Bei Schwarzwildplagen besser nicht Peta fragen

Wildschweine

Foto: Carol Scholz

So unterschiedlich kann man die Welt sehen: Der von der Jägerschaft begrüßte, praxisorientierte Änderungsentwurf für das baden-württembergische Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) stellt für die Tierrechtsorganisation Peta einen „erheblichen Eingriff in die Kernbereiche des Gesetzes“ dar und „denunziert den über zwei Jahre langen Gesetzgebungsprozess in der letzten Legislaturperiode“. Laut einer Pressemitteilung hat Peta der grün-schwarzen Landesregierung die Bitte übermittelt, „den Jägern nicht noch weitere Zugeständnisse zu machen, sondern sich stattdessen für Verbesserungen des Gesetzes im Sinne des Tierschutzes sowie der aktuellen Gesetzgebung einzusetzen“.

Der neue Landesforstminister Peter Hauk (CDU) hatte im Juli angekündigt, das JWMG seines grünen Vorgängers Alexander Bonde, wie im grün-schwarzen Koalitionsvertrag festgelegt, weiterzuentwickeln (wir berichteten). „Wir wollen dabei Anpassungen in Bereichen vornehmen, in denen sich in der Praxis punktuell Änderungsbedarf gezeigt hat“, erklärte Hauk. Das heftig umstrittene und von der baden-württembergischen Jägerschaft intensiv bekämpfte Gesetz war am 1. April 2015 an die Stelle des Landesjagdgesetzes getreten. Rasch hatte sich jedoch in der Praxis, genau wie von Minister Hauk verdeutlicht, die Notwendigkeit gezeigt, Nachbesserungen vorzunehmen.

Anstatt sich für die Erfahrungen von Praktikern zu interessieren, betrachten die selbsternannten Tierschutz-Experten von Peta die Lage weiterhin durch ihre Brille: So seien den Jägern schon während des zweijährigen Diskussionsprozesses über das JWMG „weitreichende Zugeständnisse gemacht“ worden. Den Anforderungen des Tierschutzes sowie des Tierschutzgesetzes hingegen sei die seinerzeitige grün-rote Landesregierung „nur ansatzweise nachgekommen“. Mit den vom neuen Forstminister Hauk beabsichtigten Änderungen am Gesetz droht laut Peta nun „ein großer Rückschritt, der lediglich auf den Interessen der Jagdlobby beruht“.

Dass die sogenannte „Jagdlobby“ keineswegs nur eigene Interessen verfolgt, sondern beispielsweise bei der Bekämpfung explodierender Schwarzwildbestände im Sinne der Allgemeinheit handelt, will man bei Peta offenkundig nicht wahrhaben. So durchpflügen die Wildschweine nicht nur Äcker, Wiesen und Weideland (wir berichteten) und schädigen baden-württembergische Wiesenbesitzer und Landwirte, sondern sie zerstören mit Vorliebe auch Gärten, Friedhöfe oder Sportplätze und rücken damit ziemlich nah an die ganz „normale“ Bevölkerung heran (wir berichteten).

Genau diese Problematik zählt daher auch zu den Punkten, die Forstminister Hauk mit der Weiterentwicklung des JWMG angehen will. „Angesichts hoher Schwarzwildbestände schaffen wir für die Jägerinnen und Jäger eine unbürokratische Möglichkeit, dass Wildschweine im März bei günstigen Schneelagen auch im Wald bejagt werden können“, sagte der CDU-Politiker bei der Präsentation des Änderungsentwurfs. Angesichts lokal zum Teil sehr hoher Schwarzwildbestände und entsprechend großer Wildschäden müsse diese Möglichkeit den Jägerinnen und Jägern bereits für die Märzjagd 2017 zur Verfügung stehen.

Für die baden-württembergische Jägerschaft begrüßte Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann die geplanten Änderungen Mitte Juli als praxisorientiert und zielführend: „Die Lockerung der Jagdruhezeit für Schwarzwild ist ein Schritt in die richtige Richtung, wenn auch ein größerer Schritt möglich und erforderlich wäre.“

Was aus Sicht von Peta erforderlich wäre, ist unschwer zu erraten – „die Abschaffung der Jagd“. Schließlich hätten wissenschaftliche Studien belegt, „dass die Jagd nicht dazu geeignet ist, Wildpopulationen dauerhaft zu regulieren“.

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