Kein Tribunal bei Plasberg

Faire Fragen bei „Hart, aber fair“. Dem Moderator ist es zu danken, dass aus dem Streit um Wald und Wölfe kein Tribunal gegen Waldbesitzer und Jäger wurde – im Gegenteil, die offen gebliebenen Fragen betreffen überwiegend den überzogenen Natur- und Tierschutz.

Vor allem die Publikumsreaktionen im Studio und auf Facebook zeigen: Die Bürger sehen so manches Problem mehrheitlich anders, als Verbandsfunktionäre glauben machen. Das gilt vor allem für den Wolf. Weit überwiegend Zustimmung für die Vermutung, dass die direkt Betroffenen im ländlichen Raum keine Raubtiere in ihren Dörfern wollen, schon gar nicht vor dem Kindergarten.

Franz Prinz zu Salm-Salm, in der Sendung ein hervorragender Anwalt der Jäger und Privatwaldbesitzer, schildert dazu das Beispiel eines Freundes im Wolfsgebiet, der vor der Geburt seines ersten Kindes erst mal das Grundstück seines Wohnhauses wolfssicher einzäunte. Das punktet genauso wie der Wolfskrankenwagen für 10.000 Euro – während in der Provinz die ärztliche Versorgung für die Menschen wegbricht.

Die Sache mit dem Rettungswagen will Moderator Plasberg erst nicht glauben, sie stimmt aber, in Hannover. Das kommt in den Faktencheck wie die Anmerkung des Prinzen, dass Fernseh-Förster Peter Wohlleben früher im Staatsdienst selber mit Holzernte-Maschinen arbeiten ließ. Wohlleben streitet das in der Sendung vehement ab.

Angenehme Überraschung des Abends: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Sehr gut vorbereitet und durchaus versöhnlich. Aus der Wolfsdebatte hält sich die SPD-Politikerin weitgehend raus, widerspricht aber nicht ihrem Parteifreund Till Backhaus, der sich als Umweltminister in Mecklenburg-Vorpommern eine Obergrenze für den Wolfsbestand vorstellen kann.

Das klare Hendricks-Bekenntnis, dass Waldbesitzer auch Geld verdienen müssen, bleibt weitgehend unbestritten. Zum gewünschten Urwald-Umbau sei weitgehend der Staatswald da. Da zuckt Peter Wohlleben ein wenig – wie bei der Anmerkung des Prinzen Salm, dass die von Wohlleben betreuten Wälder das meiste Geld als Urnen-Grabstätte verdienen. Nicht weil sie sich trotz Urwald-Umbaus rechnen.

Figur am Rande: Nabu-Präsident Olaf Tschimpke kommt mehrfach in Erklärungsnot. Etwa bei Plasbergs Einspieler über ein hessisches Dorf, dessen geplagte Bürger eine überlastete Durchgangsstraße aushalten müssen, weil die lange geplante Umgehungsstraße keine 500 Meter Abstand zu einer Kiebitz-Kolonie einhält. Anwohner-Kommentar: "Ich würde ganz gerne auch auf so einer roten Liste stehen."

Prinz Salm gibt dem Nabu-Mann noch eins mit der Anmerkung mit, dass der Naturschutzbund seine eigenen Heckrinder in Sachsen-Anhalt aus der Wolfsgefahrenzone umgesiedelt hat. Bei 2200 Hektar Nabu-Grundbesitz im Lande sei das kein Problem, aber den vom Wolf geplagten Schäfern stehe so viel Ausweich-Land nicht zur Verfügung.

Der Nabu in Erklärungsnot

Plasberg amüsiert das Publikum zudem mit einigen Aufreger-Beispielen zur sündteuren Umsiedlung von Kammmolchen und Eidechsen. Dann geraten sich einige Diskutanten zum eigentlich geplanten Thema des Abends in die Wolle: Windkraft. Roland Tichy, der beim Wolf noch voll auf Gegenkurs zum Nabu ging, ist ebenso vehement gegen Windräder, vor allem in den Mittelgebirgen.

Damit degradiert der Journalist sogar den Nabu, der zwar den Rotmilan vor den Mühlenflügeln schützen will, aber zwischendurch gegen Ausgleichszahlungen auch mal ein Windrad durchgehen lässt. Da bleibt selbst die Sorge auf der Strecke, dass es wieder mal ein Fernseh-Tribunal gegen Jagd und Jäger geben wird. Ihre Daseinsberechtigung stand nicht mal zu Debatte.

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