Die Grünen sind gefordert

Das Wahljahr 2017 sollte für die Öko-Partei ein Grund sein, über ihr Verhältnis zu den Jägern nachzudenken.

Grüne Wiese

2017 ist mal wieder „Super-Wahljahr“. Und, wie es aussieht, vor allem für die Grünen ein Grund, über Zielgruppen nachzudenken. Auch über das Verhältnis zu den Jägern, die natürliche Verbündete sein könnten.

Zugegeben, bei vielen Jägern löst allein schon das Wort „Grün“ mittlerweile Beißreflexe aus. Zu oft hat sich die einst aus gutem Grund gegründete Partei gern jeder Mode angeschlossen, die unter Tierwohl-Schlagworten daherkommt. Aus natürlichen Verbündeten wurden so scheinbar Feinde. Und die Öko-Partei rief manche Geister, die ihr heute klammheimlich Albträume bereiten.

Versetzen wir uns nur in die Lage von grünen Ministern, die über den Abschuss von „Problemwölfen“ mitentscheiden müssen – und damit riskieren, dass ein besonders lauter Teil ihrer Stammkundschaft ausrastet. Oder stellen wir uns die Bürde vor, als Regierungspartei in Baden-Württemberg ein Landesjagdgesetz zu verantworten, das nach nötigen Korrekturen einigermaßen auf dem Boden der Tatsachen bleibt – aber deutlich hinter den Wünschen so mancher Ideologen.

Im Wahljahr 2017 kommen Umfrageergebnisse hinzu, die den Grünen Sorgen machen müssen – zumal zugleich die AfD-Partei zulegt und auch diese das Tierschutz-Publikum gelegentlich gezielt umgarnt. Was sich, historisch betrachtet, nicht gegenseitig ausschließt. Das Studium so mancher Facebook-Profile aus der Tierrechte-Fraktion empfiehlt sich da zur realitätsnahen Analyse.

Wahr ist, dass es bei den Grünen „solche“ und „solche“ gibt, wie in den anderen Parteien auch. Und dass, zumal im kleineren Kreis, mit Mandatsträgern der Öko-Partei durchaus fruchtbare Gespräche möglich sind. Da wird auch klar, dass die Angst vor dem Stammwähler der eigenen Vernunft und Sachkenntnis gelegentlich im Wege steht. Eine durchaus parteiübergreifende Form der Denkverbote.

Während der amtierende Papst mit führenden Protestanten eine Messe zum Reformationstag gefeiert hat, scheint es weitgehend ausgeschlossen, dass Jäger und Grüne gemeinsam an einem Tisch sitzen – zumindest, wenn Fernsehkameras dabei sind. Solche Berührungsängste schaden jedoch nicht nur der politischen Kultur, sondern auch der Ökologie, weil zunehmend der Sparten-Naturschutz über seine Verbände und deren Spenden-Sammelwut die politische Wirklichkeit beeinflusst.

Mandatsträger können sich so aussuchen, ob sie Dezimierung des Schalenwilds wünschen, damit der Wald besser gedeiht. Oder doch besser verkünden, dass es genug wilde Wolfsbeute geben müsse, um so die Wölfe von den Weidetieren fernzuhalten. Sie müssen den Zusammenhang zwischen explosionsartiger Sauenvermehrung und Energie-Maisanbau leugnen. Und so tun, als hätten sie nicht bemerkt, dass hauptsächlich die kleinen Leute diese sogenannte Energiewende finanzieren.

der Verdacht LIEGT NAHE, dass Abhängigkeiten zwischen vermeintlich fortschrittlicher Politik und veganen Milieus sachgerechte Entscheidungsprozesse behindern.

Das natürliche Interesse der Jägerinnen und Jäger an intakter Natur wird in derartigen Entscheidungsprozessen gerne als entbehrlich abgetan. Das starke Artenschutz-Motiv, nachhaltig Beute zu machen, wird geflissentlich geleugnet – mitunter von beiden Seiten. Nur noch wenig überzogen scheint so der Verdacht, dass die Abhängigkeiten zwischen vermeintlich fortschrittlicher Politik und veganen Milieus zunehmend sachgerechte Entscheidungsprozesse behindern.

In der Realität sorgt solche Entwicklung dafür, dass die Interessen der Naturnutzer zunehmend auf der Strecke bleiben, mitunter auch die Vernunft. Um diesen Prozess zu stoppen, wäre Abrüstung in der Wortwahl ein guter Anfang. So wie die Jäger fordern, dass sich Politiker vernehmlich vom haltlosen „Mörder“-Gebrüll mancher Hilfstruppen distanzieren, darf auch die Politik Wahrung der Umgangsformen erwarten. So wäre jener Dialog möglich, der selten geworden ist – zum Schaden von Jagd, Natur und politischer Kultur.

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