Für Bilanzen ist es zu früh

NRW-Umweltminister Johannes Remmel

Bündnis 90/Die Grünen Nordrhein-Westfalen/ wikipedia.org / Johannes Remmel

Die Jagd auf die Jäger ist nicht beendet. Nach dem ersten Jahr der Erfahrung mit den neuen Jagdgesetzen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen hat sich die politische Hitzigkeit der Debatte zwar in Teilen gelegt. Jagdgegner bleiben aber Jagdgegner und die Jäger üben weiter das Waidwerk aus – eingeschränkt, in Teilen berechtigt missmutig und begleitet von der Frage, ob ihre Jagden noch die Pacht wert sind, die sie dafür bezahlen.

Auf der anderen Seite hat sich anscheinend auch unter Jagdgegnern herumgesprochen, dass es bei aller Infragestellung des Menschenrechts, über Leben und Tod eines Tieres zu entscheiden, wohl irgendwie ohne Jagd doch nicht geht. „Wir haben verstanden – zumindest in Teilen“, lautet das Zauberwort, das an der einen oder anderen Ecke im Lande Tier- und Naturschützer wieder ins Gespräch bringt mit Bauern und Jägern. Das ist neben der notwendigen Auseinandersetzung auch gut so.

Die Erfahrung eines Jahres mit dem neuen Jagdrecht, das den Stempel „ökologisch“ auf dem Deckblatt trägt, kann nicht überzeugen. Das grundsätzlich und auch deshalb, weil Natur nun einmal Zeiträume von Jahrzehnten und Jahrhunderten braucht, um Veränderungen sicht- und spürbar werden zu lassen. Politische Treiber gegen die Jagd werden in diesen Tagen trotzdem eine erste positive Jahresbilanz zum Inkrafttreten der neuen Gesetze ziehen. Weil ihnen der Einstieg in die Veränderung gelungen ist, die sie nun einmal im Programm haben. NRW-Umweltminister Remmel wird dabei Kritik einstecken müssen. Er hat nicht das erreicht, was er am Ende will und seiner grünen Klientel verspricht. Aber er hat eine Debatte in Gang gesetzt, die auch auf dem Feld der Jagd zu jenem Wandel führen soll, der in diesen Kreisen als „ökologisch“ verstanden wird.

„Wahr ist, dass den Jägern anvertraute Kreaturen nicht nur durch Verordnungen und Gesetze geschützt werden, sondern auch durch aktive Hege und Pflege nach den Werten der Waidgerechtigkeit“

Jochen Borchert, Ehrenpräsident Deutscher Jagdverband

„Die Ausübung der Jagd ist dort gerechtfertigt, wo sie notwendig ist und wenn sie den Tier- und Naturschutz sowie die Landeskultur berücksichtigt.“ Das ist die Formel, mit der sich Jägerinnen und Jäger in Nordrhein-Westfalen und einigen anderen Bundesländern nach allerlei „ökologischen“ Einflussnahmen der „grünen“ Fachressorts und nach langen Auseinandersetzungen abfinden sollen. Sie sollen sich nun freuen, dass sie in ihren Revieren zwar eingeschränkt, aber überhaupt weiter waidwerken dürfen. Wie das geschehen soll und – vor allem – was sie anstellen müssen, um etwa noch die Reste der Niederwildvorkommen zu erhalten, das ist eine andere Frage; oder auch die Frage, wie es sich in den Hochwildrevieren auswirkt, wenn „Wald vor Wild“ als vorherrschende Regel gilt und sich erst viel später in Ergebnissen zeigen wird, ob damit auf die Dauer nicht doch die Weichen zum „Wald ohne Wild“ gestellt werden.

Natürlich hat sich an den Grundlagen der Jagdausübung viel verändert. Nur zeigt sich nach einem Jahr mit anderer Gesetzgebung noch nicht wirklich, was sich langanhaltend und wirksam verändert. Was wir an neuen Vorschriften und Gesetzen sehen, ist nicht allein nach Recht und Gesetz und nach dem Verstand entstanden, sondern auch aus Ideologie mit einem oft naturfernen Verständnis vom eigenen Wert, den die Natur, der Wald und die Tiere nicht nur für die urbane Freizeitgesellschaft bedeuten, sondern auch für Menschen, die tatsächlich mit dieser Natur leben – und natürlich auch von ihr.

Diese Grundregeln sind nicht außer Kraft zu setzen:

- Natur enfernt sich von den Menschen, wenn sie nicht als nutzbares Kulturgut verstanden wird. Die Konfliktlinie verläuft nicht zwischen Natur und Jägern. Sie verläuft zwischen Naturferne und Naturnähe.

- Fauna und Flora entwickeln sich nur mit den Menschen, nicht ohne sie. Jagd und bäuerliche Landwirtschaft sind eine Interessengemeinschaft.

- Zum Wesen des Menschen gehört seine Rolle als „Homo sapiens“ in einer Natur, in der sich Geschöpfe das Recht zum Töten nehmen. Auch der Mensch gehört dazu, der sich dabei aber Recht, Gesetz und Moral unterwirft. 

Grundlage ist ein Verständnis von Tierschutz, das solches Töten mit Achtung vor der Kreatur verbindet. Hier verläuft die Linie, an der die Jäger weiter um ihren Anspruch kämpfen, Natur zu nutzen und zu regulieren, Hege zu betreiben, das Waidwerk auszuüben und damit Natur- und Umweltschutz zu betreiben.

Der Landesjagdverband NRW ist auf dem richtigen Weg, nach den politischen rot-grünen Fehlentscheidungen mit Einführung des Ökologischen Jagdgesetzes die erfolgreiche „Volksinitiative“ fortzusetzen und sich verfassungsrechtlich mit dem Gang nach Karlsruhe zu versichern, ob es politische Eingriffe in Grundrechte gibt, speziell wenn es um Eigentum und Tierschutz geht. 

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