Der Nabu sucht nach Schuldigen

Naturschutzbund will von einer Forderung nach intensiverer Waschbärjagd plötzlich nichts mehr wissen.

Waschbär

Ein kleiner Räuber liegt dem Nabu offenbar schwer im Magen. Nach Berichten über die Forderung nach Aufhebung der Waschbär-Schonzeit sucht der Naturschutzbund nach Schuldigen. Statt einfach zuzugeben, dass auch viele Nabu-Ehrenamtliche ein Problem mit den gefräßigen Zuwanderern haben.

Sicher ist: Der Ankündigung, vermeintliche Falschmeldungen über die Forderung nach intensiverer Waschbärjagd zu widerlegen, folgte bis Freitagmittag erst mal Schweigen. Stattdessen berichteten viele weitere angesehene Tageszeitungen über das Problem und fanden auch in regionalen Nabu-Kreisen Zeugen für die Forderung nach Ausweitung der Jagd auf die zugewanderten Raubtiere.

Nabu-Originalton vom Donnerstag: „Die ‚Forderung‘ in den Medienberichten ist nicht korrekt und entspricht nicht der Position des NABU Niedersachsen und ist auch keine vom NABU erhobene Forderung! Wie diese Aussage zu Stande gekommen ist, klären wir ab. Weitere Informationen dazu werden morgen folgen!“

Wie gesagt, sehr erfolgreich war die Inquisition zumindest auf die Schnelle offenbar nicht. Aber der Naturschutzbund sah sich angesichts wütender Kommentare aus dem Anhängerkreis zur Drohung mit Konsequenzen genötigt: „Beleidigungen werden sofort gelöscht! Zudem werden Personen von dieser Seite ausgeschlossen, sollten Beschimpfungen fallen! Wir können euren Unmut verstehen, jedoch sollte ein normaler Umgangston gewahrt werden! Wir danken für euer Verständnis!“

Womöglich noch peinlicher: Auf zahlreichen Internet-Foren kramten Nabu-Kritiker alte Stellungnahmen hervor, mit denen Nabu-Experten dem Waschbären Generalabsolution erteilen, obwohl die Experten der Europäischen Union die Tiere offiziell zur großen Gefahr für den Artenschutz erklärt haben (wir berichteten).

Zudem gibt es Anzeichen dafür, dass Ehrenamtliche an der Nabu-Basis nicht mehr verstehen, warum sie mit viel Mühe Krötenzäune bauen und dann zusehen müssen, wie sich Waschbär & Co. an den Fangeimern bedienen (wir berichteten). Die Tierfreunde, die auf Unterstützung durch die Jäger hoffen, klagen auch anschaulich über Waschbär-Grausamkeiten. Vor allem darüber, dass die possierlichen Tierchen die Kröten wegen ihrer Giftdrüsen erst mal häuten, um sich ihre Opfer dann schmecken zu lassen.

Aber das Waschbär-Unwesen sorgt ja auch für neue Nabu-Geschäftsfelder: Zum Beispiel Kletter-Hindernisse, die Freiwillige an Nistbäumen anbringen, damit die putzigen Tierchen nicht so leicht an die Gelege seltener Vögel wie Störche kommen. Letztere sind ja immerhin der Nabu-Wappenvogel – und der Waschbär ist ihr Nahrungskonkurrent.

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