Bad News aus der Mais-Wüste

In Deutschland kommt die überfällige Wende im Energiepflanzenanbau kaum voran.

Maisfeld

Die bisher traurigste Natur-Nachricht des neuen Jahres bleibt erst mal wenig beachtet: Die überfällige Wende im Energiepflanzenanbau kommt kaum voran. Obwohl es Alternativen zu den Maisfeldern gäbe. Mit klaren Vorteilen für Natur- und Artenschutz – und für die Jagd (wir berichteten).

Naturschützer, Politiker, Landwirte, Imker und Jäger reden sich seit Jahren den Mund fusselig, um für Energiepflanzen zu werben, die keine unabsehbaren Schäden anrichten. Ergebnis: Deutschlandweit sind es aktuell keine 2000 Hektar, auf denen Öko-Pflanzen wie die Durchwachsene Silphie (wir berichteten) wachsen dürfen. Kaum mehr als ein sehr großes Hochwild-Revier.

Und das trotz Bio-Hype und Veggie-Mode. Obwohl der exzessive Maisanbau als eine wesentliche Ursache der Bienensterbens gilt. Obwohl Maisfelder besonders anfällig sind für Bodenerosion – zu studieren auch im vergangenen Jahr beim Katastrophen-Hochwasser in Niederbayern. Und obwohl niemand ernsthaft bestreiten kann, dass die explosionsartige Vermehrung des Schwarzwilds mit dem oft flächendeckenden Maisanbau einhergeht.

Auf der anderen Seite wissen wir: Silphie schmeckt den Sauen nicht besonders, dafür aber den Bienen. Felder mit den bis zu drei Meter hohen Blumen bieten über Monate perfekten Einstand für das Niederwild – und einen schönen Anblick, auch für Stadtmenschen auf Sommerfrische. Der Einsatz von Agrarchemie lässt sich auf ein Minimum reduzieren, auch Gentechnik bleibt außen vor. Und der Boden bleibt geschützt, auch nach der Ernte.

Wer vermutet, dass die Sache am Geld scheitert, der liegt (wie so oft) wohl richtig. Im ersten Jahr nach der Anpflanzung liefern Silphie-Felder überhaupt keinen Ertrag, sondern brauchen im Gegenteil besondere Pflege. Dafür wachsen die Riesen-Astern danach bis zu 15 oder gar 20 Jahre lang fast von selber, sind kaum anfällig für Schädlinge und überstehen auch lange Dürre-Perioden.

Dass Mais alle Jahre wieder neu ausgesät werden muss und ohne mühsamen Zwischenfruchtanbau die Böden auslaugt, ist bekannt. Auch das Riesengeschäft mit „optimiertem“ Saatgut und auch die Verbraucher-Panik gegen Gentechnik. Trotzdem gilt die Wette, dass die Kunden im Bio-Laden mehr über mexikanischen Chia-Samen wissen als über Silphie.

Der Deutsche Jagdverband spricht von einer „ernüchternden Bilanz“. Obwohl selbst der „Fachverband Biogas“ dem Silphie-Anbau „vergleichbare Biogaserträge“ wie beim Mais bescheinigt. Und obwohl pfiffige Landwirte im württembergischen Ostrach den Beweis liefern, dass sogar Zusatzgeschäfte drin sind: Sie ziehen ihre Silphie-Pflanzen in eigener Regie, sind eine erste Adresse geworden für umweltverträglichen Energiepflanzenanbau.

Sogar für die Kollegen, die den Totalausfall der Ernte im ersten Jahr fürchten, haben die Schwaben eine Lösung. Silphie wird erst mal zusammen mit Mais gepflanzt und im Jahr darauf gibt es ja schon die erste Ernte der Öko-Stängel. „Mit der Durchwachsenen Silphie haben wir jetzt eine perfekte Ergänzung zum Maisanbau gefunden“, lobt der Fachverband Biogas die Pionierarbeit der Ostracher Bauern.

Noch wagt offenbar niemand die Frage, ob derart erzeugtes Öko-Biogas finanziell besonders gefördert werden sollte. Bei aller Begeisterung von Agrarwissenschaftlern, Imkern und Wildtierbiologen wären die Jäger für den Anfang schon zufrieden, wenn der alternative Energiepflanzenanbau wenigstens in Problembereichen eine Chance bekäme – auch als Antwort auf die zunehmenden Probleme, Reviere mit hohem Mais- und Sauenbestand zu verpachten.

Überlegungen, Energiemais-Felder aus der Wildschadenersatzpflicht zu nehmen, könnten da auch Wirkung zeigen. Nur auf Unterstützung der Tierschutz-Fundamentalisten warten Jäger und andere Tierfreunde bisher vergeblich. Obwohl auch die schlimmen Bilder von ungeborenen Wildschwein-„Babys“, die nach Januar-Drückjagden aus dem Mutterleib geschnitten wurden, direkt mit dem Mais zu tun haben.

Trächtige Sauen im Hochwinter waren nämlich extrem selten, als es noch keine Dauermast in den Mais-Wüsten gab. Aber selbst für diesen Wandel sollen in der interessiert-unwissenden Stadtmenschen-Öffentlichkeit Jäger den Kopf hinhalten. Und sie bleiben dann auch noch auf dem Wildbret sitzen, weil die Hetze gegen den Fleischkonsum keine Grenzen kennt. Öko und Bio her oder hin, Hauptsache „Energiewende“. Ohne Rücksicht auf Verluste.

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