Lasst den Wölfen ihre Beute!

Es ist bemerkenswert, wie sich Tierrechtler zurückhalten, wenn es um Staatsjagd auf Reh, Gams und Hirsch geht.

Hirsch

Foto: Frank Hebestreit

Achtung, Ironie: Wir Jäger warten bisher vergeblich auf Proteste der „Willkommen Wolf“-Fraktion gegen die Schalenwild-Bekämpfung im Staatsforst. Schließlich geht es ja auch um die Nahrungsgrundlage unserer Wölfe.

Ironie aus: Es ist in der Tat bemerkenswert, wie sich organisierte Tierrechtler zurückhalten, wenn es um die mitunter gnadenlose Staatsjagd auf Reh, Gams und Hirsch geht. Da werden Schonzeiten aufgehoben. Da wird in Wintergattern und an Fütterungen geschossen. Und da geht die Waidgerechtigkeit vor die Hunde.

Kaum einer dieser auf Raubtiere fixierten Tierfreunde hat Probleme, wenn Staatsbeamte auf Steuerzahlers Kosten die Lebensräume zumal von Gams und Rotwild auf wenige Reservate beschränken und das Schalenwild nicht einmal im Nationalpark einigermaßen Ruhe hat.

Die These, dass es allein um die Bewahrung der Schutzwälder gehe (und nicht um Gewinnmaximierung), bezweifeln nicht nur Rotwild-Fanatiker. Vor allem dann, wenn Ereignisse wie die Rinder-Tuberkulose als Vorwand für ziemlich gnadenlose Jagdmethoden herhalten müssen.

Dabei geht es auch um die Frage, wovon die großen Raubtiere sich ernähren sollen, wenn ihre Beute Mangelware wird. Werden wir eines nicht fernen Tages Schafe und Weiderinder zur Wolfsfütterung halten – logischerweise auf Staatskosten? Oder merken auch eingeschworene Öko-Jäger, dass die Schalenwild-Hatz eben jene Naturräume verarmen lässt, die angeblich nur auf die Heimkehr der Prädatoren warten?

Natur- und Tierschutz sind auf dem Holzweg, wenn sich ein Teil der Akteure dabei in enge Blickwinkel flüchtet. Wenn Kormorane wichtiger scheinen als akut bedrohte Fischarten. Wenn die Weidewirtschaft, die seit Menschengedenken unsere Landschaft prägt, plötzlich entbehrlich scheint. Und wenn sich Artenschutz auf Symbolfiguren wie Wölfe oder mitnichten bedrohte Greifvögel konzentriert.

Freizeit-Fischer und Freizeit-Jäger wissen, dass sich der Wert ihrer Passion nicht gegen Holzerträge oder Wasserkraft-Profite aufrechnen lässt. Natur wie wir sie uns wünschen, ist nicht profitabel im Sinn des reinen Geldwerts. Aber sie entspricht sehr genau den Vorstellungen, die auch eine große Bürger-Mehrheit mit einer liebens- und lebenswerten Natur verbindet.

So logisch wie zu solcher Natur Exoten wie der Wolf gehören, gehören auch Jagd und Fischerei dazu. Weil sie Menschen dazu bringen, ihr Engagement nicht auf Spenden zur Weihnachtszeit zu beschränken, sondern über die Natur als Ganzes nachzudenken. Und nicht bloß über vermeintliche Urwälder, die den Rendite-Rechnungen der Staatsforsten wohl mehr schaden als mit Vernunft bewirtschaftetes Schalenwild.

Das gilt, am Rande bemerkt, auch für die momentan mit viel Sendungsbewusstsein forcierte Laubwald-Mode, die gern verdrängt, wie wichtig auch Nadelbäume sind: Vom Ameisenhaufen, den seltene Vögel zur Aufzucht ihrer Jungen brauchen, bis zur Nadel-Äsung, ohne die das Auerwild nicht durch den Winter kommt. Wenn die Statistiken stimmen, gibt es hierzulande schon mehr Wölfe als Auerhähne. Obwohl auch Letztere sehr streng geschützt sind. 

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