Ohne Jagd kein Nationalpark?

Die Angst vor ausufernden Wildschäden gehört zu den wichtigsten Sorgen, die gegen Pläne vorgebracht werden, im bayerischen Franken einen neuen Nationalpark einzurichten.

Landschaft

Foto: markusspiske

Bitte melden, wer einen Nationalpark kennt, in dem die Jagd wirklich ruht. Wir kennen keinen. Aber nicht nur in Bayern droht die Ausweisung neuer Schutzgebiete an der Illusion zu scheitern, dass sich die Natur von ganz alleine reguliert.

Die Angst vor ausufernden Wildschäden gehört zu den wichtigsten Sorgen, die Einheimische gegen die Pläne vorbringen, im bayerischen Franken einen neuen Nationalpark einzurichten. Die Betroffenen verweisen dabei auf die Erfahrungen anderer Anlieger – vor allem, was die Schwarzwild-Bewirtschaftung angeht.

Paradebeispiel der Bedenkenträger: Das brandenburgische Mini-Reservat „Sielmanns Naturlandschaft“, benannt nach dem bekannten Tierfilmer. Dort vermehrten sich die vollständig geschonten Schweine explosionsartig und wurden so zahlreich, dass schwächere Tiere jämmerlich verhungern. Andere gingen in der Umgebung massivst zu Schaden, bis hinein in die Siedlungsgebiete.

Das Ende vom Lied: Unter nicht ganz sanftem Druck der Landesbehörden musste eine massive Schwarzwild-Reduzierung her. 13 Sauen pro 100 Hektar blieben im Feuer (wir berichteten). Anderswo hätte Peta bei solchen Strecken sicher ein Massaker beklagt und Strafanzeige gestellt.

So wie aus Staatsforsten gern die Klage kommt, dass es dort zu unnötig hohen Schäden komme, weil in Nachbarrevieren angeblich viel zu hohe Schalenwildbestände gehegt werden, drehen Landwirte und Jäger im bayerischen Nationalpark-Poker nun den Spieß also um: „Wer kommt für Wildschäden in den angrenzenden bewirtschafteten Flächen auf, die durch Wildschweinrotten aus dem Nationalpark entstehen?“, heißt es zum einstimmigen Nationalpark-Nein der Kronacher Jäger.

Spannend: Trotz derart massiver Widerstände ist bisher nichts davon zu hören, dass auch in bayerischen Nationalparks gegebenenfalls recht kräftig gejagt wird. Womöglich liegt das an der Sorge, dass Tierwohl-Verbände aus dem Kreis der Nationalpark-Befürworter ausscheren könnten?

Vor vier Jahren noch hatten der BUND und sogar der Nabu während der Vorbereitungsphase für den Hunsrück-Nationalpark erklärt, dass Jagd auch im Schutzgebiet nötig sein könnte, um Wildschäden in der Nachbarschaft zu verringern oder Tierseuchen zu bekämpfen. Aber schon dieser dezente Hinweis sorgte seinerzeit für wütende Proteste und tiefe Enttäuschung bei den Anhängern der reinen Tierschutzlehre.

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