Jäger unter Terrorverdacht

Ein Polizei-Großeinsatz jagt den nächsten. Wie können Jäger verständlich machen, dass sie nur ihrer Arbeit nachgehen?

Polizeihubschrauber

Liegt's an der Terror-Angst oder steckt Tierrechtler-Taktik dahinter? In diesem Jahr häufen sich die Einsätze wegen Jägern, die gesetzestreu ihrer Arbeit nachgehen und dann einem oft immensen Polizeiaufgebot gegenüberstehen.

Klar ist, dass die Polizei jedem Verdacht nachgehen muss. Also rücken die Beamten auch aus, wenn irgendjemand irgendwo einen Schuss gehört hat oder Menschen mit Gewehren sieht. Nur an Verwechslung mit Terroristen oder anderen Kriminellen mag man nicht immer so recht glauben bei den Fällen, die in den vergangenen Monaten Schlagzeilen machten.

Zuletzt in Buxheim im bayerischen Landkreis Eichstätt. Wie bereits berichtet, hört eine junge Frau zwei Schüsse, als sie mit ihrem Auto über einen Feldweg fährt. Dann sieht sie noch einen Mann am Waldrand und hört einen dritten Schuss. Sie flüchtet zur Polizei und die rückt mit sechs Streifenwagen und einem Hubschrauber aus.

Ergebnis der Aktion: Es handelte sich um einen Jäger, der seiner Arbeit nachging. Ganz legal, im eigenen Revier. Niemand wurde gefährdet oder bedroht, aber für den Mann war die Jagd an diesem Tag beendet und er hat nun jede Menge Scherereien. Die verängstigte Frau kam wegen eines Schocks in ärztliche Behandlung.

Oder Bad Aibling, ebenfalls in Bayern, dieses Jahr im September: Ein Bauer hat die örtlichen Jäger um Hilfe gebeten, weil große Krähenschwärme seine Ernte plündern. An einem Sonntag gehen bei der Polizei schon morgens um sechs die ersten Anrufe besorgter Bürger ein, weil Schüsse zu hören sind, immer wieder, wie bei Feldjagden üblich. Diesmal rücken drei Streifenwagen aus, drei weitere von der Bundespolizei aus Rosenheim werden zur Verstärkung angefordert. Das Ende vom Lied: Eine ganz normale, ganz legale Jagd. Die Polizei merkt an, „dass die Bevölkerung verständlicherweise zurzeit auf Wahrnehmungen dieser Art sehr sensibel reagiert“.

Dann noch der wohl spektakulärste Fall, im vergangenen August in Neuhausen bei Pforzheim. Ein Landwirt hat bei Mäharbeiten eine Bache mit Frischlingen auf seinem Rapsfeld entdeckt und ruft die Jäger. Autofahrer hören Schüsse und alarmieren die Polizei. Der Bauer, der mit seinem Traktor zur Sicherheit die Zufahrt sperrt, versucht, den Beamten die Situation zu erklären. Vergeblich, erst mal werden die Jäger entwaffnet, müssen mit erhobenen Händen vom Acker.

Die versöhnlichste Erklärung: Viele Menschen sind mittlerweile so weit weg vom Landleben, dass sie nicht mehr mit Jagd und Jägern rechnen und entsprechend panisch reagieren. Es gibt aber auch Situationen, die den Verdacht nahe legen, dass sich solche Panik gegen die Jagd an sich richtet. Und dass ein Anruf bei der Polizei ein eleganter Weg ist, besonders Gesellschaftsjagden nachhaltig zu stören.

Jagden im Vorfeld ankündigen?

Von dem guten Brauch, Drück- und Treibjagden im Vorfeld öffentlich anzukündigen, nehmen Jäger vielerorts Abstand, weil sie sonst die Jagden vielerorts schon abbrechen können, bevor sie überhaupt begonnen haben. Wer keine Einladung an Jagdstörer ausgeben will, bleibt lieber still. Und Erfolgsmeldungen in der Lokalpresse werden auch immer seltener, seit Peta-Tierrechtler stattliche Strecken mit Strafanzeigen quittieren.

Womöglich tun Jäger gut daran, Gesellschaftsjagden im Vorfeld bei der zuständigen Polizeibehörde anzumelden. Das hilft, Verwirrung und teure Großeinsätze zu vermeiden.

Nur gegen das Risiko, beim Ansitz auf Rehe oder Sauen ins Visier der Fahnder zu geraten, ist dies keine Lösung. Da müssen wir wohl damit leben, dass auch Tierrechtler in Panik kommen und uns den Jagdtag per Amtshilfe verderben. Und hoffen, dass sich die Polizei nicht zum Gehilfen der Jagdgegner machen lässt. So wahr es vorkommen kann, dass überwiegend grün gekleidete Männlein und Weiblein bewaffnet in Gottes Natur unterwegs sind. Ganz legal.

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