Vegane Psychoanalyse

Hardcore-Veganer und Tierrechte-Fanatiker haben Grund zur Erregung. Der Sozialpsychologe Ernst-Dieter Lantermann sieht in seinem Bestseller „Die radikalisierte Gesellschaft“ Parallelen zu „Fitness-Fetischisten“ und „Fremdenhassern“.

Anti-Fleisch Graffiti

Spätestens seit seinem Auftritt in der jüngsten Ausgabe des ZDF-Kulturmagazins „Aspekte“ hat der Wissenschaftler alle Chancen, zur Hassfigur der Veggie-Szene zu werden. Zwar hat er in der Sendung ausdrücklich betont, dass Fremdenhass natürlich weit schlimmer ist als der Hass auf Mitmenschen, die sich auch mit Fleisch ernähren. Aber die ersten Kommentare im Internet lassen nichts Gutes für den Professor ahnen.

Lantermanns These, dass sich alle Formen der Radikalisierung durch die Unfähigkeit auszeichnen, andere Meinungen zu respektieren, passt nun mal auch zum radikalen Flügel der Tierrechte-Bewegung. Wenn Andersdenkende „Mörder“ sind, weil sie nicht auf Schweinsbraten und Lederschuhe verzichten – oder gar zur Jagd gehen.

Spannend: Genau mit solcher Kritik trifft der Psychologe offenbar ein verbreitetes Zeitgeist-Problem. Seine Lesungen und Diskussionsabende quer durch Deutschland sind seit Wochen fast immer ausverkauft. Die Intelligenz-Blätter haben ihn ganz schnell entdeckt, nun auch das Fernsehen. Wobei anzumerken ist, dass „Aspekte“ ganz sicher kein Magazin für rechtslastige Dumpfbacken ist.

Vielmehr scheint es so, dass das Unbehagen am Stil der Auseinandersetzung um das Tiere-Essen längst auch Menschen erreicht, die weder Landwirte noch Metzger oder gar Jäger sind. Sondern Leute, die sich ihre Lebensart im Rahmen der Gesetze und im gesamtgesellschaftlichen Konsens nicht von einer militanten Minderheit vorschreiben lassen.

Im Kern, glaubt Lantermann, geht es bei den Radikalisierten um Menschen, die tief verunsichert sind und als Ausweg absolute Wahrheiten suchen – unabhängig von deren objektiver Wahrheit. Die „Zeit“, ganz sicher kein Metzger- oder gar Jäger-Blatt, bringt es in ihrer Buchbesprechung auf den Punkt: „Die Bereitschaft, in Dialog mit Andersdenkenden zu treten, ist gering, lieber bekämpft man sie – im schlimmsten Fall mit Gewalt.“

 Das Aspekte-Gespräch gibt’s in der ZDF-Mediathek. Etwas ausführlicher sind die Thesen des Professors im WDR-Interview nachzuhören: Hier klicken.

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