Jagd braucht Traditionsbewusstsein

Nachhaltige Jagd braucht die Freundschaft zwischen den Jäger-Generationen. Auch der guten Tradition zuliebe.

Jagd zwischen Tradition und Moderne

Foto: mlz

Zumindest die Gegner unserer Passion haben das erkannt und versuchen, einen Keil in die Jägerschaft zu treiben. Indem sie die Jagd auf Beihilfe zur Schädlingsbekämpfung reduzieren wollen.

Vor ein paar Jahrzehnten noch ganz alltäglich auf Treibjagden: In der einen Jackentasche der Schrot für die Hasen. In der anderen der Vogeldunst für die Fasanen. Wer heute nach dem Sinn solchen Aufwands fragt, trifft nicht selten auf Ahnungslosigkeit. Dabei ist die Erklärung naheliegend: Das Wildpret der Fasanen soll nicht über Gebühr zerschossen werden.

Es ist gute Tradition, auf der Jagd darauf zu achten, dass das Lebensmittel Wildbret den Sinn und Zweck unseres Handelns darstellt. Wir jagen nicht, um auf lebende Ziele zu schießen. Wir jagen im Bewusstsein, die älteste Form des Nahrungserwerbs fortzusetzen. Nach geschriebenen und ungeschriebenen Regeln der Waidgerechtigkeit und der guten Tradition. Und mit Respekt vor der Kreatur.

Dagegen steht ein Verfall der Sitten. Dieser erklärt sich auch, wenn nach manchen „Gesellschafts“-Jagden – wenn überhaupt noch – Strecke gelegt wird und so manchen Traditionalisten das Grausen kommt. Wahllos zerschossene Tierkörper, Sauen mit zerfetztem Gebrech und Waidwundschüsse sind kein schöner Anblick – und Wasser auf die Mühlen der Jagdgegner.

Wahr ist aber auch: Es gibt immer mehr Jäger, die sich solchen Jagdeinladungen verweigern. Manche machen sich sogar die Mühe, ihren Zorn zu formulieren. Und zu fragen, wie weit es mit der Jagd gekommen ist, wenn die Beute zur schier wertlosen Nebensache verkommt. Es sind solche unbequemen Fragen, die wirklich wichtig sind für die Zukunft des Waidwerks. Und es ist Aufgabe der Älteren, sie zu stellen.

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Zum Thema gehört auch die Feigheit. Etwa, wenn die Trophäenschau heute Hegeschau heißt. Obwohl wir (noch!) wissen, dass Rotwild-Hege in guter Tradition auch ökologisch sinnvoll ist. Weil sie nicht wahllos tötet, sondern selektiert. Ganz im Gegensatz zur Reduktionsjagd mit oft viel zu geringem Kahlwild-Anteil und reichlich Zukunftshirschen auf der Strecke.

Wer soll den Jungen erklären, was einen hirschgerechten Jäger ausmacht, wenn beim Schüsseltreiben die Alten nicht mehr mit am Tisch sitzen? Wer mit gutem Beispiel zeigt, dass zum guten Jäger-Brauch auch der Verzicht gehört. Und Weisheit wie die, dass der nicht abgegebene Schuss am Ende des Tages jener Schuss ist, den wir nicht bereuen müssen – im Zweifel waidgerechter als schneidige Dubletten.

Das Geschäft der Ideologen unter den Jagdgegnern fördern nicht Traditionalisten, sondern Geschichtslose. Die nicht verstehen, was verloren geht, wenn Hubertusmessen nicht mehr ein Ereignis für die ganze Dorfgemeinschaft sind. So selbstverständlich wie der Hasenpfeffer auf der Wirtshausspeisenkarte und der Weihnachtsbraten vom örtlichen Jäger. Nicht aus Neuseeland oder China.

Zu den großen Missverständnissen gehört der Irrtum, Jagd als Sport zu begreifen. Logisch, für die Jüngeren gehört auch die sportliche Herausforderung dazu, nicht nur im Hochgebirge. Aber es gehört auch dazu, einen Älteren auf dem Weg zum Stand unterzuhaken, damit er noch ein wenig dabei sein darf. Sein Beitrag zum Gelingen sind womöglich nicht die schneidigen Schüsse. Aber wir können von seiner Erfahrung profitieren. Und lernen, dass ein Jägerleben erst endet, wenn die Trauerbrüche auf dem Sarg liegen.

Das vermeintlich Altmodische in seinem Wert begreifen, gehört auch dazu: Ist ein Hornsignal nicht weit praktikabler als ein Smartphone, das gerade dann vibriert, wenn die Sauen über die Schussschneise wechseln? Kann ein Facebook-Foto das Tottrinken unter Freunden ersetzen? Und, vor allem, macht es wirklich Sinn, wenn Jäger ihr Tun Außenstehenden nicht mehr mit der Freude am Waidwerk erklären? Sondern mit der Lüge, dass es allein um die Hege und das Naturerlebnis gehe.

Geschichtsbewusstsein gehört zwingend dazu. Etwa gegen die gern verbreitete Unwahrheit, das geltende Jagdrecht sei ein Werk der Nationalsozialisten. Obwohl es ein preußischer SPD-Ministerpräsident begründet hat, um den Raubbau an der Kreatur zu beenden und die Teilhabe der Normalverdiener zu sichern. Elitär sind nicht Jagd und Jäger, elitär sind Jagdgegner, die predigen, dass sich Natur in der Kulturlandschaft ganz von selber regelt. Sie vergessen dabei die Bedürfnisse des Menschen. Und setzen darauf, dass die Jagd mit dem Traditionsbewusstsein auch ihre Existenzberechtigung verliert.

Dabei ist Tradition eine Stärke der Jagd. Zum Beispiel die Tradition, Jüngere mitkommen zu lassen. Unentgeltlich, aber nicht gratis, sondern gegen Mithilfe im Revier. Besser lässt sich kaum weitergeben, dass Jagd viel mehr ist als das Töten. Sondern mit Arbeit verbunden und mit dem Verstehen von Zusammenhängen, das über unzählige Generationen gewachsen ist. Mehr als der beste Jungjäger-Kurs vermitteln kann. Und weit mehr als die meisten Jagdgegner jemals wissen werden.

Idealerweise ist solches Lernen keine Einbahnstraße. Auch das Neue, das die Jüngeren einbringen, gehört dazu. Dass sie die Älteren sensibel machen für Fragen der Ökologie. Auf viele dieser Fragen hat die Jagd die besseren Antworten als ihre Gegner. Wir wissen, dass das Bewahren intakter Lebensräume eine Aufgabe ist, die nur über Generationen gelingen kann – und nicht im Hauruck-Verfahren.

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Die Erfahrung weitergeben, dass etwa Waldumbau Folgen für ganze Lebensgemeinschaften hat, gehört dazu. Sie steht für das Jäger-Wissen, dass Natur eigenen Gesetzen folgt – und nicht den Regeln eines Streichelzoos. Dass sich die Stärkeren durchsetzen, nicht nur in der Fauna, sondern auch in der Flora. Und dass es am Menschen liegt, solche Prozesse so zu regulieren, dass Zivilisation möglichst vielen Arten eine Überlebenschance lässt.

Die Überlebenschance der Jagd liegt letztlich in der Besinnung auf Traditionen. Sich bewusst werden, dass Jäger schon Wildäcker anlegten, als Naturschutz noch ein Außenseiter-Anliegen war. Die Einsicht vermitteln, dass Eingriffe in die Natur Folgen haben, die weit über das Naheliegende hinausgehen. Dass zum Beispiel Raubtiere der Regulierung durch das Raubtier Mensch bedürfen, wenn der Mensch den Lebensraum der Beutetiere rigoros beschneidet.

Das Verschwinden der Rebhühner beklagen und zugleich die Jagd auf Füchse oder gar Waschbären verteufeln, gehört zu solchen Irrtümern einer naturfernen Liebe zur Natur. Wie die Affenliebe zum Raubtier Wolf, die mit der Blindheit gegenüber ihren Folgen einhergeht: Oft sind es dieselben Verbände, die zugleich den Wolf willkommen heißen und den Schwund der Arten beklagen, die ihre Existenz der vom Wolf in ihrem Überleben bedrohten Weidewirtschaft verdanken.

Wer, außer den Jägern, weiß schon, dass die ökologisch gewünschte Energiewende neue Bedrohungen für das Gleichgewicht der Natur geschaffen hat. Indem der Anbau sogenannter Energiepflanzen zusammen mit dem menschgemachten Klimawandel die Schwarzwildbestände explodieren lässt und so – ganz natürlich – das Seuchenrisiko bedrohlich macht. Ein Ereignis, das den Ruf nach den sonst ungeliebten Jägern provoziert. Und ihnen zumuten will, Regeln der Waidgerechtigkeit zu missachten.

Auch in dieser akuten Situation tun wir gut daran, Tradition wichtiger zu nehmen als vermeintliche Notwendigkeit. Das Sauenproblem gehört zu den Chancen, der Gesellschaft vor Augen zu führen, dass Natur Regeln folgt, auf die Natur-Populismus keine überzeugenden Antworten findet. So wahr uns die Jagdgegner die wahllos zusammengeschossenen Schwarzwild-Strecken in den Internet-Foren unterjubeln werden: Es macht Sinn auf die Traditionalisten unter uns zu hören, die auch dann noch die führenden Bachen schonen, wenn Volkes Stimme in Sorge um die Kotelett-Preise nach Vernichtung ruft.

Auch Selbstbeschränkung gehört zur über Generationen gewachsenen Jäger-Weisheit. Den Finger auch mal gerade sein lassen, ist so eine Tugend. Wie der Stolz auf Trophäenträger, die es ohne Jäger kaum noch gäbe. Als Zeugnis konsequenter Hege, die in der Kreatur den Schöpfer achtet. Oder auch nur für das Ziel, der Natur eine Chance zu lassen gegen den Menschen und die Schäden, die er anrichtet. Ganz ohne Waffen und mit den allerbesten Absichten. Aber ohne das über Generationen gewachsene Jäger-Wissen.

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