„Aktionsplan“ und „Management“ – quo vadis, Wolf?

Die Debatte über den Wolf nimmt Fahrt auf: Nicht nur die bayerische Regierung prescht mit einem „Aktionsplan“ voran. Auch im Umweltausschuss des Bundestages wurde der Wolf kontrovers diskutiert.

Wolf im Wald

Symbolfoto: Dieter Hopf

In Berlin stritten Politiker und Experten über eine Bejagung der Wölfe. Vor dem Umweltausschuss des Deutschen Bundestages wurden erwartungsgemäß diverse Positionen vertreten. Schon über die Größe der Wolfspopulation herrschte Uneinigkeit. Prof. Dr. Wolfgang Köck vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung rechnet mit 150 erwachsenen Wölfen, während Eberhard Hartelt vom Deutschen Bauernverband die naturschutzrechtlich relevante Grenze von 1.000 Wölfen als überschritten ansieht.

Und auch über den weiteren Umgang mit dem Raubtier gingen die Meinungen auseinander: Während für Hartelt das aktive jagdliche Management der Wölfe aufgrund des erreichten „günstigen Erhaltungszustandes“ möglich sei, plädieren andere in der Diskussion für passive Maßnahmen. So verweist Ilka Reinhardt vom LUPUS Institut auf den funktionierenden Herdenschutz in den europäischen Nachbarländern und attestiert den deutschen Schafhaltern „Nachholbedarf“.  Hilmar Freiherr von Münchhausen von der Deutschen Wildtier Stiftung schlug zusätzlich „spezielle Förderprogramme“ für Weidetierhalter vor.

Der bayerische Weg mit dem Wolf

Der Freistaat Bayern will dagegen eigene Wege gehen. Begleitet von herber Kritik wurde das neue Konzept zum Wolfsmanagement vorgestellt: Der „Aktionsplan“ des Münchner Umweltministers sieht wolfsfreie Zonen vor – zumal in den Weidegebieten der Gebirgsregionen. Trotz aller Kritik: Solche Schutzgebiete duldet die EU bereits in anderen Ländern.

Einige Schutzpatrone der bedingungslosen Wolfsheimkehr werden wieder toben. Aber die Wahrheit ist, dass Bayerns Umweltminister nichts vorschlägt, was nicht schon in der EU praktiziert wird: Er will prägende Teile der Kulturlandschaft und des kulturellen Erbes bewahren und dazu die klassischen Weidegebiete der Almen und Alpen wolfsfrei halten – schlimmstenfalls auch durch Entnahmen.

Wolfsfreie Gebiete auch durch Entnahmen

Nun bloß keine Schnappatmung: Genau dieses Vorgehen haben die EU-Artenschützer akzeptiert, als Schweden verfügte, die Rentierweide in den nördlichen Landesteilen frei von Wölfen zu halten. Hierzu gibt es von der EU weder Mahnungen noch Prüfverfahren. Diese betreffen ausschließlich die alljährliche Lizenzjagd in Provinzen außerhalb der Rentiergebiete.

Bayerns Umweltminister Marcel Huber, promovierter Tierarzt und bisher Chef der Staatskanzlei, kennt sich aus mit Gesetzen und Verordnungen, auch auf europäischer Ebene. Er hat die EU-(Rechts)wirklichkeit mit Sicherheit auch beim Thema Wolf genau prüfen lassen. Und er setzt den Hebel genau dort an, wo er in Skandinavien bereits wirkt: Eine Güterabwägung zwischen Artenschutz und dem Schutz prägender Landeskultur ist offenbar zulässig. Und auch sinnvoll.

Verstoß gegen EU-Recht?

Spannend wie die Wolfsexperten reagieren: Einer verkündet, der Aktionsplan sei bereits vom Münchner Landtag verabschiedet worden. Dabei wurde die Vorlage des Umweltministers bisher nur im Kabinett beraten – und dort für gut befunden. Der Experte glaubt dennoch zu wissen: Wolfsfreie Gebiete verstoßen gegen EU-Recht.

Spannend (und unbeantwortet) bleibt die Frage, was wolfsfreie Zonen von den rotwildfreien Gebieten unterscheidet, die in Deutschland flächendeckend existieren – zum Wohl der Forstwirtschaft. Warum nicht auch zum Schutz der seit Jahrtausenden landschaftsprägenden Weidewirtschaft?

Unverständlich ist vor allem die Kritik, dass Bayern derart aktiv wird, obwohl es im Freistaat (noch) kaum Wölfe gibt. In anderen Bundesländern werfen die Wolfsfreunde den Regierenden doch vor, dass sie sich nicht rechtzeitig auf die Rückkehr der Raubtiere vorbereiteten. Auch hier zweierlei Maß?

Sicher ist: Bayerns Aktionsplan ist auch eine Handreichung für die Küsten-Bundesländer und der Deich-Schäferei dort. Es geht nicht darum, den Wolf zu verteufeln. Aber darum, vorhersehbare Schäden in einer gewachsenen Kulturlandschaft zu begrenzen. Und nicht hinterher so zu tun, als hätten wir´s nicht ahnen können, dass auch diese Medaille zwei Seiten hat.

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