Nur der König hat noch genug Elche

Das Zittern um Schwedens wichtigste Diplomatenjagd hat trotz der Wölfe sein Ende. Und das interessiert auch die Klatschpresse: Schwedenkönig Carl XVI. Gustaf muss seine berühmte und traditionsreiche Elchjagd nun doch nicht abblasen. Aber rund ums Traum-Revier des Monarchen verzichten die Jäger heuer auf den Elch-Abschuss. Wegen der Wölfe.

Elchkuh mit Kalb

Foto: Dieter Hopf

Die Tradition der königlichen Elchjagd reicht zurück bis ins 13. Jahrhundert. Alljährlich ist sie ein gesellschaftlicher Höhepunkt mit Top-Diplomaten und Hochadel. Seit Jahren arbeiten die Berufsjäger daran, dass dieses Ereignis nicht mangels Beute ausfallen muss. Denn die Region um Skinnskatteberg und Köping gehört zugleich zu den Gebieten mit der dichtesten Wolfspopulation im Königreich.

Es geht dabei nicht nur um die Angst der Hundeführer, dass ihre Lieblinge im Treiben von den Raubtieren zerrissen werden. Auch im Königsrevier mit seinen rund 20.000 Hektar sind die Elche unter dem Druck der Wölfe sehr scheu und heimlich geworden – und wohl auch deutlich weniger. Europas größtes Wildtier weicht diesem Stress zunehmend in andere Gebiete aus. Während die königlichen Berufsjäger nun Entwarnung für die Gesellschaftsjagd in der kommenden Woche gegeben haben, sieht es in der Nachbarschaft düster aus: Große und früher für ihren Wildbestand berühmte Genossenschaftsreviere verzichten in diesem Herbst auf Drückjagden. Zum Beispiel in den Hegegemeinschaften Köping-Berg und Skinnskatteberg-Riddarhyttan.

Große Drückjagden sind für das WIld unzumutbar

Zur Elchjagdpremiere am ersten Oktober-Montag bleiben viele Jäger also in der warmen Stube. Sonst ein Ereignis für die ganze Region, mancherorts sogar mit Schulfrei, weil ganze Dörfer auf den Beinen sind, auch die Lehrer. Jetzt nicht mehr: Im Revier Gunnilbo hätte der Abschussplan diesmal gerade noch 0,4 Elche pro 1000 Hektar hergegeben, vier erwachsene Tiere und Kälber. Die sollen nun per Einzeljagd erlegt werden. Große Drückjagden wollen die Jäger in dieser Situation dem ohnehin sehr beunruhigten Wild nicht antun.

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Beunruhigend: Das Gebiet, das nun unter extrem hohen Prädatorendruck leidet, ist gerade mal 200 Kilometer von Stockholm entfernt. Das spricht für die in Schweden immer lauter zu hörende These, dass die Wölfe Kulturfolger geworden sein dürften. Obwohl sie in den Regionen um die Hauptstadt vergleichsweise konsequent bejagt werden, dringen sie dort bis in die Wohnviertel des Ballungsraums vor (wir berichteten). In der Region des Königsreviers mit dem berühmten Naturreservat Malingsbo-Kloten zählen die Behörden gleich drei Alpha-Tiere mit entsprechenden Rudeln. Obwohl Schutzjagden ziemlich großzügig bewilligt werden, ziehen andere Wölfe offenbar rasch nach.

Zynismus hilft nur kurzfristig

In Jäger-Kreisen geht schon ein zynischer Satz um: „Erst wenn die letzten Elche weg sind, werden wir auch die Wölfe los.“ Ob der Exodus der Wölfe der Forstwirtschaft nützt, ist eine andere Frage: Einige Reviere erfüllten im vergangenen Jahr ihre Abschusspläne zu gerade mal noch 50 Prozent. Wenn die Forstverwaltung mit ihren Wildschadensschätzungen richtig lag, blieben also weit mehr Elche am Leben als den Wäldern gut tut – trotz Wolf.

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