Die Sehnsucht nach einem Fossil

Foto: The NRMA/ flickr.com

Die längste Zeit seines Autolebens hieß er einfach Land Rover. Heute nennen sie den Urvater der britischen Geländewagen-Tradition „Defender“ und seine Tage sind gezählt. Ende Januar liefen die letzten Exemplare vom Band. Um sie finden wahre Preisschlachten statt. Und es ist nicht nur Nostalgie, die Käufer für das hoffnungslos überalterte und eigentlich recht unkommode Fossil begeistert. Die Hersteller moderner SUV-Fahrzeuge sollten mal darüber nachdenken.

Der Landy verkörpert noch immer das, was Menschen wirklich brauchen, wenn sie wirklich einen Geländewagen brauchen. Er ist robust und auch geräumig (nur nicht für die Passagiere). Bis in den letzten Baujahren der Einbau von Motorelektronik Einzug hielt, kam jeder Dorfschmied mit den Reparaturen klar. Im Gelände hält der Alte tapfer mit – dank ordentlicher Bodenfreiheit und einem Allradantrieb wie im Traktor.

Die letzten Exemplare laufen tatsächlich über 140 Sachen und damit weit schneller als dem Fahrwerk gut tut. Sie saufen nicht mehr wie die Löcher, sondern kommen mit zehn Litern Diesel auf 100 Kilometer klar. Und sie haben die von eingefleischten Fans gern geleugnete Drehmomentschwäche der ursprünglich verbauten Benzinmotoren abgelegt. Ein Landy aus der letzten Serie ist also so, wie ihn sich die Kunden eigentlich schon immer wünschten.

Den Garaus macht dem Veteran ausgerechnet seine unverwechselbare Erscheinung: Moderne Forderungen nach passivem Fußgängerschutz vermag der überdimensionierte Schuhkarton nicht zu erfüllen, ohne dabei sein Gesicht zu verlieren. Das bedeutet auch den Abschied von den glatten Aluminiumblechen, die einfach auf ein Stahlgerüst genietet waren – und für die gefürchtete Kontaktkorrosion sorgten, weil sich Stahl und Alu nicht vertragen. Aber was ist ein Land Rover ohne sichtbare Nieten auf der Außenhaut und ohne ein wenig Lochfraß an den genieteten Kanten?

Manche meinen, dass ein echter Landy die Scheinwerfer noch hinter dem Kühlergrill tragen muss – und nicht außen in den Kotflügeln. Und dass die Servolenkung irgendwie ein Stilbruch sei. Wie Veloursteppiche statt Gummimatten. So ein Auto muss sich doch mal mit dem Gartenschlauch ausspritzen lassen, wenn es von der Arbeit kommt. Und möglichst in jenem stumpfen Grün lackiert sein, von dem sie zum Produktionsbeginn nach Kriegsende noch reichlich von den Militärflugzeugen übrig hatten.

Aus dem überdachten Traktor fürs Landvolk, einst serienmäßig mit Zapfwellenanschluss für Seilwinden und Holzspalter, ist in unseren Tagen ein Objekt nostalgischer Begierden geworden. Wer die Rücksitze entern will, sollte schlanker Statur und gelenkig sein. Der Kraftaufwand, den Kupplung und Schalthebel fordern, ist auch nicht ohne. Vor allem aber ist Hirn gefordert, um zu begreifen, dass auch Geländewagen heute ganz anders sind.

Drei Viertel aller jemals gebauten Landys (immerhin knapp 1,7 Millionen Exemplare) sind heute noch im Einsatz. Ersatzteile sind selbst für die ersten Serien noch verfügbar und dank heftiger Konkurrenz im einschlägigen Handel durchaus preiswert. Die letzten Exemplare, die vom Band liefen, wurden zu Aufpreisen bei rund 40.000 Euro gehandelt.

Und es gibt ihn auch im unverwechselbaren Luftwaffen-Grün der ersten Stunde. Very British, selbst wenn Land Rover mittlerweile zum indischen Tata-Konzern gehört und gute Exemplare der ersten Serie (die mit den innenliegenden Hauptscheinwerfern und den Zapfwellen) um die 25.000 Euro kosten.

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