Svenja, die Wahlen und die Wolfsmärchen

Bundesumweltministerin Svenja Schulze wird zur neuen Lieblingszielscheibe der Wolfsfreunde. Auch bei den Grünen, die selber einen Minister wegen seiner Abschussverfügung in der Schusslinie haben. Viele Weidetierhalter glauben ohnehin an ein Ablenkungsmanöver.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze

Foto: BMU/Sascha Hilgers

Noch vor wenigen Tagen überraschte Frau Schulze beim Haus-Karneval ihres Ministeriums im Wolfskostüm. Als sie dann ausgerechnet zum Tag des Artenschutzes via Bildzeitung erleichterte Wolfsabschüsse in Aussicht stellte, dachten ihre NABU-Fans erst mal an einen verfrühten Aprilscherz.

Bei letzterer Wertung treffen sich die Vermutungen von Wolfsfreunden und Landwirten: Die einen hoffen, dass bei der SPD-Frau heißer gekocht als gegessen werde. Die anderen fürchten, dass die Kampfansage gegen das Raubtier den Europawahlen im Mai geschuldet sei und der Eiertanz ums Wolfsmanagement danach weiter gehe.

Angst vor dem Wahlsonntag ist durchaus angebracht: So wie die Bildzeitung ihr Publikum fast täglich mit neuen Horror-News versorgt, könnte das Thema ein wichtiger Wahlprüfstein werden. Was dem Wolf und den Wolfsproblemen nicht gerecht wird. Europa hätte sehr viel wichtigere Sorgen.

Zur Realität gehört nämlich auch, dass vernünftiges Wolfsmanagement nicht an der EU scheitern müsste. Die Entnahme von Problemtieren ist dort unumstritten. Gegenteilige Behauptungen ändern nichts daran. Deutschland, das mittlerweile trotz weit dichterer Besiedelung mehr Wölfe beherbergt, als alle skandinavischen Länder zusammen, muss einen maltesischen EU-Kommissar nicht fürchten, der im Kampf gegen die südeuropäische Zugvogeljagd wie ein zahnloser Tiger wirkt.

Dass die SPD-Ministerin Schulze das letzte Bollwerk gegen Problemwolf-Abschüsse bleibt, ist ohnehin eine trügerische Hoffnung: Im Umfragetief werden die Sozialdemokraten die Berliner Koalition ganz sicher nicht am Wolf scheitern lassen, der beim Unionspartner weit realistischer betrachtet wird. Zumal immer deutlicher wird, dass das Thema nicht mehr mehrheitsfähig ist.

Der Stimmungsumschwung wird auch auf den Internetseiten der Bundesumweltministerin deutlich: Obwohl Wolfsfreunde mit Macht an einem Shitstorm arbeiten, sind die Kommentare dort so gut durchwachsen, dass Frau Schulze durchaus auf die Idee kommen könnte, sie sei nun auf dem richtigen Weg.

Ob es sich die Volksparteien erlauben können, die Stimmen der Wolfsskeptiker der AfD zu überlassen, ist eine durchaus angebrachte Frage. Wie jene, ob Hardcore-Wolfsfreunde ihren Lieblingen nützen, wenn ihre Kommentarspalten mehr und mehr zu rechtsfreien Räumen werden: Mit Hassparolen, Morddrohungen und reichlich Lügen.

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