Ein Öko-Siegel von umstrittenem Wert

In Hessen wird mal wieder um die reine Waldbau-Lehre gestritten. Selbst im Staatsforst gibt es heftige Widerstände gegen die Zertifizierung nach den umstrittenen FSC-Regeln. Jäger wissen: Ein Hauskrach, der Tradition hat, wenn der WWF mit im Boot sitzt.

Ein Baumstamm

Foto: Picography

Sicher ist: Um das Öko-Siegel gibt es seit vielen Jahren immer wieder Wirbel. Unterschiedlich strenge Regeln und lasche Kontrollen in fernen Ländern – so lauten die wesentlichen Vorwürfe – sorgen in der Praxis für Wettbewerbsverzerrung, aber oft genug nicht für mehr Naturschutz. Denn die Kunden in Baumärkten und Möbelhäusern fragen nicht weiter nach langen Transportwegen und mitunter fragwürdigen Standards, wenn sie den Verbraucher beruhigende Aufkleber sehen.

Wichtiger als ökologische Gesamtbilanzen, sagen sachkundige Kritiker aus der Forstszene, sind nicht selten Ideologien. Vor allem die des Waldumbaus zugunsten der Laubbäume. Was wiederum zu vermehrten Schäl- und Verbissschäden durch das Rotwild führt. Aber nicht nur für das mancherorts schier verhasste Schalenwild hat die Trendumkehr fatale Folgen: In einer lange Zeit unter Verschluss gehaltenen Studie warnt Hessen-Forst vor Verlusten bei seltenen Arten wie Schwarzspecht, Raufußkauz und Sperlingskauz durch „eine weitere Steigerung der Dominanz von Laubbaumarten“.

Im bayerischen Eschenlohe prozessiert ein Jäger und Bergwaldbesitzer gegen die Laubwald-Priorität auch mit dem Argument, dass die anhaltend vom Aussterben bedrohten Raufußhühner nur im Nadelwald genügend Ameisenhaufen zur Aufzucht ihrer Küken finden. Argumente, auf die Verfechter des FSC-Siegels ebenso selten eingehen wie auf die dem Laubholz geschuldete Verdrängung des Schalenwilds mit der Büchse und die damit verbundenen Einbußen bei den gut zahlenden Jagdgästen.

Dass im bereits erwähnten Papier aus der hessischen Forstverwaltung auch noch Ertragsverluste durch den Waldumbau vorgerechnet werden, sorgt bei den FSC-Verfechtern für besondere Empörung: Die Behauptung, dass die FSC-Regeln zu „finanziellen und volkswirtschaftlich langfristig spürbaren negativen Effekten“ führen, sei „üble Stimmungsmache gegen den Naturschutz“, schimpft der hessische Nabu-Landesverband. Jetzt muss Hessens Umweltministerin Priska Hinz von den Grünen wohl überlegen, ob sie ihr Versprechen, den gesamten Staatsforst unter FSC-Vorgaben zu stellen, gegen den Sachverstand eigener Staatsbeamter durchsetzt. Die Skepsis im Hinz-Ministerium scheint jedenfalls insgeheim zu wachsen.

FSC-Folgen: Bürokratie, hohe Aufwendungen mit wenig ökologischem Nutzen

Tatsächlich ist das Einschlagvolumen in Hessens zertifizierten Forstamtsbezirken nicht zurückgegangen. Was aber über die finanziellen Erträge nicht viel aussagt. Der hessische Waldbesitzerverband beklagt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung FSC-Folgen, wie „viel Bürokratie, hohe Aufwendungen, keine höheren Holzpreise und wenig zusätzlichem ökologischen Nutzen“ – und vor allem Wettbewerbsverzerrung durch unterschiedlich strenge Regeln in den einzelnen Herkunftsländern.

Wie mühsam Anstrengungen für eine Zertifizierung aus ökologischer Gesamtsicht sind, zeigt übrigens das deutsche Label „Holz von hier“. Obwohl es einheimische Herkunft, nachhaltige Produktion und kurze Transportwege garantiert, ist im Verbraucherbewusstsein davon bisher nicht viel angekommen. Auch nicht, dass die deutschen Waldgesetze den Raubbau seit Menschengedenken unterbinden. So wahr sich in den Spitzengremien des WWF schon mal hochwohlgeborene Großwildjäger tummelten. Und so wahr in manchen Laubholz-Jungwäldern die Rotwildjagd zum Glücksspiel geworden ist, weil im grünen Dschungel keine Schussschneisen freigelassen wurden.

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