Ein Zauberschloss mitten im Jagdbezirk: Schloss Meseberg

Schloss Meseberg

Foto: Ralf-Andre Lettau/ wikipedia.org

An einigen Tagen im Jahr herrscht in dem kleinen Dorf Meseberg in Brandenburg der Ausnahmezustand. Dann werden Sicherheitsschleusen aufgestellt, Polizisten fahren durch die Straßen und ab und an rollt eine schwarze Limousine durch die engen Gassen. Fotografen und Journalisten machen mit gezückten Kameras und Blöcken vor einem hohen Zaun „Jagd“ auf die mächtigsten Menschen der Welt.

Sie alle warten darauf, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die Staatschefs von Frankreich oder der USA im Gästehaus der Bundesregierung empfängt. Das Zauberschloss, wie es Theodor Fontane nannte, liegt etwa eine Autostunde nördlich von Berlin, mitten in der idyllischen Ruppiner Heide. Umgeben von Kiefernwäldern, steht es mitten im Eigenjagdbezirk der Messerschmitt-Stiftung.

Während die Staatschefs im 1736 errichteten Schloss schlafen dürfen, können Jagdgäste im familienfreundlichen Jagdhaus am Schloss einige Tage Urlaub machen. Die Gebäude haben eine lange und vor allem abwechslungsreiche Geschichte. Während das Schloss nach dem Krieg zum Lebensmittelgeschäft, zum Kindergarten oder zum Gemeindebüro umfunktioniert wurde, ist das Jagdhaus eine ehemalige Brennerei und Stellmacherei. 1995 erwarb die Messerschmitt-Stiftung das baufällige Anwesen und restaurierte Schloss, Garten und Park. Seit 2007 nutzt die Bundesregierung das Gebäude.

Das Hotel Schlosswirt Meseburg wurde durch neue Backsteinbauten erweitert und bietet den Jägern eine Rundum-Ausstattung mit Zwingern und Waffenschränken. Eine Einschränkung gibt es jedoch: Wenn das Regierungs-Kabinett auf dem Schloss tagt oder Staatsbesuche stattfinden, darf nicht gejagt werden. An den restlichen Tagen im Jahr steht den Jägern das riesige Gelände zur Verfügung.

Erholung im Jagdbezirk: Schloss Meseberg

Schloss Meseberg

Foto: Doris Antony/ wikipedia.org

Während vor dem Schloss Meseberg die Journalisten gelegentlich einem Foto von Staatsvertretern hinterherjagen, können Jäger im Wald das ganze Jahr über um das Schloss auf die Pirsch gehen. Unabhängig vom Gästehaus bewirtschaftet die Messerschmitt-Stiftung den Eigenjagdbezirk in der Ruppiner Heide.

Bei einer „geführten Jagd“ wird meist aus einem Ansitz geschossen. Und das ist nicht irgendein Ansitz. In dem etwa 800 Hektar großen Gebiet gibt es viele geschlossene Kanzeln, die das Ziel der Stiftung wiederspiegeln: Die Jagdgäste sollen sich wohlfühlen. Und nicht nur die Gäste sollen sich erholen können, auch die Tiere im Wald sollen so viel Ruhe wie möglich haben. Das Hegekonzept der Jagdpächter strukturiert die Bestände des Dam-, Schalen-, und Rehwilds und die Jagdzeiten.

Zu erleben und entdecken gibt es immer etwas im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land – egal ob für den Jäger oder während eines Wanderausflugs mit der ganzen Familie. Der Boden des 680 Quadratmeter großen Gebiets ist sandig und wird von Wald-, Magerrasen- und Heidelandschaften durchzogen. Der sinkende Grundwasserspiegel in Brandenburg hat die natürlichen Suhlen trockengelegt – Jäger, aber auch Laien können hier mühelos nach Fährten des Schalenwilds suchen.

Auf dem Sandboden wachsen vor allem Kiefern, während an den lehmigen Stellen Laubhölzer, wie Eichen, Buchen und Erlen wachsen. Manchmal wuchern riesige Brombeerbüsche aus dem Boden oder Robinien wachsen am Wegrand. Ruhig ist es fast immer im Wald rund um Schloss Meseberg – nur wenn Staatsoberhäupter mit dem Helikopter ankommen oder die jährliche, traditionelle Drückjagd im November stattfindet, wird es hektischer und lauter.

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