Die Wildtiere von Tschernobyl

Fast genau 30 Jahre nach der schlimmsten Nuklearkatastrophe der Menschheitsgeschichte ist Tschernobyl wieder bewohnt. Gerade weil damals rund um den zerstörten Reaktor Nr. 4 eine Sperrzone mit einem Radius von 30 Kilometern eingerichtet wurde, haben viele Wildtiere dort eine neue, ruhige Heimat abseits jeglicher menschlicher Zivilisation gefunden.

Laut einer Datenanalyse des Fachmagazins „Current Biology“ ist die Wildtierdichte rund um die Atomruine ähnlich groß wie die in unbelasteten Naturschutzgebieten. Rot- und Schwarzwild fühlen sich augenscheinlich sehr wohl in der verstrahlten Region, aber auch eine beträchtliche Anzahl Wölfe wurden von den Forschern nachgewiesen.

Die Forscher glauben, dass die Steigerung der Wildtierpopulation durch Zuwanderung anderer Tiere aus angrenzenden Gebieten eher unrealistisch ist, und gehen somit davon aus, dass sich die Tiere in dem verstrahlten Gebiet fortpflanzen können. Allerdings kann leider keine Aussage über den Gesundheitszustand der Tiere getroffen werden. So kann es sein, dass es zu häufigen Missbildungen der Tiere oder zu Fehlgeburten kommt. Es ist somit durchaus möglich, dass einige Tiere gar nicht in der Lage sind sich fortzupflanzen. Die Hauptaussage des Forschungsberichts ist jedoch, dass trotz der Strahlung eine in der Menge gesunde und vielfältige Wildtierpopulation entstanden ist.

Auch eine große Anzahl Vögel ist in dem Gebiet vorhanden. Bei diesen wurde bereits nachgewiesen, dass sie fähig dazu sind, Stoffe zu bilden, welche verhindern, dass die Tiere durch die Strahlung geschädigt werden. Sie sind somit in der Lage, die Effekte der Strahlung auszugleichen. Vögel sind außerdem dazu fähig, ihren angepassten Stoffwechsel zu vererben und somit zur langfristigen Immunität einer Vogelpopulation in einem Strahlengebiet beizutragen. Bei anderen Tierarten konnte solch ein Vorgang bisher nicht nachgewiesen werden.

Eine Frage, die sich bei der Betrachtung der Forschungsergebnisse stellt, ist, inwiefern eine menschliche Gesellschaft mit Siedlungsbau und Umweltzerstörung die Entwicklung einer vielfältigen Tierpopulation mehr einschränkt, als dies ein potenziell lebensgefährliches Strahlengebiet tut. Unter Einbezug dieser Forschungsergebnisse scheint eine sich selbst regulierende Natur- und Tierwelt illusorisch, solange Menschen ein Bestandteil des Lebensraums sind. Denn erst sobald der Mensch ein Gebiet komplett verlässt, wie es 1986 geschehen ist, als über 120.000 Menschen in Prypjat und Umgebung ihr Zuhause verloren und evakuiert wurden, scheint eine Eigenregulierung wieder möglich zu sein.

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