Erste Wolfsrisse: Bayern macht mobil

Nach den ersten Nutztierrissen an Kälbern im bayerischen Oberallgäu hat es die Münchner Staatsregierung eilig mit der Umsetzung ihrer Pläne, die wolfsfreie Zonen für die Bergweidewirtschaft vorsehen.

Wolf

Foto: rycky21

Originalton aus der jüngsten Pressemitteilung des Landesamts für Umwelt: „Die Sicherheit der Menschen hat oberste Priorität. Die Staatsregierung bekennt sich zur Weidetierhaltung in Bayern. Die Weidetierhaltung muss auch bei Wolfsanwesenheit ohne unzumutbare Mehraufwendungen flächendeckend und dauerhaft erhalten bleiben.“

Diese Ansage ist die unmittelbare Reaktion auf die genetische Untersuchung nach den ersten beiden Nutztierrissen bei Burgberg und Wertach im Landkreis Oberallgäu. In beiden Fällen hat das „Nationale Referenzlabor“ bestätigt, dass die Kälber eindeutig von Wölfen getötet wurden.

Es geht genau um eine der Regionen, in denen die Staatsregierung das Kulturgut Weidewirtschaft auch aus Naturschutzgründen unbedingt selbst um den Preis der „Entnahme“ der Wölfe erhalten will. Die zuständigen Minister haben dieses Vorgehen schon vor Monaten mit ihren österreichischen Kollegen abgestimmt.

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Die Begründung für die harte Gangart: „Ein Sonderfall sind unter anderem die Alm- und Alpflächen in Bayern: Experten der Umwelt- und Landwirtschaftsverwaltung werden gemeinsam entscheiden, in welchen Weidegebieten Präventionsmaßnahmen möglich sind oder nicht. Im letzteren Fall kommt eine Entnahme des Wolfs in Einklang mit dem Artenschutzrecht auch ohne vorangegangene Herdenschutzmaßnahmen in Betracht.“

Erschwerend kommt hinzu, dass in Bayern bald Landtagswahlen anstehen, bei denen die CSU um ihre absolute Mehrheit fürchten muss. Die Stimmung bei den Wählern in den betroffenen Bergweidegebieten hat sich erkennbar gegen die Wolfsansiedlungen zugespitzt.

Informationsversammlungen der „IG Sichere Weidewirtschaft“ haben regen Zulauf. Und dort gibt es eindeutige Linie: gar keine Wölfe. Ohne Gegenmaßnahmen, glaubt die Interessengemeinschaft, werde es in Deutschland in zehn Jahren rund 25.000 Wölfe geben: „Eine Weidetierhaltung wäre unter diesen Umständen nicht mehr möglich. Dann kehren sich die Verhältnisse um, die Wölfe hätten alle Freiheiten und die Menschen verstecken sich in Häusern und hinter hohen Gitterzäunen.“

Zudem rechnen die radikalen Wolfsgegner vor, wie viel Geld das „Abenteuer Wolf“ kostet. Sie sprechen von einer regelrechten „Wolfswirtschaft“ mit immensem Spendenaufkommen und vielen Profiteuren bis hin zu Tierfilmern und Vortragsreisenden. Die Ausgleichszahlungen für betroffene Landwirte seien mit 135.140,28 Euro dabei nur ein kleiner Bruchteil des Millionenaufwands für „Beamtensold, Löhne und Gehälter“. Rund zwei Millionen Euro allein in den Wolfsländern Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Sachsen; dazu noch mal 1,2 Millionen in den dort betroffenen Landkreisen.

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