Landwirt Andresen hält Politikern den Spiegel vor

Die Wochenkarte der Bundestagskantine wird zum AUfREGER.

Reichstag in Berlin

Foto: marconst

„Fleisch aus Argentinien, Lachs aus Norwegen, Lamm aus Irland, Ente aus Frankreich und Pilze aus Polen. Und aus Deutschland bleiben die Kartoffeln als Beilage. Mit solcher Scheinheiligkeit dinieren unsere gewählten Volksvertreter in ihrer Kantine, aber verlangen vom Volk nachhaltig und regional einzukaufen. Wo sind wir nur geblieben?“, lautet die Unterschrift zu einem Facebook-Video, in dem Landwirt Thomas Andresen unseren Bundestagsabgeordneten den Spiegel vorhält und damit den Nerv der Bürger trifft. Über 624.000 Mal wurde das Video bereits angesehen.

Wochenkarte Bundestagskantine

Quelle: Carina Konrad, Facebook

Aber der Reihe nach:

Den Stein ins Rollen brachte die FDP-Bundestagsabgeordnete Carina Konrad aus Rheinland-Pfalz, durch ihr Posting der Wochenkarte des Bedienrestaurants im Jakob-Kaiser-Haus, der „Bundestagskantine“, auf Facebook. Die Gerichte auf der Karte lassen einem das Wasser im Munde zusammenlaufen:

„Gemischter Blattsalat in fruchtigem Chilidressing mit rosa gebratener Entenbrust auf Mangokompott“ für 12 Euro, „Tagliatelle in Pfifferlingrahmsauce mit confierten Kirschtomaten, Parmesan und Rucola“ für 12 Euro, „Gebratene Lammkoteletts auf mediterranem Bulgursalat mit Olivencreme und Basilikum“ für 15 Euro, Lachsfilet auf gebratenen Pfifferlingen & Kaiserschoten mit Estragon-Kartoffelgnocchi und Pfeffer-Zitronenjus“ für 15 Euro und „Gegrillte Rinderhüftsteaks mit gratinierter Ofenkartoffel, Tomaten-Kräuterbutter und Salatstrauß“ für 16 Euro – Mhmmm, lecker! Und das zu diesen Preisen! In meiner Nähe kenne ich leider kein Restaurant mit solcher Karte zu vergleichbaren Konditionen. Sei es unseren Volksvertretern aber gegönnt – nach der Diätenerhöhung zum 01. Juli und mit nunmehr über 10.000 Euro pro Monat plus Aufwandsentschädigung, lassen sich nun mal keine großen Sprünge machen…

Zurück zu Frau Konrad, selbst gelernte Landwirtin und Diplom-Ingenieurin der Agrarwirtschaft. Sie las auch das Kleingedruckte: „Ente: Frankreich; Pfifferlinge: Polen; Lamm: Irland; Lachs: Norwegen; Rinderhüfte: Argentinien“ – und machte Ihrem Unmut darüber via Facebook Luft:

„Wenn nicht einmal in den Restaurants des Deutschen Bundestages Wert darauf gelegt wird, Produkte von Erzeugern vor Ort zu beziehen, ist das ein echtes Armutszeugnis. Sowohl Ente als auch Pfifferlinge, Lamm, Lachs oder auch Rindfleisch sind in Deutschland in guter Qualität zu haben. Dennoch bezieht das Bedienrestaurant im Jakob-Kaiser-Haus sie aus dem europäischen Ausland – das Rind sogar aus Argentinien!

Sollte nicht gerade im Bundestag regional eingekauft werden, um die deutsche Landwirtschaft zu stärken? Geringere Transportwege kommen der Umwelt zugute, es werden weniger Schadstoffe ausgestoßen und frischer als vom Bauern nebenan bekommt man seine Produkte ohnehin nirgendwo. Ich meine, der Bundestag sollte hier seine Vorbildfunktion ernstnehmen und sowohl saisonal als auch regional einkaufen. Übrigens rühmt sich das Restaurant auf Seite 1 der Speisekarte damit, dass die meisten angebotenen Produkte ökologisch erzeugt wurden. Mahlzeit.“

Thomas Andresen Quelle: Screenshot Facebook

Thomas Andresen, Quelle: Screenshot Facebook

Landwirt Thomas Andresen vom „Hof Barslund“ aus dem Norden Schleswig-Holsteins nahm den Post zum Anlass, dies aus der Sicht eines deutschen Bauern zu kommentieren und öffentlich anzuprangern, dass in der Bundestagskantine kein einziges Stück Fleisch aus deutscher Produktion angeboten wird.

Andresen fragt nach dem Warum: „Ist den Herren und Damen Bundestagsabgeordneten unser Fleisch nicht gut genug? Trauen sie vielleicht ihren eigenen Gesetzen und deren Umsetzung nicht, die sie uns jedes Mal um die Ohren hauen, mit denen sie uns traktieren und in die Knie zwingen, damit wir nachhaltiger wirtschaften, dass dann Fleisch aus Argentinien angeboten wird?“ Für Landwirt Andresen ist dies nicht nachzuvollziehen. Und er weiß wovon er spricht. Bewirtschaftet er doch selbst seinen Hof „Barslund“, der seit 1911 in Familienbesitz ist, und betreibt auf 285 Hektar Ackerbau und Viehzucht. Dazu gehören 400 Milchkühe nebst Nachzucht, Wasserbüffel, Schweine und Hühner. Schweine und Hühner leben in artgerechter Freilandhaltung, die Wasserbüffel ganzjährig draußen.

So zeigt er Alternativen auf, die die heimische Landwirtschaft unterstützen und auch wertschätzen würden:

„Warum nehmt ihr denn nicht mal Fleisch z. B. von der Schleswig-Holsteinischen Weideferse oder vom Wasserbüffel, oder nordfriesisches Salzwiesenlamm, oder Entenfleisch aus heimischen Jagden oder heimischer Aufzucht, oder Lachs, der nicht aus Norwegen kommt, sondern aus Aquakulturen.“

Recht hat er! Lassen Sie mich den Bogen noch etwas weiter spannen und denken wir an Wildbret aus heimischen Revieren. Mehr „Bio“ geht bei Fleisch nicht und die Wege sind konkurrenzlos kurz. Wir Jäger werden ebenfalls von denselben Politikern, die hier angesprochen werden, beispielsweise dazu verpflichtet, die Schwarzwildbestände im Hinblick auf die drohende Afrikanische Schweinepest (ASP) stark zu dezimieren. Und wir haben unsere Hausaufgaben gemacht – 836.900 erlegte Sauen im Jagdjahr 2017/18! Mehr als jemals zuvor. Das führte wiederum dazu, dass in schwarzwildreichen Regionen unserer Republik der Preis für Wildschweinfleisch rapide einbrach. Mancherorts zahlten Wildhändler nur noch ganze 50 Cent pro Kilogramm Wildschwein, wenn überhaupt.

Deshalb mein Aufruf an Sie, liebe Politiker: Wenn wir, wie unsere Landwirte auch, ihre Vorgaben erfüllen und unsere Arbeit vorbildlich im Sinne der Seuchenprävention erledigen, dann esst auch bitteschön dieses wunderbare Fleisch von Tieren, die in Freiheit aufgewachsen sind und sicherlich ein besseres Leben fristeten, als alle argentinischen Rinder und irischen Lämmer zusammen.

Sollte der Küchenchef der „Bundestagskantine“ nicht wissen, wo er heimisches Wildbret zu vernünftigen Preisen beziehen kann, dann wende er sich doch bitte vertrauensvoll an die Kollegen des Deutschen Jagdverbands (DJV), deren Geschäftsstelle ebenfalls in Berlin ansässig ist. Der Verband nennt in seiner Initiative „Wild auf Wild“ mannigfache Ansprechpartner und liefert sogar noch die passenden Rezepte dazu.

Auch Landwirt Andresen ist gerne behilflich, wenn es um die Kontaktaufnahme zu heimischen Landwirten oder Schlachtern aus der Region geht und tut dies mit klaren Worten kund:

„Und wenn es darum geht, dass das Fleisch vier Wochen abhängen soll, da es auf dem Dampfer von Argentinien bis hierher auch so lange hängt, dann machen wir auch das. Der Kunde ist König und wir machen, was ihr dort draußen wollt. Aber verdammt nochmal, dann unterstützt uns gefälligst auch. Und wenn nicht einmal unsere gewählten Volksvertreter das hinkriegen, dann weiß ich auch nicht, wie wir das von den normalen Bürgern da draußen erwarten können, dass sie uns unterstützen und heimische Produkte kaufen sollen, wenn selbst die Politiker das nicht machen, sondern das hormonvollgepumpte Rindfleisch aus Argentinien kaufen.“

Andresen wendet sich direkt an die Politiker und fragt, ob ihm einer erklären könne, warum außer der Kartoffel auf den Tellern, deutsche Landwirtschaft nicht stattfindet? Zum Schluss appelliert er dafür, dass zumindest in der Bundestagskantine heimische Landwirtschaft unterstützt und Produkte hier aus dem Land verwendet werden. Alles andere sei „scheinheilig und heuchlerisch“.

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, bis auf den Dank an Frau Konrad und Herrn Andresen, diese Missstände öffentlich gemacht und damit (hoffentlich) ein Umdenken angeregt zu haben! Auf unsere Unterstützung und auch die der deutschen Jägerschaft können Sie dabei zumindest zählen.

Thomas Andresens Video im Original können Sie sich hier ansehen.

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