Das Angeln muss nicht verboten werden

Angler

Das 3sat-Fernsehen sorgt sich um die Fische und lässt dabei die schlimmsten Umweltsünden aus. 

Bei 3sat loben sie sich gerne als Bildungsfernsehen. Dann sollten aber auch die Sendungstitel nicht zur Volksverdummung beitragen. Wie jetzt „Angeln verbieten?“ Obwohl am Schluss der Sendung auch die Autoren gestehen, dass es für solch ein Verbot keinen vernünftigen Grund gibt. 

Einen vernünftigen Grund, den Film anzusehen, gab es allerdings auch nicht. Viel Experten-Sprech, dass die Fische und die anderen Wasser-Lebewesen immer weniger werden – aber kaum ein Wort über die wahren Ursachen wie die neue Wasserkraft-Hysterie im Gefolge der sogenannten Energiewende. Und dazu eine schwer erträgliche Vermischung von Berufs- und Freizeit-Fischerei. Als seien ein paar Angel-Kutter schuld, wenn es weniger Dorsche gibt. 

Ausnahmsweise dankenswert: Durch 3sat weiß jetzt auch Peta, dass die allermeisten Fische überleben, wenn sie nach dem Fang schonend zurückgesetzt werden. Das ist zwar nach dem Tierschutzrecht nur in engen Grenzen erlaubt – aber sogar gesetzlich vorgeschrieben, wenn ein Fisch das vorgeschriebene Mindestmaß noch nicht erreicht hat. 

Trotz offenkundiger Nabu-Beratung bleibt das heikelste Thema ohne Erwähnung

Einziger Höhepunkt des Films: Eine Dame vom Nabu verlangt, die Karpfen abzuschaffen. Weil sie die Unterwasser-Vegetation so sehr zerwühlen und für Eutrophierung, also für ein Nahrungsüberangebot, sorgen. Was in Wahrheit sehr viel stärker durch die gnadenlos gemästeten Schwäne passiert. Außerdem: Wie sehr schadet es unserer Natur wirklich, wenn wir den passionierten Karpfenanglern ein paar Teiche lassen? 

Trotz offenkundiger Nabu-Beratung bleibt das heikelste Thema ohne Erwähnung: Die organisierte Zerstörung der letzten einigermaßen intakten Fließgewässer mit ihren akut vom Aussterben bedrohten Fischarten, Äsche und Huchen zum Beispiel. Solchen Frevel aufzudecken, überlassen Nabu und 3sat dann doch lieber den Fischereiverbänden und dem Bund Naturschutz. 

Dafür wird der Zuschauer Zeuge höchst aufwändiger Rettungsaktionen für die Aale, über deren Nutzen sich nun wirklich streiten ließe, weil der Lebensraum der Aale rettungslos zerschnitten ist und die Besatzmaßnahmen im Kern mit Natur- und Biotopschutz nichts zu tun haben.

Aber, wie schon gesagt, das Angeln muss ja auch laut 3sat doch nicht verboten werden. Vielleicht weil drei Millionen Angler jährlich 6,4 Milliarden Euro für ihre Leidenschaft ausgeben und damit rund 52.000 Arbeitsplätze sichern, wie es im Begleittext zur Sendung heißt. Und weil die Angler mit ihrer Fischerei-Abgabe jährlich rund 30 Millionen Euro für Forschung und Schutzmaßnahmen beisteuern, für Sinnvolles ebenso wie für Nützliches.

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