Notwendiger Luchsabschuss sorgt für Empörung

Das kommt uns bekannt vor: Nach der Verfügung, einen jungen Luchs wegen mangelnder Menschenscheu zu töten, hagelt es Hass-Kommentare gegen eine schwedische Behörde. Der Unterschied: In Schweden ermittelt umgehend der Staatsanwalt.

Luchs auf der Lauer

Foto: Andreas Stolz

Das Jungtier ließ sich auch durch Spezialisten nicht vertreiben, nachdem es sich über die Hühner eines Hobby-Tierhalters im Stadtgebiet von Kalmar hergemacht hatte. Nach Experten-Urteil ein sehr ungewöhnliches Verhalten für die sonst ausgesprochen scheuen Großkatzen. Seit dem vergangenen Sommer nehmen solche Begegnungen in der südschwedischen Kleinstadt (knapp 40 000 Einwohner) jedoch zu. Es gibt zahlreiche Foto- und Filmbeweise dafür, dass Luchse am helllichten Tag durch das Stadtzentrum streifen – völlig unbeeindruckt durch die Nähe zu Menschen.

Die Landesverwaltung hatte mehrfach dringend davor gewarnt, sich den Tieren zu nähern oder diese gar zu füttern. Ob sich alle Leute daran hielten, gehört zu den spannenden Fragen nach der Abschussverfügung. Wie bei Wolfszwischenfällen in Deutschland und Polen vermutet, könnte falsche Tierliebe schuld daran sein, dass der Luchs sterben musste.

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Was sich seit Bekanntgabe der Entnahme im Internet abspielt, erinnert an den Shitstorm, den ein junger schwedischer Jäger aushalten musste, nachdem er im Auftrag der Polizei bei Karlstad einen angefahrenen und schwer verletzten Wolf erschoss. Zweimal wurde nach Gewaltaufrufen im Netz sein Auto schwer demoliert, einmal gingen Schläger mit Prügeln auf ihn los.

Nachdem die Hass-Kommentare auch diesmal bis zum Mordaufruf gegen die Mitarbeiter der Behörde gehen, scheint Schwedens Justiz vorgewarnt: Die Staatsanwaltschaft hat schon einem Tag nach der Entnahme des Raubtiers Ermittlungen gegen die schlimmsten Hetzer aufgenommen. Behördensprecher betonten gestern, dass der Luchsbestand in der Region durch den Abschuss nicht gefährdet sei. Die Luchse haben sich in Kalmar vielmehr prächtig entwickelt. Heuer haben sich Europas größte Katzen dort zweimal erfolgreich fortgepflanzt. Spekuliert wird, ob das Jungtier von den Altluchsen vertrieben wurde und so ins Stadtzentrum wanderte. Die Altluchse dulden in ihrem Revier (im Extremfall bis zu 400 Quadratkilometer) keine anderen erwachsenen Tiere.

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