So wird Ihr Garten frühlingsfit (III): der Nutzgarten

Die Blumen blühen, die Vögel zwitschern, die Luft riecht einfach anders: Das Frühjahr ist da! Für viele Hobbygärtner die schönste Zeit des Jahres. Endlich geht es wieder raus in den Garten, nachdem der lange Winter zu einer Pause verpflichtet hat. In unserem Frühlingsspecial geben wir Ihnen wertvolle Tipps, wie Sie Ihren Garten frühlingsfit bekommen. In den ersten beiden Teilen unserer Gartenserie haben wir uns um die Planung Ihres Gartens und die Tipps und Tricks im Ziergarten gekümmert. Im dritten Teil geht es um den leckeren Teil unseres Gartens: den Nutzgarten!

Junge Radieschen und hinten rechts Spinat

Fotos: Alexander Küper/ Junge Radieschen und hinten rechts Spinat.

Wer im Sommer oder Herbst eine ordentliche Ernte einfahren will, muss im Frühjahr die Voraussetzungen dafür schaffen. Alle Hobbygärtner, die schon mal ihr Essen aus der eigenen Ernte zubereitet haben, wissen: Es schmeckt einfach anders! Zu wissen, dass das, was auf dem Teller landet, aus der eigenen Produktion stammt – womöglich völlig natürlich und nicht mit Chemie behandelt – bedeutet für einige Menschen das pure Glück.

Gemüse

Während wir die mehrjährigen Pflanzen (Sträucher und Gehölze) üblicherweise im Blumenhandel oder Baumarkt holen, lässt sich der Großteil einjähriger Nutzpflanzen relativ einfach aus Samen gewinnen. Vier Faktoren sind dabei im Spiel: Erde und Licht, Wärme und Feuchtigkeit. Bevor das Wetter die Freiland-Aussaat zulässt, haben sich viele Hobbygärtner ihr Gemüse in einem Frühbeet („Warmer Kasten“), einem Kleingewächshaus oder auf der Fensterbank vorgezogen.

Bei der Aussaat im Freien sollte der Boden zunächst gut gekrümelt werden. Saatrillen können Sie am besten mit dem Harkenstiel ziehen. Eine sogenannte „Pflanzleine“, also ein gespanntes Seil oder ein gespannter Faden, sorgt dafür, dass Sie gerade Bahnen einhalten. Die Reihensaat erleichtert Ihnen später die Unkrautbekämpfung in den Zwischenräumen. Achten Sie darauf, dass Sie auch innerhalb einer Bahn nicht zu dicht säen, damit die Pflanzen Platz genug haben, wenn sie größer werden. Bei Saatbändern ist der Abstand schon automatisch integriert.

Kleiner Tipp für alle, denen die Aussaat zu anstrengend ist: Den größten Teil der Gemüsepflanzen können Sie sich jetzt schon vorgezogen aus der Gärtnerei beschaffen: etwa Salat, Kohlrabi, Grünkohl oder Rosenkohl.

Obst

Obststräucher vor dem Einpflanzen

Die Obststräucher vor dem Einpflanzen. 

Der Obstbaumschnitt sollte idealerweise im Winter über die Bühne gegangen sein. Jetzt erwachen die Obstbäume zum Leben und treiben erste Knospen. Zwar gibt es auch Theorien, dass der Baum im Winter zu sehr im Winterschutzmodus ist und ihm der Schnitt daher nicht gut tut, doch unser Experte ist anderer Meinung. „Ich schneide meine Obstbäume generell immer im Winter“, sagt Landschaftsarchitekt Jan Kolodziej. „Mir persönlich ist die Gefahr zu groß, dass – wenn der Baum schießt und ich ihn dann schneide – zu viel Saft raus läuft.“

Zweiter wichtiger Punkt, den Sie beachten sollten, wenn Sie trotz alledem im Frühjahr schneiden: die Vogelbrut. Zwar dürfen laut Gesetz Obstbäume und -sträucher noch geschnitten werden, es ist aber darauf zu achten, dass Vögel nicht bei der Brut gestört werden. Seit dem 1. März gilt jedoch ein Verbot, Bäume, Sträucher und Hecken zu fällen bzw. zu roden (mit Wurzel entfernen). Der Experte rät: „Lieber im Winter mit der Schere ran.“

Der Obstbaumschnitt muss gelernt sein. Auch hier gilt wieder die Frage: Was wollen wir? „Wenn wir einen romantischen Garten mit einem großen, alten Apfelbaum wollen, reicht auch nur ein leichter Rückschnitt“, so Experte Kolodziej. „Wenn wir allerdings auf einen hohen Ertrag aus sind, müssen wir schon richtig ran und schneiden. Es gibt die Regel, dass man für einen hohen Ertrag noch einen Hut durch die Baumkrone werfen können muss. Das stimmt!“ Allerdings Achtung! Wer einmal richtig abgeschnitten hat, ist verpflichtet, am Ball zu bleiben. Wer in den Folgejahren dann den Rückschnitt vernachlässigt, sollte lieber weniger schneiden und bei der romantischen Variante bleiben.

Kräuter

Junger Porree, noch vorgezogen im Eierpaket

Neben Kräutern ein toller und leckerer Begleiter im Garten – Porree. Hier noch ganz jung und vorgezogen im Eierkarton.

Die Vielfalt der Kräuter wird oft unterschätzt. Neben Erdbeeren, Radieschen & Co. stehen die Kräuter oft erst an dritter Stelle. Dabei helfen uns die Kräuter nicht nur, wenn wir uns vielleicht krank und unwohl fühlen. Sie sorgen für Pfiff und Raffinesse in der Küche, tun uns als verdauungsförderndes Getränk nach schwerem Essen gut und beleben als Badezusatz nach einem anstrengenden Tag.

Wenn Sie noch keine Kräuterecke bei sich im Garten haben sollten, empfehlen wir Ihnen, spätestens jetzt darüber nachzudenken. Ihr Kräuterbeet sollte auf angenehmer Höhe geplant werden, also in 30 bis 40 Zentimetern Höhe. Als Einfassung eignen sich Natursteine, Rundhölzer, Planken, Eisenbahnschwellen oder Hohlbocksteine – je nach Geschmack und Beetform.

Planen Sie Kräuterinseln! Wie wäre es mit einer Duft-Insel der Entspannung? Rosmarin, Pfefferminz, Zitronen-Thymian, Lavendel, Echte Kamille und Zitronenmelisse? Oder doch lieber die Mittelmeer-Aromen? Wacholder, Rosmarin, Salbei, Basilikum, Thymian, Lavendel, Oregano, Knoblauch? Beschäftigen Sie sich mit Ihrer kleinen Kräuterecke jetzt im Frühling und Sie werden das ganze Jahr über Ihre Freude daran haben.

Frostgefahr im Nutzgarten

Lassen Sie sich nicht von einem frühen Frühlingsauftakt täuschen. Investieren Sie nicht zu viel Geld – und Zeit – in zarte, junge Pflanzen, die kaum Überlebenschancen haben, sollte sich Väterchen Frost doch noch mal zurückmelden. Achten Sie auf die Wettervorhersagen. Ein plötzlicher später Frost kann große Schäden anrichten. Vor allem junge Gemüsepflanzen sind sehr kälteempfindlich. Warten Sie daher lieber die Eisheiligen ab und pflanzen Sie danach (ab 15. Mai).

Tierische Helfer

Schnecke im Kompost

Der tierische Helfer im Kompost – die Schnecke.

Über den Stolz, den ein Hobbygärtner verspürt, wenn er seltenen Tierarten mit seinem Garten einen Lebensraum bieten kann, haben wir bereits im letzten Teil berichtet. Im Nutzgarten danken uns die Tiere für diesen zur Verfügung gestellten Lebensraum, indem sie uns helfen. Der wohl fleißigste tierische Helfer in unserem Garten ist der Regenwurm. Unermüdlich frisst er sich durch unsere Erde und lockert den Boden auf. Kurz erklärt: Das, was beim Regenwurm hinten rauskommt, tut unserer Erde und damit auch unseren Pflanzen gut.

Der wohl bevölkerungsreichste Teil unseres Gartens ist der Kompost. Was vielleicht für uns Menschen nicht besonders lecker aussieht, ist für unzählige sichtbare und unsichtbare Tiere das reinste Paradies. Hier werden Ihre Gartenabfälle ökologisch zersetzt. Es ist ein äußerst befriedigendes Gefühl, wenn Sie Ihren eigenen Gartenkompost in den Boden einarbeiten können. Selbst im kleinsten Garten ist Platz für einen Komposthaufen. Aber der Experte rät: Kompostbehälter sollten nie als Müllhalden angesehen werden. Versuchen Sie, eine geruchlose, krümelige Mischung zu erzeugen, die Ihren Boden anreichert und verbessert.

Bienen sorgen für die Bestäubung unserer Pflanzen, Sträucher und Bäume. Marienkäfer futtern unsere Blattläuse weg. Landschaftsarchitekt Jan Kolodziej weiß, wie wichtig tierische Helfer im Garten sind: „Seien Sie froh, wenn Sie diese kleinen Helfer bei sich im Garten haben. Andere geben dafür sogar Geld aus. Es gibt einen Postversand für Nützlinge im Netz.“ 400 Regenwürmer kosten 20 Euro, für 80 Euro bekommen Sie Ihr eigenes kleines Hummelvolk.

Im vierten und letzten Teil unserer Serie geht es vom Garten auf den Balkon. Wir geben Tipps und Tricks, wie Sie sich auch auf wenig Raum Ihre kleine Wohlfühl-Oase einrichten können...

Hier geht es zu Teil 1: Die Vorbereitung
Hier geht es zu Teil2: Der Ziergarten

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