Satte Spende für ein Urvieh

Der Verein „Europäischer Tier- und Naturschutz“ unterstützt drei Jahre lang das Ansiedlungs-Projekt „Wisent-Welt-Wittgenstein“. Der Tierschutzverein ist aber selbst nicht ganz unumstritten und des Öfteren ein Fall für die Staatsanwaltschaft.

Wisent

Immer wieder bemerkenswert, wie oft Natur- und Tierschutzverbände gegensätzliche Richtungen einschlagen. Wie jetzt im Wittgensteiner Land, wo ein ebenso mächtiger wie umstrittener Tierretter-Verein die Ansiedlung der Wisente massiv fördert. Trotz empfindlicher Waldschäden.

Wer den Verein „Europäischer Tier- und Naturschutz“ (ETN) sonst um Almosen jammern hört, traut seinen Ohren kaum: Drei Jahre lang wollen die hauptsächlich auf Katzen und Straßenhunde spezialisierten Wohltäter das Projekt „Wisent-Welt-Wittgenstein“ unterstützen – mit jährlich 100.000 Euro aus einer vereinseigenen Stiftung.

Das Problem daran: Nicht nur Landwirte in der Nachbarschaft des Wisent-Biotops bei Berleburg klagen über massive Schälschäden. Mindestens vergleichbar mit dem Schaden durch Rotwild, das auch in Nordrhein-Westfalen vom Forst so massiv bekämpft wird, dass viele private Jäger und einige Tierfreunde die Welt nicht mehr verstehen.

Dass die Ansiedlung der unter anderem aus Polen importierten Vorzeit-Rinder Sinn macht, glauben vor allem die Fremdenverkehrswirtschaft und die Regionalpolitik. Zum Jahreswechsel war die Herde auf 20 Tiere angewachsen, die ersten Jungbullen machten sich bereits auf Wanderschaft, sind aber mittlerweile zurück im Berleburger Reservat.

Zunächst galten die mächtigen Rinder nicht als Wildtiere, sondern als Eigentum des Fördervereins. Seit September 2014 kämpfen die Initiatoren darum, die Rinder zu „herrenlosen“ Wildtieren zu erklären und so die Schadenshaftung an die geschädigten Grundeigentümer loszuwerden. Aber die Frage, ob der Förderverein damit aus dem Schneider ist, beschäftigt die Justiz bis heute: Zuletzt verschob das Oberlandesgericht in Hamm seine Entscheidung ins nun begonnene Jahr.

In den Vorinstanzen lief die Auseinandersetzung darauf hinaus, dass die Projektbetreiber Schäden in der benachbarten Land- und Forstwirtschaft durch „geeignete“ Maßnahmen unterbinden sollten. Aber damit wäre das Wisent-Abenteuer wohl beendet. Interessant am Rande: Die Wild-Rinder schädigen vor allem den Laubwald, der bei der Landesregierung, bei progressiven Forstwissenschaftlern sowie Naturschützern besonders hoch im Kurs steht.

Ob der Wisent-Streit auf ein riesiges, massiv eingezäuntes Gatter hinausläuft (in dem dann womöglich auch das Rotwild eine Zuflucht hätte) oder weiter horrende Schadenersatzzahlungen fällig werden, lautet die Gretchenfrage, auf die der Förderverein nun vielleicht eine Antwort hat: Die Sponsor-Zusage des Vereins „Europäischer Tier- und Naturschutz“ kommt da wohl wie gerufen, weckt aber auch Erinnerungen an Skandal-Schlagzeilen.

Ermittlungen verliefen im Sande

Vorab: Die staatsanwaltlichen und polizeilichen Ermittlungen gegen den rund 50.000 Mitglieder starken Verein und seine Funktionsträger verliefen immer wieder im Sande. Bestand hatte aber zum Beispiel eine Verfügung, mit der das Land Rheinland-Pfalz schon im Jahr 2008 dem mit dem ETN eng verbandelten „Bund deutscher Tierfreunde“ das Einsammeln von Spenden verboten hat.

Die Affären, die seinerzeit bundesweit Schlagzeilen machten, lassen zumindest tief blicken: Unter anderem ermittelten die Staatsanwälte wegen satter Gehälter und knapp zwei Millionen Euro, die in zwei Geschäftsjahren an eine Marketing-Agentur flossen. Das war seinerzeit rund ein Drittel des Spendenaufkommens. Für den Überblick empfiehlt sich Wikipedia.

Auf dem Höhepunkt der Krise wechselte der ETN die nahezu gesamte Vorstandschaft aus. Maja Prinzessin von Hohenzollern, auch als Halbnackt-Model der Peta-Tierschützer bekannt, diente dem Verein in der Krise gegen eher bescheidenes Honorar nebst „Dienst“-Handy als „Botschafterin“. Der Interims-Geschäftsführer musste sich für die Anschaffung eines teuren Mercedes-Geländedienstwagens rechtfertigen und geriet gar in Verdacht, selbst ein Jägersmann zu sein.

Dem Ansehen bei den Machthabern in der Landespolitik hat es offenbar nicht geschadet. Unter wütendem Protest der Landtagsopposition adelte die rot-grüne Regierung die Tierschützer mit dem Verbandsklagerecht. Und bei der Feierstunde zur Unterzeichnung des Sponsorenvertrags mit der Stiftung des ETN waren neben lokalen Honoratioren auch manchen Staatsanwälten vertraute Gesichter zu sehen. 

Nur der Umweltminister, der sich zum Start der Auswilderungsaktion noch persönlich die Ehre gab, fehlte diesmal unter den Ehrengästen. Vielleicht denkt er nach, ob „Wald vor Wild“ auch für den Wisent gilt? Oder gar grundsätzlich was verkehrt läuft?

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