Die Nabu-Räuberhöhle im Münsterland

Der Nabu schmückt sich mit einem Scheunenbau als Heimat für Raubwild. Mitten in einem Naturschutzgebiet für seltene Wiesenbrüter.

Scheune

Symbolbild

Es wird Menschen geben, die diesen Text vielleicht nicht verstehen oder nicht verstehen wollen. Dabei ist das Thema typisch für die Ignoranz so mancher Tier- und Naturschützer: Mitten in einem Naturschutzgebiet für seltene Vögel bauten Schüler unter Nabu-Anleitung eine Feldscheune für Raubvögel und Marder.

Das Naturschutzgebiet Saerbeck im Kreis Steinfurt im Münsterland ist amtlich ausgewiesen „Zur Erhaltung und Entwicklung eines großflächigen Feuchtwiesenbereiches als landesweit bedeutsames Brut-, Rast- und Überwinterungsquartier für zahlreiche, zum Teil stark gefährdete Vogelarten“, insbesondere für Bekassine, Großen Brachvogel und Uferschnepfe. Und für eine ellenlange Liste weiterer Wiesenbrüter.

Nun werden es die seltenen Vögel etwas schwerer haben, weil Menschen es ihren natürlichen Feinden gemütlich machen. Auf Initiative und unter Anleitung des Naturschutzbundes (NABU) bauten Schüler dort eine stattliche Feldscheune mit dem erklärten Ziel, neben Fledermäusen auch Schleiereulen und Mardern eine Heimstätte zu bieten. Die Naturschutzstiftung des Kreises Steinfurt spendierte 6500 Euro fürs Material, die örtliche Presse und die Lehrer sind begeistert.

Nun lässt sich gegen solche Projekte grundsätzlich nichts einwenden – wenn sie an der richtigen Stelle entstehen und vorher nachgedacht wurde. Aber in einem Feuchtgebiet von landesweiter Bedeutung für seltene Tierarten macht es keinen Sinn, gezielt die Ansiedlung von Prädatoren zu fördern, die eine ernste Bedrohung für eben diese Arten darstellen.

Im Jahr 1982 hat der Nabu den Großen Brachvogel zum „Vogel des Jahres“ ausgerufen. Eine aussterbende Art wie Schnepfen und Bekassinen und zahlreiche andere Vogelarten, für die das Brachland an der neuen Räuber-Scheune Zuflucht ist. Da muss Nachdenken erlaubt sein, wie sehr wachsende Raubvogel-Populationen nicht nur im Münsterland längst dem Artenschutz zuwider laufen.

Logisch, es gab gute Gründe, den Steinkauz im Jahr 1972 zum Nabu-“Vogel des Jahres“ zu erklären. Die kleinen Eulen sind in der Tat bedroht – und deutschlandweit nur noch in Nordrhein-Westfalen in größeren Beständen vertreten. Aber muss die Steinkauz-Hege ausgerechnet in einem wichtigen Feuchtwiesengebiet stattfinden? Mit dem unbestreitbaren Risiko, dass vom Scheunenbau hauptsächlich Räuber profitieren, die keineswegs bedroht sind.

Im antiken Griechenland galt der Steinkauz (Athene noctua) als Symbol der Weisheit. Ob es der Weisheit letzter Schluss sein kann, die Räuber ausgerechnet dort zu fördern, wo der Schutz anderer Arten auf dem Spiel steht, darf bezweifelt werden. Wie so manche Spielarten des Artenschutzes mit Scheuklappen, die den Blick auf die Natur als Ganzes verhindern.

Am Rande: Auch die Fledermäuse, denen der Scheunenbau als Unterschlupf dienen soll, sind wichtige Beutetiere für den Steinkauz. 

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