Und täglich grüßt das Wildschwein

Wildschweine

Foto: Ryszard Adamus

Die Zahl der Wildschweine in Deutschland wächst und das nicht erst seit gestern. Experten sprechen von explosionsartigen Zuwachsraten von bis zu 300 Prozent. Daher ist es nicht verwunderlich, dass man in Presseberichten täglich von Wildschwein-Plagen und verwüsteten Feldern, Gärten und Friedhöfen liest (wir berichteten). Auch größere Unfälle mit ganzen Rotten (wir berichteten) oder verirrte Tiere, die von der Polizei getötet werden müssen, sind keine Seltenheit (wir berichteten). Neben vielen Ursachen für die Entwicklung beim Schwarzwild, auf die wir hier gar nicht eingehen können, fällt auch immer wieder ein Stichwort: Jagdgesetz. Auffällig sind vor allem jene Gesetze, die in den letzten Jahren „ökologisch“ verändert wurden. In Baden-Württemberg gab es deshalb gerade erst eine Rolle rückwärts; das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz des ehemaligen Agrarminister Alexander Bonde (Grüne) soll schon wieder geändert werden (wir berichteten).

Die aktuellsten Klagen über durchpflügte Kleingärten und einen Friedhof erreichen uns aus Eberbach in Baden-Württemberg. Heinz Koch klagt dort der Rhein-Neckar Zeitung sein Leid. „Das hab’ ich noch nie erlebt“, sagt der Rentner und spricht von dem Anblick in seinem und etlichen anderen Gärten. Wildschweine hatten dort die Wiesen auf der Suche nach Nahrung auf links gedreht.

Jäger sollen die Wildschwein-Probleme lösen

Seit längerem bekommt Werner Falkenthal, Jäger in der Umgebung, immer wieder Anrufe. Anwohner klagen ihr Leid und bitten um Hilfe. Er muss dann darauf verweisen, dass das „Problem-Gebiet“ ein befriedeter Bereich sei. „Ein Schuss dort und mein Jagdschein ist weg."

Falkenthal sieht gleich mehrere Ursachen für die große Sauenpopulation. Zu allererst kehrt er im eigenen Garten: In einigen Revieren hätte es im vergangenen Jahr gar keine Jagden gegeben. Außerdem würden die Tiere regelrecht gefüttert, womit er vermutlich auf das große Nahrungsangebot in Komposthaufen und Gärten hinweist und dann schimpft er vor allem auf das Jagdgesetz der vorherigen grün-roten Landesregierung. Seit 2015 sei das „Ankirren“ weitestgehend verboten. Dadurch könnten die Tiere kaum noch gezielt gelenkt und bejagt werden. Falkenthal ärgert sich: „Trotzdem werden wir für die angerichteten Schäden verantwortlich gemacht und teils beschimpft.“

Sicherheit geht vor

Eine Bejagung im befriedeten Bereich schließen auch die offiziellen Stellen aus. Sowohl der Bürgermeister von Eberbach als auch der Sprecher des Rhein-Neckar-Kreises sind daher ratlos. „Das ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Schweinerei“, sagt Bürgermeister Peter Reichert. Aktuell bleibt allen Betroffenen nur eins: Zäune bauen. Am Friedhof werde das die Stadt erledigen, heißt es in einer Pressemitteilung. Bei den Kleingärten müssen sich die Besitzer selbst um den „Wildschwein-Schutz“ kümmern.

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