Buch-Tipp: „Großwildjagd im alten Afrika“

Von Brian Nicholsons Buch „The Last of Old Africa“ ist jetzt auch eine deutsche Ausgabe erhältlich – überarbeitet und mit Vorwort und Kommentaren von Rolf Baldus.

Elefanten

Fotos: Dr. Ludwig Siege

„The Last of Old Africa“ lautete der Titel der 2001 in geringer Auflage erschienenen englischen Originalausgabe des Buches von Brian Nicholson, das jetzt auch in deutscher Ausgabe vorliegt. Nicholson mochte diesen Titel nicht, aber sein Herausgeber bestand darauf. Die deutsche Ausgabe, von Rolf Baldus überarbeitet und mit Vorwort und Kommentaren versehen, erschien nun bei Neumann-Neudamm in der Reihe „Jagdliche Klassiker“ unter dem Titel „Großwildjagd im alten Afrika”. Ich war überrascht, wie spannend ich das Buch fand, obwohl ich es natürlich vorher schon im Rahmen meiner Arbeit im Selous als Leiter des Selous Conservation Programmes intensiv studiert hatte. Man fühlt sich zurückversetzt in die Hoch-Zeit der Afrikajagd, als Transport noch weitgehend zu Fuß stattfand und Safaris Monate und nicht nur wenige Tage oder Wochen dauerten.  

Die Großwildjagd steht zwar im Mittelpunkt des Buches, aber Nicholson hat darüber hinaus die Chronik seines Lebens und damit die eines der erfolgreichsten Naturschützer und „wildlife manager“ Afrikas zu Papier gebracht. Sein Buch ist damit weit mehr als die reine Beschreibung von jagdlichen Erlebnissen. Im Mittelpunkt stehen das Selous-Wildreservat und seine umliegenden Gebiete, insgesamt fast 100.000 Quadratkilometer Wildnis. 

Elefant

Nicholson war kein Trophäenjäger. Seine Jagden waren fast alle Kontroll- und Fleischjagden und seine Safaris waren Managementreisen, um die ihm anvertrauten Schutzgebiete kennen zu lernen, Grenzen festzulegen und seine Scouts zu besuchen. Allerdings schoss er auch einige Elefanten auf Lizenz, um das äußerst magere Gehalt, das damals in der kolonialen Wildverwaltung gezahlt wurde, durch den Verkauf des Elfenbeins aufzubessern. 

Schon vor seinem Schulabschluss mit 16 Jahren, den er lakonisch damit beschreibt, dass er jetzt schreiben und lesen und Mathematik bis zu einem gewissen Punkt gelernt hätte, war für ihn klar, dass nur ein Beruf im Wildschutz infrage kam. Für den Staatsdienst war er zu jung, deshalb heuerte er bei Carr Hartley, einem prominenten Tierfänger in Kenia, an. Danach arbeitete er zwei Jahre als Berufsjägerlehrling, aber man kann zwischen den Zeilen lesen, dass ihm das gar nicht lag. So war es nur konsequent, dass er mit 19 Jahren die erste Gelegenheit wahrnahm, in den Kolonialdienst einzutreten, und zwar in Tanganjika als sogenannter Elefantenkontrollbeamter. Sein erster Posten war Liwale, im Osten des Selous Wildreservats, wo er auf seinen Vorgesetzten Ionides traf, den „Vater des Selous“. Für Nicholson sollte der Selous bis zu seinem Ausscheiden 1973 der berufliche Fokus bleiben.

Er schuf die Managementstrukturen, die auch heute noch bestehen: die Grenzen, die Aufteilung in Jagdblocks, das Wegenetz. Ohne Brian Nicholson würde das Selousgebiet heute ganz anders aussehen. Vor allem die Einführung der Safarijagd war für den Erhalt des Selous entscheidend: Die Jagd setzte ein bis dahin aus Politikersicht unproduktives Gebiet in Wert, sodass die verschiedenen politisch motivierten Begehrlichkeiten für Landwirtschaft, für Dammbau und für den Abbau von Bodenschätzen abgewehrt werden konnten. Das Einkommen aus der Trophäenjagd finanzierte das Management des Reservats, ein Grundprinzip des Wildlife-Managements. Die Alternative, so war Nicholson klar, wäre die Zerstörung der einzigartigen natürlichen Umwelt des Schutzgebiets durch Besiedelung, Landwirtschaft und Viehhaltung gewesen.

Jetzt gibt es zwar eine digitale Karte, aber im Vergleich dazu kann man die Genauigkeit der handgezeichneten Arbeit von Nicholson nur bewundern

Büffel

Persönlich war Brian Nicholson sicherlich kein einfacher Mensch. In den 90ern kursierten unter den Beschäftigten noch viele Geschichten über ihn, die meisten fachlich positiv und anerkennend, aber auch menschlich kritische. Die Älteren kannten ihn noch persönlich. Über seine Kompetenz gab es keine Zweifel, aber Bakari Mbano zum Beispiel, Director of Wildlife in Tansania von 1995 bis 2000, sagte mir einmal, dass er nicht unbedingt ein freundlicher Mensch war. Bakari war natürlich bewusst, dass Brian Nicholson beispielhafte und unersetzliche Arbeit für den tansanischen Naturschutz geleistet hat, aber er behandelte die Afrikaner eben zu der Zeit nicht auf Augenhöhe. 

Zum Beginn meiner Tätigkeit im Selous lag uns, neben der in der tansanischen Gesetzgebung festgeschriebenen Beschreibung der Grenzen, die auch von Nicholson stammte, nur seine handgezeichnete Karte vor. Sie war damals die einzige Orientierung, die wir hinsichtlich der Geographie des Reservats, der Jagdblocks und der Flugpisten hatten. Jetzt gibt es zwar eine digitale Karte, aber im Vergleich dazu kann man die Genauigkeit der Arbeit von Nicholson nur bewundern. Er hatte sie völlig ohne die Hilfe von Kartographen und nur mit gesundem Menschenverstand und viel Gespür für das Gelände erstellt. 

Das Buch ist ein Muss für jede Afrikabibliothek

Zu meinem Bedauern gingen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Buches im Jahre 2001 das Selous Conservation Programme und damit auch mein zehnjähriger Einsatz dort langsam zu Ende, sodass ich für meine Arbeit nicht mehr genügend Anregungen und Ideen daraus ziehen konnte. Davon gibt es im Buch genügend. Zum Beispiel das Prinzip des Pistenbaus entlang Wasserscheiden, die Anlage und Positionierung von Flugpisten, die Organisation von Patrouillen, der Einsatz von schwerer Maschinerie wie etwa Straßenhobel und auch die Problemtierkontrolle. So fand Nicholson durch jahrelange Praxis heraus, dass vor allem Banden von jüngeren Elefantenbullen die Schäden verursachten, dass man aber die Mutter-Kalb-Herden vertreiben musste, um die Schäden zu minimieren. Die Bullengruppen folgten nämlich den Mutter-Kalb-Herden.

Leider musste Brian Nicholson 1973 in der gegenüber den alten Kolonialbeamten immer feindlicheren Atmosphäre seinen Hut nehmen. Es folgte der bekannte spektakuläre Niedergang des Schutzgebiets, der aber zur Freude von Brian Nicholson ab 1989 durch deutsch-tansanische Entwicklungszusammenarbeit gestoppt werden konnte. Den erneuten Niedergang seit einigen Jahren aufgrund von Wilderei, schlechtem Management und Bergbau hat er nicht mehr erlebt. Brian Nicholson starb 2010 in Australien.

Das Buch ist ein Muss für jede Afrikabibliothek und steht in einer Reihe mit den klassischen Jagdbüchern von Selous, Schillings, Taylor und Hunter.

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