Fotogeschchte: Feldhase in der Sasse

Was macht der Osterhase wenn er mal ne kleine Verschnaufpause hat? Fotoreporter Dieter Hopf hat es rausgefunden!

Feldhase in der Sasse

10 Uhr 43 – Der Feldhase drückt sich in die Sasse

Was macht eigentlich ein Feldhase, der den lieben langen Tag in einer seiner Sassen verbringt? Dieser Frage bin ich einmal nachgegangen. Dazu habe ich mich vier Stunden in die Nähe einer Sasse gesetzt und dabei eine ganze Reihe Fotos gemacht.

In der Nähe meines Heimatortes Markt Rettenbach im Allgäu gibt es fünf hintereinander liegende Kiesgruben, etwa zwölf Hektar groß, in denen nur noch sporadisch Kies und Sand abgebaut werden und die mehr oder weniger sich selbst überlassen bleiben. Diese Kiesgruben sind ein Eldorado für zehn bis zwölf Feldhasen, die sich regelmäßig in diesen Gruben aufhalten. Die teils zehn Meter hohen, steil abfallenden Wände sind mit allerlei Büschen, Bäumchen und nicht gedüngten (Un-)Kräutern bewachsen, in der Tiefe befinden sich in jeder Grube kleinere bis mittelgroße, zum Teil dicht bewachsene Gewässer, welche Enten und Rallen als Brutplatz dienen. Auch Eisvogel, Reiher und im Winter sogar Kormorane suchen regelmäßig dieses „Paradies“ auf.

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12 Uhr 44 – Körperpflege

In diesen Kiesgruben fand ich im Laufe der Jahre die verschiedensten Sassen von Feldhasen und kann inzwischen schon oft im Voraus sagen, in welcher Sasse bei welchem Wetter  welcher Hase sitzen wird. Dabei ist auffällig, dass ich mich an manche Hasen bis auf wenige Meter nähern kann, während andere bereits bei 30 Meter Annäherung die Sasse verlassen. Eigene Beobachtungen an Feldhasen, die bei herbstlichen Treibjagden in den Sassen hochgemacht und danach erlegt wurden, ergaben, dass Häsinnen sich ganz fest in ihre Sasse drücken und auf ihre Tarnung bauen, während sieben von zehn Rammlern ihr Lager, wie bereits erwähnt, schon sehr früh verlassen und ihr Heil in der Flucht suchen. Zwei Beispiele seien hier genannt: Bei einer Niederwildjagd in Niederösterreich saß ein Feldhase derart fest in seiner Sasse, dass der Treiber das Tier mit dem Treiberstock leicht am Kopf anstoßen, ja ihm sogar den Kopf mit dem Stock zur Seite biegen konnte, bevor die Häsin (nach dem Schuss festgestellt) fluchtartig die Sasse verließ. Ein anderes Mal saß ein Hase mit dem Hinterteil unter einem Grasbüschel wie in einer offenen Garage, ich machte Fotos aus einem Meter Entfernung und erst als ich hinter ihn trat und mit dem Fuß anstupste, flüchtete er aus der Sasse. Nach dem Schuss stand fest, auch das war eine Häsin. Beide Darstellungen sind übrigens durch Fotos beweisbar.

Vor eininigen Jahren entdeckte ich Ende November in einer „meiner“ Sassen in besagter Kiesgrube einen Feldhasen. Es war 10:30 Uhr vormittags, als ich mich vorsichtig und langsam der Sasse von vorne näherte. Der Hase bemerkte mich natürlich, aber das ist ja der Sinn der Sache, und er drückte sich ganz flach in sein Lager. Bis auf elf Meter näherte ich mich dem Ruheplatz des Hasen und setzte mich einfach, ohne jede Deckung und Tarnung in den Kies. Die Kamera mit dem langen Teleobjektiv zeigte genau auf die Sasse und ich machte die ersten Bilder. Ich merkte sehr schnell, dass den Hasen meine Anwesenheit nicht im geringsten störte, denn nach und nach entspannte er sich wieder, und erst da entschloss ich mich, doch einige Stunden sitzen zu bleiben, um mal zu beobachten und zu dokumentieren, ob ein Feldhase in seiner Sasse tatsächlich den ganzen Tag nur ruhig dasitzt. Fazit: Nach gut vier Stunden hatte ich knapp 700 Bilder belichtet, die meiste Zeit saß der Hase tatsächlich nur so da, aber was zwischendurch passierte, darüber geben meine Fotos Aufschluss.

Text und Fotos: Dieter Hopf

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