Bären-Attacke: Elfjähriger wird im Internet gefeiert – und angefeindet

Der elfjährige Elliot Clark aus Alaska erschießt einen angreifenden Bären und rettet seinen Verwandten damit wahrscheinlich das Leben. Die deutsche Reaktion: „Der arme Bär“.

Der US-Bundesstaat Alaska ist ein Sinnbild für unberührte Natur und endlose Wildnis, aber auch für nicht ganz ungefährliche Streifzüge durch dieselbe. Diese Erfahrung haben der elfjährige Elliot Clark und seine Familie gemacht, als sie in der Nähe von Hoonah im Südwesten des Bundesstaates einen Angelausflug unternahmen, wie die Zeitung Juneau Empire berichtete. Gemeinsam mit seinem Onkel, seinem Großvater, seinem Cousin und drei Hunden streifte der Junge durch den Wald in Richtung eines Fischteichs, als die Gruppe von einem Braunbären attackiert wurde.

Weil es in Alaska immer wieder Berichte über Bären-Angriffe gibt, trug nicht nur einer der Männer, sondern auch der erst elfjährige Elliot Waffen bei sich – zum Glück. Während sein Onkel noch mit dem Schulterriemen seines Gewehrs beschäftigt war, griff der Braunbär bereits an. „Der Bär war so schnell hinter ihm her, dass er keine Zeit mehr hatte, sein Gewehr von der Schulter zu nehmen“, erzählte Elliots Vater gegenüber der Zeitung.

Elliot behielt jedoch die Nerven und feuerte mit seiner Pumpgun drei Schüsse auf den Bären ab, der schließlich starb. Es war ein kleines Detail, das Elliots Familie wohl das Leben gerettet hat: Weil sein Vater noch nicht dazu gekommen war, einen Schultergurt am Gewehr seines Sohnes anzubringen, musste Elliot es in der Hand tragen. Daher konnte er so schnell reagieren, und auch deshalb, weil er bereits eine Menge Übung im Schießen hatte.

Zudem hatte Elliot mit Erlaubnis seines Vaters den recht harmlosen Vogelschrot in seiner Pumpgun vor dem Ausflug ausgetauscht. Der Vater betonte gegenüber dem Juneau Empire, dass Bärenangriffe in der Wildnis Alaskas nicht selten seien. Weil man Mutter Natur eben nicht kontrollieren könne, sei es besonders wichtig, dass man vorbereitet sei – insbesondere auch die Kinder.

Auf diese Geschichte sind mittlerweile viele internationale Medien, darunter auch einige deutsche, aufmerksam geworden. Die meisten feiern Elliot für seine Rettungsaktion. Auch bei Facebook erhält der junge Schütze viel Lob, zum Beispiel von Alaskas Senatorin, Shelley Hughes. Sie schreibt: „Wow. Einfach nur wow. Was für ein Schuss, was für ein Mut.“

Doch nicht alle scheinen sich darüber zu freuen, dass sich der Junge gegen einen angreifenden Bären zur Wehr gesetzt und damit mehrere Leben gerettet hat. So schreibt eine Nutzerin: „Ich verstehe nicht, warum ein 11-Jähriger mit einer geladenen Waffe herumläuft...“, eine weitere: „Keiner kann das nachprüfen. Vielleicht durfte der Junge auch zum ersten Mal töten. Der arme Bär.“ Natürlich sind auch einige dabei, die den Jungen und auch seine Eltern loben. Immerhin hat der sichere Umgang mit der Waffe in Kombination mit einer gehörigen Portion Geistesgegenwart dafür gesorgt, dass nun ein toter Bär betrauert wird und nicht eine halbe Familie ausgelöscht wurde.

Allerdings fragt man sich schon, was in den Köpfen vorgeht, wenn ein solcher Vorfall zum Anlass genommen wird, den „armen Bären“ zu bedauern oder die Schusswaffenkultur in den USA anzuprangern. Zum Glück gibt es da Menschen wie Senatorin Hughes, die solche Kommentare nicht einfach stehen lassen, sondern ordentlich Kontra geben. Eine deutsche Nutzerin empört sich etwa: „Wenn ein kleiner Junge schon mit ner Knarre rum ballern darf, wundert mich nicht, warum so viele Mörder in den USA rum geistern. Erschießen oder töten scheint euch Spaß zu machen.“

„Es wundert mich sehr, wie die Posts von der anderen Seite der Erde sich mehr um den Bären sorgen als um den Jungen. Es ist ziemlich offensichtlich, dass sie keine Ahnung von der Lebensrealität in Alaska haben.“

Senatorin Shelley Hughes

Sogar der junge Elliot selbst wird unter dem Bild beleidigt – die Kommentare wurden von der Republikanerin Hughes bereits gelöscht. Insbesondere deutsche Kommentatoren scheinen sich lieber auf die Seite des erschossenen Bären zu stellen. Hughes begegnet den pöbelnden Bärenfreunden und Waffengegnern mit Scharfsinn und Schlagfertigkeit: „Es wundert mich sehr, wie die Posts von der anderen Seite der Erde sich mehr um den Bären sorgen als um den Jungen. Es ist ziemlich offensichtlich, dass sie keine Ahnung von der Lebensrealität in Alaska haben.“ Tatsächlich wird dem Leser der Kommentare schmerzlich bewusst, dass Deutschland und Alaska sind nicht nur geographisch ziemlich weit voneinander entfernt sind. Man möchte meinen, dass etwas Einfühlungsvermögen und gesunder Menschenverstand diese Distanz überwinden können, doch weit gefehlt.

Scrollt man etwas weiter durch die Reaktionen, stellt man allerdings erleichtert fest, dass es nicht nur deutsche Kommentatoren gibt, für deren geistigen Output man sich schämen muss, sondern auch solche, die offenbar ein bisschen mehr Bezug zur Realität haben. Ein Bär sei eben kein Kuschel-, sondern ein Raubtier, aber: „In Deutschland können oder wollen es sich die meisten Leute nicht vorstellen, was es bedeutet, mit wilden Tieren zu leben.“ Dem ist nichts hinzuzufügen!

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