Der mit dem Wolf tanzt

Wolfsgeheul

Bald ist es wieder so weit. Am 12. Februar treffen sich auf der Messe Jagd und Hund in Dortmund die besten Hirschimitatoren Deutschlands, um sich in der Kunst des Hirschrufens zu messen. Nicht nur die Jagdpresse, auch viele nichtjagdliche Medien werden wieder darüber berichten. Der Tenor reicht dabei von Bewunderung über die Beherrschung eines alten jagdlichen Handwerks bis zur schmunzelnden Feststellung einer Skurrilität, die Jäger im Wettbewerb veranstalten.

Die Lockjagd ist eine uralte Jagdart. Außer dem Hirsch gilt sie auch Rehbock, Fuchs, Wildschwein, Krähe, Ringeltauben oder Enten. Bei Hirsch und Reh wird die Lockjagd in der Brunft ausgeübt. Der Begriff „Blattzeit“ für die Paarungszeit des Rehwildes leitet sich sogar davon ab. Bei der „Blattjagd“ ahmt der Jäger die Brunftlaute des weiblichen Rehwildes nach und versucht so, suchende Böcke anzulocken. Zum Blatten verwendet der Jäger verschiedene dünnrippige Blätter von Buchen oder breitblättrige Gräser, was zur Namensgebung führte.

Ein Blick in die Kataloge der Jagdausrüster zeigt, dass neben traditionellen Hilfsmitteln auch die Technik bei der Lockjagd Einzug hält. Da werden neben traditionellen Fiepblattern, Hasenklagen, Mauspfeifchen, Schwarzwildlockern und Hirschrufen auch elektronische Locker für Fuchs, Krähe oder Schwarzwildwild angeboten. Jedenfalls dürften aus vielerlei Gründen die Zeiten vorbei sein, in denen der 18-jährige Jagdscheinaspirant als Weihnachtswunsch „Reizgarnitur“ äußerte, dabei nur die Lockjagd auf den Fuchs im Sinn hatte, seine Eltern jedoch erotische Phantasien vermuteten.

Warum nutzen die Jäger nicht die Gelegenheit, sich dem Thema „Wolf“ auf ihre ganz besondere Art und Weise zu nähern? Ihnen wird ja zumeist vorgeworfen, allein aus Gründen des „Futterneides“ die Zuwanderung des Wolfes abzulehnen.

„Deutschland kam 200 Jahre ohne Wölfe zurecht. Für was exakt müssen wir jetzt Raubtiere welche den Wald unsicher machen, in Massen Wild und Nutztiere reißen hier ansiedeln? Deutschland ist seit Jahrhunderten keine wilde Natur mehr sondern ist eine dicht besiedelte Kulturlandschaft. Hier eine unkontrollierte Ausbreitung fleischfressender Großraubtiere zu erlauben ist kompletter Irrsinn.“

Zitat aus einer Pro- und Contra-Diskussion in openPetition

Warum könnte nicht, dem Beispiel des Hirschrufwettbewerbs folgend, ein Wettbewerb um das beste Wolfsheulen die Messehallen in Dortmund mit dem einzigartigen, uns Menschen in unseren Urinstinkten berührenden Wolfsgeheul durchwehen?

Denn wie beim Hirsch zum Beispiel die Stimme des Platzhirsches beim Kahlwildrudel oder des jungen, suchenden Hirsches, der Kampfruf eines im Zweikampf siegreichen Hirsches oder ein ruhender, abgebrunfteter Hirsch imitiert werden müssen, so erfüllt auch das Heulen des Wolfes verschiedene Funktionen, die zum Nachmachen einladen. Sei es die Wiedervereinigung von Wölfen aus demselben Rudel, das Errichten und Aufrechterhalten von sozialen Bindungen, das Abstandhalten zwischen Rudeln oder die Partnerwahl.

Die Jäger würden mit dieser spielerischen Annäherung an das emotional und kontrovers diskutierte Thema unter Beweis stellen, dass sie mit der Biologie des Wolfes ebenso vertraut sind wie mit der des Hirsches. Und dass sie beiden Arten mit dem gleichen Respekt begegnen.

Sie wären die, die mit dem Wolf tanzen. Das lärmende Schlachtfeld der Wolfs-Polemik könnten sie so lange anderen überlassen. Denn der Wolf wird seine eigenen Gesetze machen. In der Natur. Und in der Folge in den Parlamenten. Doch letztendlich entscheidet der Mensch beim Thema Wolf über Verlierer und Gewinner.

Wie heißt es so richtig im Film? „Unter allen Fährten in diesem Leben gibt es eine, die am meisten zählt. Es ist die Fährte, die zum wahren Menschen führt.“ Möge er weise Gesetze machen.

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