Der Mückenkiller: Der Thermacell MR-GJ im Dauertest

Eines der wenigen Dinge, die eine schöne Jagd wirklich negativ beeinträchtigen können: Schwärme von Mücken, die sich auf einen stürzen. Ein Handgerät soll dieses Szenario verhindern. Outfox-World hatte es im In- und Ausland im Dauertest und berichtet nun von den Ergebnissen.

Stechmücke

Fotos: Dr. FM

Die Frage, wie man sich vor Mücken schützen kann, hat sich wohl schon jeder Jäger zigfach gestellt. Zum einen kann das lockere, langärmlige Kleidung sein, im Extremfall kombiniert mit Handschuhen und einem engmaschigen Gesichtsnetz. Möglichst hell und ebenso "stichfest" sollte sie sein, was nach meiner Erfahrung nur wenige Materialien wie G1000 von Fjällräven oder TDU von 5.11 wirklich gewährleisten.

Zum anderen schwören manche auf "alte Hausmittel" wie offene Essigessenzen, elektrisch betriebene Schutzvorrichtungen oder sogar auf den Rauch bestimmter Tabaksorten, was jedoch auch keine echte Empfehlung sein kann.

Am bekanntesten sind Cremes und Flüssigkeiten, die man auf die Kleidung oder direkt auf die Haut aufträgt. Wissenschaftlichen Versuchen zufolge schützen Präparate mit Icaridin und Para-Menthan-3,8-Diol gut gegen Insektenstiche, am besten aber ist der Wirkstoff DEET. Letzterer ist aber gesundheitlich nicht uneingeschränkt zu empfehlen, weswegen er auch nur in Produkten mit sehr hoher Schutzwirkung wie Autan Tropical oder Bushman Verwendung findet. Man kann sich mit den aufgetragenen Mitteln gut bewegen, muss aber Einschränkungen wie eine mögliche Unverträglichkeit, brennende Augen, Nachschmieren oder verdreckte Kleidung in Kauf nehmen.

ThermaCELL MR-GJ

Seit dem Jahr 2000 gibt es das aus den USA stammende Gerät ThermaCELL, das seit 2010 auch in Deutschland eingeführt wurde. Produziert wurde es als kleines Handgerät und – für größere Campingeinsätze – als größere Laterne. Ich habe mich für diesen Test auf die Handgeräte MR-G und MR-GJ – die sich beide nur durch den Anschaltmechanismus (Schiebe- vs. Drehschalter) unterscheiden – beschränkt, da hier der jagdpraktische Einsatz im Vordergrund steht.

Die Werbung verspricht: "Dies ist eine aus den USA stammende, patentierte Technik, um Stechmücken im Außenbereich wirksam abzuwehren. Bei ordnungsgemäßem Gebrauch natürlich ohne Geruchsbelästigung (somit auch ideal für Jäger, da das Jagdwild den Wirkstoff nicht wahrnimmt) und absolut harmlos für Mensch und Haustier. Das System funktioniert auf dem Prinzip der Wirkstoffverdampfung unter Einfluss einer einfach zu bedienenden, und unabhängigen Wärmequelle (Butangaskartuschen) in zwei unterschiedlichen Bauformen. Speziell für Jäger gibt es sogar eine eigene Wirkstoffplättchen-Nachfüllung, die zusätzlich zur Stechmückenabwehr die menschliche Ausdünstung wirksam maskiert." 

Für ca. 35 Euro werden die Geräte inkl. einer Grundausstattung mit einem Butangasfläschchen und drei Wirkstoffplättchen angeboten. Nach zwei Tagen kam das Produkt in der Redaktion an und war mit wenigen Handgriffen einsatzbereit, da es quasi selbsterklärend ist.  

Das Gerät wird durch den Deckel unten geöffnet und die Butangaskartusche etwa so wie eine Glühbirne einschraubt. Das Wirkstoffplättchen wird dann aus der verschweißten Verpackung entnommen und unter das Gitter eingeschoben.

Nun kann man das Gerät einschalten, nach ca. zehn Sekunden Wartezeit muss man den Piezozünder mehrmals betätigen. In der Kontrollöffnung oben am Gerät ist nun eine blau-orange Flamme erkennbar.

Das Heizelement erwärmt sich in gut fünf Minuten und verteilt den synthetischen Wirkstoff D-Allethrin, der dem natürlichen Insektizid Pyrethrin (aus der Familie der Crysanthemen) nachempfunden ist.

Mit Gesichtsnetz auf der Jagd

Laut Herstellerangaben soll nun folgendes passieren: "Der Wirkstoff verteilt sich in der Luft. In den nächsten zehn Minuten baut sich durch den Wirkstoff eine ca. 20 m² große Schutzzone auf und vertreibt alle anwesenden sowie einfallenden Insekten. So sicher, dass sie dort nackt sitzen können." 

Nun gut, als Tester hört man hochtrabende Versprechungen öfter – meist werden diese nicht gehalten. Also geht es zum praktischen Versuch: Der erste Einsatz erfolgt in einem Rotwildrevier in Mecklenburg-Vorpommern, das viele kleine Tümpel hat – eine ideale Brutstätte für Mücken und Bremsen.  

Ich habe mich komplett mit Kleidung umhüllt, da mir die "aggressiven Viecher" bekannt sind und komme schwitzend am Hochsitz an. Der Anmarsch ist beschwerlich. Ich klettere auf den Steig und komme dort oben zusammen mit gut zwei Dutzend Mücken an.

Mit einer gehörigen Portion Skepsis mache das Gerät startklar und warte ab, was passiert. Verwundert stelle ich fest, dass gut 15 Minuten später keine einzige Mücke mehr da ist. Zuerst erkläre ich mir das damit, dass ich nun nicht mehr schwitze und die Mücken einfach abgezogen sind – doch das ist nicht der Fall, das Produkt wirkt tatsächlich.

Anlässlich einer längeren Jagdreise nach Neufundland (Kanada) habe ich die Möglichkeit, den ThermaCELL einem weiteren Test zu unterziehen – diesmal ist es ein Extremtest. Der geneigte Leser mag glauben, dass ich übertreibe, aber zu bestimmten Jahreszeiten im Frühjahr und im Herbst erheben sich hier Schwärme mit Millionen von Stechmücken, die gesamte Landstriche verseuchen. Ich hatte es bis dahin nur in der klassischen Literatur der alten Trapper gelesen. Was es jedoch bedeutet, dieses Naturschauspiel live zu beobachten – nach Sonnenaufgang, bei der ersten Wärme des Tages – ist mit Worten wirklich kaum zu beschreiben.

Schon beim Anmarsch auf meinen Unterstand bin ich derart von Mücken umzingelt, dass alleine auf meinem Gesichtsnetz ca. 100 dieser Biester sitzen und versuchen, eine undichte Stelle zu finden. Der Versuch, die Tierchen mit der Hand zu vertreiben, erweist sich nur für einige Sekunden als wirksam. Als ich endlich getarnt auf Bären ansitze, sitze ich im wahrsten Sinne des Wortes in einer schwirrenden, summenden Wolke. Passend dazu wurde heute morgen im Radio berichtet, das wiederholt tote Caribus aufgefunden wurden, die an Blutarmut starben.

ThermaCELL MR-GJ

Hier glaube ich nicht mehr an einen Erfolg des ThermaCELL. Dennoch schalte ich den ThermaCELL ein – und in gut zehn Minuten sind tatsächlich alle Mücken restlos verschwunden. Wenige Meter davon entfernt sitzen sie noch, lauern und fliegen zu Tausenden umher, doch auf mir oder in meinem Einwirkungsradius ist keine Mücke mehr zu entdecken. Seit dem Verlassen des Camps trage ich lange Kleidung, schwitze darin und sehe die grandiose Landschaft nur durch den Gesichtsschleier, der die Wahrnehmung doch stark beeinträchtigt. Es ist eine Wohltat sich dieser zu entledigen.  

Ich nehme final allen Mut zusammen und mache die Gegenprobe: Nach gut zwei Stunden, ich bin nun abgekühlt und sitze ruhig auf meinem Platz, mache ich das Gerät aus und warte. Schon nach fünf Minuten kommen die ersten Mücken an, nach weiteren fünf Minuten ist auch die Verstärkung angekommen, so dass ich das Gerät schnell einschalte und sie damit wieder vertreibe.

Der ThermaCELL begleitet mich seitdem zu vielen Ansitzen und bewährt sich dabei immer wieder hervorragend. Das Gasfläschchen hält ca. sechs Stunden, ein frisches Wirkstoffplättchen gut die Hälfte der Zeit. Man erkennt an der Verfärbung von blau zu weiß, dass es Zeit zum Wechseln ist. Zum Pirschen ist der ThermaCELL allerdings nicht ideal, da man sich innerhalb des Wirkstoffes befinden muss. Doch vertreibt er aber auch bei einem langsamen Vorwärtsgehen auch hier einen Großteil der Mücken. Der ThermaCELL hat keine offene Flamme, ist fast geruchslos, die Handhabung ist sicher.

Mein Fazit zum Test des ThermaCELL MR-GJ fällt positiv aus. Das Gerät ist eine echte Bereicherung der jagdlichen Grundausstattung. Zusätzlich gibt es einiges an Zubehör, wovon die aufsteckbare LED Lampe mit einem Preis von 15 Euro besonders empfehlenswert ist. Nicht ganz so günstig sind die Nachfüllpackungen (für Gas und Wirkstoff), die gut 30 Euro kosten. Der Einsatz des ThermaCELL ist kinderleicht. Man legt ihn am besten unter sich oder platziert ihn so, dass man sich auch bei Wind innerhalb der Reichweite der Wirkstoffe befindet. Das Gerät erfüllt die strengsten US-Sicherheitsvorschriften und vertreibt sicher, schnell und anhaltend alle Arten von Mücken und Bremsen, aber auch anderes störendes Getier wie Wespen und Zecken – ein echter Mückenkiller!

Das könnte Sie auch interessieren
Aktuell & informativ

DER OUTFOX WORLD NEWSLETTER

Aus der Natur direkt in Ihr Postfach.

Folgen Sie uns!