Porträt: Deutschlands ältestes Naturschutzgebiet - 120 Jahre Selous

Elefant im Selous

Fotos: Dr. Rolf Baldus / Elefant im Selous

Im Jahre 1885 ergriff Deutschland als kolonialer Nachzügler Besitz von einem Stück Ostafrika und erklärte es zum Protektorat. Die reichen Naturschätze des tropischen Afrikas sollten dem Mutterland zugutekommen. Elfenbein war damals eines der wichtigsten Ausfuhrprodukte der neuen Kolonie. Dabei hatte das Abschlachten der Elefanten bereits seinen Zenit überschritten. Die Zeiten, als noch 200 Tonnen im Jahr über die Insel Sansibar ausgeführt wurden, waren schon vorbei. Aber 40 Tonnen jährlich waren es immer noch und dafür mussten rund zweitausend Elefanten ihr Leben lassen.

Die Dickhäuter waren deshalb in manchen Teilen der Kolonie schon selten geworden. Der Forscher Joseph Thomson war vom Indischen Ozean bis zu den zentralafrikanischen Seen gereist und soll seinen ersten Elefanten in einem englischen Zoo gesehen haben. Eine Rinderpestepidemie raffte die wilden Huftiere dahin, vor allem die Büffel, und die noch unkontrollierte Jagd tat ein Übriges. Jagdreisende und Forscher wie Carl Georg Schillings berichteten nach Deutschland, dass manche Tierarten vor der Ausrottung standen. Die deutsche Kolonialverwaltung haute aber nicht nur den arabischen Sklaven- und Elfenbeinhändlern auf die Finger, die sich dafür mit einer Reihe von Aufständen bedankten, sondern trat auch bald an, das Abschießen von Wildtieren, zu welchem Zweck auch immer, in geordnete Bahnen zu lenken. Schon 1891 wurde eine erste Jagdverordnung erlassen, der bald weitere folgten. Der Gouverneur erließ Schonzeiten, schützte bestimmte Tierarten und erließ Regelungen für die Jagd. Es sollte auch nur noch bis 1911 dauern, dass die kommerzielle Elfenbeinjagd ganz verboten wurde.

Um den Schutz des Wildes sorgten sich vor allem Beamte und Forscher, die selbst jagten. Sie wussten um die Gefahren, die dem Wild durch die Ausbreitung moderner Landwirtschaft drohten. Nichtjäger sahen das Wild eher als ein Hindernis an, das Kultivierung und wirtschaftlicher Entwicklung im Wege stand. So erleichterte Gouverneur Rechenberg, dem die Jagdlobby ein Dorn im Auge war, den Abschuss und ließ sogar behördlich Tausende von Wildtieren zur Seuchenbekämpfung abschießen. 

Ein gewilderter Elefant

Ein gewilderter Elefant im Selous

Gouverneur Hermann von Wissmann, selbst ein großer Nimrod, erließ hingegen weitsichtige Schutzbestimmungen. Er räumte selbst ein, dass er den Jägern Beschränkungen auferlege, erinnerte aber daran, dass „... wir die Pflicht haben, an die späteren Generationen zu denken und diesen die Möglichkeit zu erhalten, Anregung und Erholung bei der Ausübung der afrikanischen Jagd auch in zukünftigen Zeiten zu finden“. Und er fuhr fort: „Meine Absicht ist ferner, in besonders wichtigen Gegenden als Zufluchts- und Erholungsort des Wildes Jagdreservationen zu schaffen, in welchen nur mit vorheriger ausdrücklicher Genehmigung des Kaiserlichen Gouvernements gejagt werden darf.“ Die Ämter wurden angewiesen, in jedem Bezirk ein bis zwei solcher Schutzgebiete anzulegen, die mindestens 250.000 Hektar groß sein sollten.

Das erste Jagd-Reservat bestimmte Wissmann per Erlass vom 7. Mai 1896 selbst: „das Terrain, welches im Norden begrenzt ist durch die Landschaft Rubehobeho, im Westen durch den Anstieg auf das Khutu-Plateau, im Süden durch den Rufiji bis Mtemere, im Osten einschließlich der Steppenseen bis zu dem Orte Mserakera.“

Karte des Mohoro Wildreservats

Karte des Mohoro Wildreservats

In der Mitte dieses vielleicht 100.000 Hektar großen Mohoro-Jagdreservats liegt der Tagalala-See und das Gebiet ist heute der touristische Mittelpunkt des Selous-Wildreservats. Im genannten Ort Mtemere liegt das Eingangstor, durch das die meisten Touristen in das Reservat fahren. Ein weiterer Eingang ist in der Wildhüterstation Matambwe beim Ort Kisaki. Das Reservat wurde damals manchmal auch Kisaki-Reservat genannt.

Wissmann hatte damals das erste Schutzgebiet in Afrika geschaffen, das bis heute ununterbrochen existiert hat. Das war nur 24 Jahre nach der Gründung des Yellowstone-Nationalparks in den USA, der als erstes Schutzgebiet der Welt gilt. Und es war zehn Jahre vor Beginn des staatlichen Naturschutzes in Deutschland, der auf die Gründung der „Staatlichen Stelle für Naturschutz“ im Jahre 1906 in Danzig datiert werden kann. Die ältesten Naturschutzgebiete in Deutschland, wie zum Beispiel das Siebengebirge, in dem heute der Autor dieser Zeilen wohnt, entstanden ab etwa 1922.

Die kaiserlichen Beamten in Deutsch-Ostafrika ließen beim Wildschutz nicht mit sich spaßen. Dies zeigen die Akten, die sauber geordnet im Nationalarchiv in Dar es Salaam lagern. Wer im Jagdreservat Wild abschoss, der konnte mit drei Monaten Gefängnis oder einer Geldstrafe von 5.000 Rupien bestraft werden. Das war zehnmal so viel, wie eine Elefantenlizenz kostete. Der berühmte Tiermaler Wilhelm Kuhnert und der Abenteurer und Forscher Hans Schomburgk jagten beide Anfang des vergangenen Jahrhunderts am Rufiji, aber außerhalb der Grenzen des Mohoro-Reservats. Beide bedauerten in ihren Berichten, dass ihnen verwehrt war, im Reservat zu jagen.

In Teil 2 gehen wir näher auf die Wildhüter und ihre wichtige, aber auch gefährliche Arbeit zum Schutz der Tiere ein. Hier klicken.

Danke an "Jagdzeit International" und Chefredakteur Bernd Kamphuis für die freundliche Freigabe des Texts.

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