Die wunderbare Jagd des kleinen Mannes

Der Winteransitz auf den Fuchs kann ein ganz großes Jagderlebnis sein. Und eine Herausforderung für alle Sinne.

Fuchs im Winter

Foto: Ryszard Adamus

Mein erster Fuchs fiel auf einer Treibjagd. Er rollierte wie im Lehrbuch und lag da wie mausetot. Dann war er plötzlich futsch. Zwei Schützen weiter prasselten die Schrote. Da lag er dann, wirklich mausetot. Die alten „Hasen“ amüsierten sich, beim Schüsseltreiben gab’s eine Strafpredigt und eine Runde auf meine Rechnung. Es wurde der Beginn einer Leidenschaft für viele, viele Jahre und noch mehr kalte Nächte.

Unvergesslich die Januar-Winternächte in Mittelschweden. Zu Beginn der 1980er-Jahre, als dort in mondhellen Nächten zwanzig, dreißig Minusgrade noch ganz normal waren. Dazu der weite Blick über tief verschneite, zugefrorene Seen und Stille, wie wir sie daheim kaum noch kennen. Wenn sie nicht von der Räude befallen waren, die damals umging, waren es mächtige Füchse dort im Winterpelz, bis an die 15 Kilo schwer. Was sicher auch an der Räude lag, die der Population Grenzen setzte und die starken, gesunden Tiere mit reichlich Nahrung begünstigte.

Fuchs an einem Hochsitz

Foto: Mariusz Grzeskowiak

Schon ein solcher Anblick macht vergessen, dass Gesicht und Hände noch lange schmerzen werden, zurück in der warmen Hütte. Fuchsansitz zur Paarungszeit ist nun mal eine kalte Angelegenheit, auch in unseren Breitengraden. Aber was gibt es für Jäger Schöneres vor unseren Haustüren als den reifen Fuchs im Winterbalg? Was ist spannender als die Lockjagd bei Vollmond oder im ersten Licht der kurzen Tage? Mit einem Fuchspelz-Futter in der Lodenkotze, die Hände warm im Muff vergraben, logisch ebenfalls aus Fuchs genäht. Zeit zum Nachdenken, und um zu sich zu kommen. Viel Zeit sogar, auch um die Sinne zu schärfen. Bis du ohne Bedenkzeit das Schrecken eines Rehbocks vom rauen Bellen unterscheidest, mit dem der Fuchsrüde Nebenbuhler abschrecken will.

Schon um die Weihnachtszeit herum sind sie rastlos unterwegs auf der Suche nach einer Partnerin. Lauschen nach dem Singsang paarungsbereiter Fähen. Dieses Lied kennt der Jäger ganz ähnlich von der Hündin auf dem Höhepunkt der Hitze. Und er weiß: Wenn es so durch Wald und Feld tönt, ist mit der Hasenklage meistens nichts zu machen. Das kommt erst später, wenn der Hunger wieder wichtiger ist als Paarung.

Zum Locken später mehr. Vorab sind Regeln wichtig, die schon vor dem Ansitz über den Erfolg entscheiden. Vielleicht die Wichtigste: Den kürzesten Fußweg zur Kanzel wählen. Unsere frische Witterung nimmt der schlaue Fuchs noch nach Stunden wahr und ist gewarnt. Und den Hund am besten gleich zuhause lassen. Nachsuchen sind sehr selten beim sauber organisierten Winter-Ansitz. Noch wichtiger als die Lichtstärke ist beim Glas, dass es nicht beschlagen ist, wenn es zum Schuss kommt. Also immer wieder mal trocken reiben, im Muff warm halten und nicht wie ein Walross auf die kalten Linsen schnaufen. Gelassenheit ist angesagt, lieber keinen Schuss als einen hastig hingeworfenen.

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Lockjagd ist eine Kunst. Glücklich, wer einen Lehrmeister findet, der das Spektrum der Töne draufhat. Sonst gibt’s Bücher, Filme und natürlich Tonaufnahmen. Aber das direkte Zuschauen und Zuhören macht die Sache leichter. Und mit den klassischen Lockern aus Holz oder Horn gelingt es auch besser als mit Elektronik-Kästchen oder Handy-Apps – denken meiner Meinung nach zumindest die Füchse. Wie schon gesagt, auf dem Höhepunkt der Ranzzeit (klassisch muss es wohl Rollzeit) heißen, funktioniert der Ruf der Fähe deutlich besser als die Hasenklage. Und wenn der Fuchs schon nah herangekommen ist, ist das Mauspfeiferl das Instrument der Wahl – aber ziemlich leise mit ganz, ganz kurzen Tönen.

Pelze

Foto: Gaertringen

Könner machen so etwas allein mit Mund und Händen. Ich bin kein Könner, aber fasziniert von Lockinstrumenten – bis hin zu winzigen Pfeife für das Haselwild. Alles irgendwie auch Tradition, die das Nachdenken wert ist. Zum Beispiel darüber, warum ein Fuchspelz heute viele Leute wütend macht. Meine Frau war noch glücklich, als ich nach vier Wintern endlich die 25 Bälge für eine lange Jacke beieinander hatte. Auf so etwas waren damals noch viele Menschen neidisch. Heute lassen sogar Jägersfrauen ihren Pelz zu Kuscheldecken fürs Sofa umarbeiten. Da sieht’s kaum jemand.

Dabei ist ein Fuchs die natürlichste Winterkleidung. Kein Tierleid-Symbol aus Fernost, sondern redlich erarbeitet. Aber trotzdem kaum zu verkaufen. Obwohl der Widerwillen gegen Pelze keinem Fuchs das Leben rettet. Denn der Bestand muss reguliert werden, spätestens, seitdem wir die Tollwut ausgerottet haben. Sonst sähe es noch übler aus fürs Niederwild und Bodenbrüter. Dass Fuchsbälge auf dem Müll landen, ist auch so eine Modeerscheinung im Tierrechte-Zeitalter, fällt mir in langen Ansitznächten ein.

Aber zurück zu Jagd des kleinen Mannes. Raubwild und Raubzeug kurz zu halten, ist traditionell auch ein Akt, mit dem sich Begehungsschein-Inhaber beim Jagdherrn revanchieren. So war das, als Bock und Hirsch noch nirgendwo wie Waldschädlinge behandelt wurden. Die Erinnerung an die Fuchsnächte gehört dazu wie die Erfahrung, dass die ganz frühen Morgenstunden nicht selten noch besser sind als Vollmond-Nächte. Gerne auch vor dem Weg ins Büro, da fällt das Aufstehen deutlich leichter.

Im Februar, wenn die Hasenklage ihre hohe Zeit hat, werden die Nächte ja auch schon kürzer. Und wer im Winter fleißig im Revier war, weiß im Mai besser, wo die guten Böcke gehen. Jagd hat nun mal das ganze Jahr Saison.

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