Saltstraumen – hoch oben nördlich des Polarkreises inmitten norwegischer Einöde. Es scheint ohnehin reichlich davon zu geben, auch wenn Hurtigruten, die legendäre Postschiffverbindung zwischen Bergen und Kirkenes, tatsächlich nach einem Fahrplan fährt. Um vier Uhr am Morgen wird die Midnatsol in Bodø erwartet – eben viel Zeit, auf den großen Fang zu hoffen.

Leise und zufrieden tuckert das Bötchen über den Fjord. Kjell, der Kapitän, übt sich in Geduld mit seinen Passagieren. Er hat in Saltstraumen nördlich von Bodø sein Leben als Fischer verbracht und lädt ein, es ihm gleich zu tun. Für ein paar Stunden in der Nacht zumindest. Warum nicht? Die zerklüftete norwegische Küste bietet eine traumhafte Kulisse und hell ist es auch noch. Irgendwo über den Wolken steht die Mitternachtssonne. Sie mag sich ein wenig hängen gelassen haben, aber untergegangen ist sie nicht. Der Tag hat sich nicht schlafen gelegt, wir tun es auch nicht. Raus aufs Wasser. Fischen. 

Wesentlich dabei erscheint vor allem, beim Auswerfen die geschätzten Kollegen neben und hinter einem nicht einzufangen. Es gelingt. Ein Wunder. Der Rest ist Schweigen. Ruhe. Natur. Seeadler. Die Sonne macht die Nacht zum Tag, es ist ein Uhr morgens. Fische? Fehlanzeige. Es wird an uns liegen, na klar. Die Frage, ob wir zurück zum Ufer wollen, scheint jedenfalls eher rhetorischer Natur zu sein: Der Kapitän fordert zur Kapitulation auf – und er hat recht damit.

Schiff legt in Bodø an

Es ist 4 Uhr morgens in Bodø, der 40.000 Einwohner-„Metropole“ mitten im norwegischen Nichts. Die Sonne muss nicht aufgehen, weil sie gar nicht untergegangen ist. Das Postschiff legt an – pünktlich. Mit ihm geht es gen Süden. Dahin, wo die Nächte wieder länger werden, wo man überhaupt mal wieder so etwas wie Nacht vermutet. Um halb fünf sind die Augen tatsächlich zu. So wird es dunkel. Kurz. Ein Probealarm für die Schiffscrew lässt einen aufschrecken. Ein wenig liebevoller Weckruf, aber er kommt zur rechten Zeit: Wenige Minuten später geht es über den Polarkreis. Von Nord nach Süd, Neptuns Dusche bleibt einem so – Jupiter sei Dank – erspart. Denn wer zum ersten Mal den Polarkreis überfährt, von Süd nach Nord, bekommt eine Ladung eiskaltes Wasser in den Nacken geschüttet. Muss ja nicht sein. Wach ist man ohnehin. Zeit, Norwegens Küste zu genießen, raue skandinavische Luft einzuatmen.

Eng ist es an Bord, mit rauer Schale und herzlichem Kern – und mit Dusche und WC auf dem Gang. Nix mit Kreuzfahrt-Komfort

Zwischen Kirkenes im Norden und Bergen im Süden liegen 2700 Kilometer, sechs Tage Schiffreise und 34 Häfen. Hurtigruten fährt sie fahrplanmäßig an, einmal am Tag kann man gen Norden fahren, einmal in Richtung Süden. Man ist Passagier auf einem Post- und Frachtschiff, manchmal bekommt man es gar nicht mit. Wie auf der „Midnatsol“: Das mächtige Schiff hat fast Kreuzfahrtcharakter. Das sieht zum Beispiel bei der MS Lofoten ganz anders aus. Die kleine Nussschale wiegt sich in den Wellen. Es ist eines der ältesten Schiffe der Hurtigruten-Flotte und vermittelt echtes Seemannsleben. Tische und Stühle sind vorsichtshalber angekettet. Eng ist es an Bord, mit rauer Schale und herzlichem Kern – und mit Dusche und WC auf dem Gang. Nix mit Kreuzfahrt-Komfort.

Die Lofoten im Hafen

Viele buchten genau deswegen gerade die MS Lofoten, hören wir von der Crew. „Und die allermeisten kommen wieder, weil es eben etwas Besonderes ist.“ Es geht hinein in den Geiranger-Fjord, der selbst die kleine Nussschale ruhig stellt. Schmal ist es hier, an den Seiten gehen die Felswände quasi senkrecht bergauf. Geiranger selbst ist ein Dorf mit gerade einmal 300 Einwohnern.

In den Sommermonaten werden hier rund 700.000 Touristen durchgeschleust: Die sich einmal mit dem Troll fotografieren lassen oder vielleicht sogar im Landesinneren auf die Suche nach den Fabelwesen gehen wollen. Es muss sie doch geben. 

Troll in Geiranger

Sogar Verkehrsschilder warnen: Nicht vor Wild-, sondern vor Trollwechsel. Und sie haben gebaut, eine mächtige Trollleiter 20 Kilometer südlich von Andalsnes ins Felsmassiv geschlagen. In elf Haarnadelkurven geht es mit rund zwölf Prozent Steigung hinauf zur Passhöhe oder eben hinunter. Trollstigen – der Blick von oben: schwindelerregend.

Die MS Lofoten ist dann längst verschwunden, aber man hat Zeit in Norwegen und das nächste Hurtigruten-Schiff kommt bestimmt. Das will der Fahrplan so. Mit der Vesteralen geht es weiter in Richtung Bergen. Gen Süden. Der Nacht entgegen.

Tipps für Ihre Reise mit der Hurtigruten


Anreise: Mit SAS (www.flysas) ab Düsseldorf über Kopenhagen nach Bergen.
Reisezeit: Die Zeit der Mitternachtssonne variiert, je nachdem wie weit nördlich man sich befindet.
Besonderheiten: 34 Häfen werden mit Hurtigruten angefahren, die Postschiffe verbinden Bergen im Süden Norwegens mit Kirkenes im Norden. 2465 Kilometer geht es entlang der zerklüfteten Küste. Die Schiffe der Hurtigruten sind unterschiedlich in Alter, Größe und Komfort. Wer eine Reise mit der norwegischen Postschiffverbindung plant, sollte sich im Vorfeld beraten lassen.
Veranstalter: Hurtigruten-Seereisen sind in Reisebüros oder direkt bei Hurtigruten buchbar.

Kontakt: Hurtigruten, 040/87408358, www.hurtigruten.de

Das könnte Sie auch interessieren
Aktuell & informativ

DER OUTFOX WORLD NEWSLETTER

Aus der Natur direkt in Ihr Postfach.

Folgen Sie uns!