Ein Biss mit Folgen

Kein Mensch kann bisher sicher sagen, ob es wirklich ein Wolf war. Aber seit ein Gemeindearbeiter im niedersächsischen Bülstedt auf dem Friedhof in die Hand gebissen wurde, befinden sich einschlägige Medien im Kampfmodus. Aber die Wolfsfreunde wissen schon, dass nicht sein kann, was aus ihrer Sicht nicht sein darf.

Wolf watet durch Wasser

Foto: Tobias Bürger

Vorweg die bisher bekannten Tatsachen: Der 55-Jährige war mit Arbeiten an einem Grab beschäftigt. Als er aus der Hocke aufstehen wollte, bemerkte er, dass ein Tier in seinen Arm gebissen hat. Der Mann schnappte sich einen Hammer und schlug auf das hunde- (oder wolfsartige?) Wesen ein, bis es von ihm abließ und das Weite suchte.

Wahr ist wohl auch, dass der Verletzte erst auf Drängen von Kollegen einen Arzt aufsuchte und dieser die Gemeinde als Arbeitgeber informierte. An der gründlichen Behandlung der wohl eher harmloseren Wunde liegt es auch, dass Fachleute zweifeln, ob sich der vermutete Wolfsbiss durch DNA-Untersuchungen nachweisen lässt.

Soweit die Tatsachen. Nun die Vermutungen: Der Gebissene, heißt es, sei sehr sicher, dass er von einem Wolf gebissen wurde. Und der Bürgermeister ist überzeugt, dass sein Gemeindearbeiter Wolf und Hund zu unterscheiden weiß. Wir ersparen uns eine Aufzählung der Medien, die dennoch kein Fragezeichen hinter die Täterschaft eines Wolfes setzten. Nur soviel: Ein Millionenpublikum erfuhr, dass Wölfe auch in Deutschland Menschen beißen.

Wie die Vorverurteilungen sind auch die Plädoyers aus der Pro-Wolf-Gemeinde hauptsächlich Spekulation. Vor allem die, dass es sich um Fake-News handeln müsse, weil Wölfe menschenscheu seien. Etwas tiefer in die Materie geht der Einspruch, dass es sich wohl nicht um einen deutschen Wolf gehandelt haben könne. Zeugen haben nämlich berichtet, dass ein Rudel mit weißen und schwarzen Tieren den Angriff des Kameraden aus sicherer Entfernung beobachte. Und der sachkundige Laie glaubt: Schwarze oder weiße Wölfe gibt es hierzulande nicht.

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Ob solche Farbspekulationen einer schaudernden Öffentlichkeit die nun evidenten Ängste nehmen, ist eher unwahrscheinlich. Dass ein in der Szene weithin bekannter Wolfshund-Fan auf Facebook die Frage stellte, ob jemand derart gefärbte Mischlinge vermisse, trägt wohl auch nicht zu Beruhigung bei: Dem Normalverbraucher ist es wohl gleich, ob er von einem echten Wolf oder von einem ausgebüxten Mischling gebissen wird. Wobei Letzteres wohl wahrscheinlicher ist.

Was beim derzeit unstrittigen Sachstand bleibt, ist ein Vorgeschmack auf die Debatte, die zu erwarten ist, wenn es zu nachgewiesenen Angriffen auf Menschen kommen sollte – wie zuletzt in Polen. Wer etwas Hirn hat, möchte dann nicht im Fell der deutschen Wölfe stecken.

Ob es böse Wölfe nur im Märchen gibt? Oder ob die grundsätzlich lieben Wölfe frei erfunden sind? Diese Debatte steht uns wohl noch bevor. So wahr die Behauptung falsch war, dass Wölfe menschenscheu sind und mit allenfalls 120 Zentimeter hohen Zäunen locker aufzuhalten. Da drängt sich auf, den Wölfen keine Freunde zu wünschen, bei deren Wirken sie keine Feinde brauchen, um den Menschen unheimlich zu werden.

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