Artenschutz: „Wir sind abhängig von Gewinnen durch Jagd-Touristen“ 

Büffel

Foto: Dr. Ludwig Siege

Dem Selous Nationalpark in Tansania haben wir bereits öfter unsere Aufmerksamkeit geschenkt. Zum 120. Geburtstag berichtete unser Autor Dr. Rolf Baldus über die Geschichte des Reservats und über seine Zeit vor Ort. Nur wenige kennen das Zusammenspiel zwischen Artenschutz und Jagd im Selous so gut wie er (nachzulesen hier und hier).

Mittlerweile steht der Nationalpark auch im Zentrum des Interesses der Naturschutzorganisation WWF. Mit einer großangelegten Kampagne wird um Spendengelder für den Erhalt des Selous und der Artenvielfalt gebeten. Und obwohl sie einige Trittbrettfahrer anzieht (wir berichteten), gibt es einen positiven Nebeneffekt: Das Medieninteresse steigt. So berichtet jetzt auch die Berliner Morgenpost über den Selous und den, wie es im Titel heißt, „Naturschutz mit der Flinte“.

Rund 6,4 Millionen US-Dollar nimmt der Selous pro Jahr durch das Geschäft mit Touristen ein. Der absolute Großteil, nämlich 4,8 Millionen, kommt von ganz legalen Auslandsjägern – immerhin 50 Prozent der Einnahmen fließen direkt wieder in das Reservat und damit in Arbitsplätze und Material. Jetzt muss niemandem gefallen, dass Menschen für eine Trophäe töten – an dem Fakt, dass dies dem Artenschutz dient, ist allerdings nicht zu rütteln. Das erkennen im Artikel der Berliner Morgenpost auch Organisationen wie die Weltnaturschutzunion IUCN. Sie schreibt auf eine Anfrage der Zeitung: „Mit effektivem Management hat Trophäenjagd positiven Einfluss. Es erhöht den Wert der Wildtiere und des Lebensraums, auf den sie angewiesen sind, und generiert die dringend nötigen Einkünfte, die für Naturschutz und Maßnahmen gegen Wilderei eingesetzt werden können.“ Und auch der WWF verweist nicht nur auf seiner Homepage auf die Zweckmäßigkeit der Jagd (wir berichteten), auch der BZ antworten die Naturschützer wie folgt: „Grundsätzlich sucht der WWF nach Wegen, Wildtiermanagement ohne Jagdtourismus zu erzielen.“ Wo dies misslinge, akzeptiere man den Jagdtourismus unter sehr engen Voraussetzungen, etwa möglichst schmerzfreier Tötung und Beteiligung der lokalen Bevölkerung an den Erlösen.

Und genau das passiert zum Beispiel rund um den Selous. Der größte Jagdanbieter Tansanias zahlt dem Bericht der BZ zufolge die Schulgebühren für 242 Schüler und hilft, Brunnen zu bauen. Zusätzlich geht die Hälfte des Geldes der Jagdkonzessionen an die Dörfer der Region und das Fleisch der getöteten Tiere steht auch der Bevölkerung zu. Nur die Trophäe kann, je nach Herkunftsland des Jägers, später mitgenommen werden. Eine Win-Win-Situation also. Vor allem auch, weil einige der geschossenen Tiere sonst für Probleme sorgen. So gibt es an der südlichen Grenze des Selous einen Wildtierkorridor, durch den die Tiere ziehen. Elefanten zerstören dabei Ernten und töten immer wieder Menschen. Erst vor Kurzem wurde ein Ranger mitten in der Matambwe Basis von einem Elefanten getötet. „Wertvoll“ und „schützenswert“ werden die Tiere für die Bevölkerung durch solche Fälle natürlich nicht. Verdienen sie mit und durch die Tiere aber Geld, entsteht ein zu schützender Wert.

Ranger im Selous

Foto: Dr. Rolf Baldus / Ranger im Selous – unterstützt durch Einnahmen aus dem Jagd-Tourismus.

Die Trophäenjagd ist ein durchaus emotionales Thema. Vor allem Jagdgegner stören sich immer wieder an dieser Form der Jagd. Doch mit ideologischen Ansichten ist den Tieren in den Herkunftsländern nicht geholfen. Und auch nicht mit dem Glauben, besser zu wissen, wie zum Beispiel Tansania mit seinen Wildtieren umzugehen hat. In die gleiche Kerbe schlug während des Weltartenschutzgipfels (Cites) in Südafrika auch die Umweltministerin des Landes. Edna Molewa sagte: „Die Delegierten müssen lernen, nicht mit ihren Herzen und Emotionen abzustimmen. All unsere Entscheidungen basieren auf wissenschaftlichen Fakten.“ Passend dazu schrieben Wildschützer aus Tadschikistan vor Kurzem einen Leserbrief an die „Welt am Sonntag“ (wir berichteten). Die hatte geschrieben, dass Trophäenjäger für den Artenschwund der Markhor-Schraubenziege verantwortlich seien. Doch die Meinung vor Ort ist eine ganz andere: „Leider vermittelt der Artikel den Eindruck, dass wir die Tiere gegen Trophäenjäger schützen müssten. Das ist nicht richtig. Der Schutz gegen Wilderer ist nur möglich, weil streng regulierte, legale Trophäenjagd Einnahmen bringt, die uns Wildhüter und Entwicklungsprojekte der Dorfbevölkerung finanzieren.“

Den Teilnehmern der meist hitzigen Diskussionen über Jagd, Arten- und Naturschutz kann man deshalb nur eines mit auf den Weg geben: Nicht alles, was man nicht mag oder mit der eigenen Einstellung vereinbaren kann, muss auch schlecht sein!

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