Von Wölfen und armen Schweinen

Wer Wölfe und Sauen vergleicht und am Ende sogar Gleichbehandlung fordert, kennt die Realität nicht.

Wolf

Foto: Dieter Hopf

Leute, die jegliche Jagd auf Wölfe strikt ablehnen, verweisen gerne darauf, dass Wildschweine viel gefährlicher seien. Dass die Sauen mit aller Härte bejagt werden, verschweigen die Wolfs-Fans.

Niemand käme auf die Idee, eine Lockerung des Waffengesetzes zu fordern, weil durch den Straßenverkehr weit mehr Menschen ums Leben kommen als durch legale Waffen. Ähnlich abstrus wäre ein Denkverbot zu Situationen, in denen die Wolfsjagd unausweichlich werden könnte.

Wer Wölfe und Sauen vergleicht und am Ende sogar Gleichbehandlung fordert, kennt die Realität nicht: Kein anderes Schalenwild wird in Deutschland derart hart bejagt wie die Schweine. Mitunter so hart, dass die Fairness-Grenzen der Waidgerechtigkeit verschwimmen. Es gibt kein Jagdverbot zur Nachtzeit und nur extrem kurze Schonzeiten für führende Bachen, also für Muttertiere, ohne die deren Junge hilflos verenden müssten.

Die Schonzeit der Keiler ist in weiten Landstrichen nur noch Theorie, wird von den unteren Jagdbehörden oft befristet, aber flächendeckend aufgehoben. Frischlinge und Überläufer, also die Jungtiere, sind praktisch vogelfrei. Sauen dürfen in weiten Grenzen angefüttert und dann an solchen Kirrungen erlegt werden. Die Zulassung von Nachtzielgeräten scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Wer Gleichbehandlung für den Wolf einfordert, begibt sich also auf sehr dünnes Eis. Zumal es bei den Sauen in aller Regel um Sachschäden geht – und nicht um Weidevieh, das nach einem Wolfsangriff oft elendig verendet.

Ebenfalls nicht unerheblich: Für den Wildschaden, den Schweine anrichten, kommt meistens der Jagdpächter auf, für Raubtierrisse zum größten Teil das jeweilige Bundesland aus Steuermitteln, vielfach höchst zögerlich.

Dass Schweine Menschen angehen und mitunter schwer verletzen, wissen wir. Dass Wölfe Menschen töten, wissen wir auch. Aus der Geschichte und bis heute aus Südosteuropa, aus Russland und aus Nordamerika. Das Risiko scheint so unkalkulierbar, dass Politiker aller Parteien von der anfänglich so gern zur Schau getragenen Begeisterung abrücken.

Die Wolfsfreunde mögen im Internet eine Mehrheit haben, in der Gesamtbevölkerung wohl nicht mehr. Sie sollten die normative Kraft von Wahljahren nicht unterschätzen. Auch nicht im Interesse der Wölfe, die vor dem Volkszorn dauerhaft nur dann einigermaßen sicher sind, wenn sie dem gemeinen Volk nicht zu nahe kommen.

Sonst geht es wie bei den Wildschweinen, die in vielen Teilen Deutschlands noch vor wenigen Jahrzehnten begeistert begrüßte Exoten waren, aber im Zeichen von Klimawandel und ausuferndem Energie-Maisanbau eine Art Staatsfeind wurden und entsprechend bekämpft werden. Ein Schicksal, das wir den Wölfen nicht wünschen sollten. Und auch nicht den Jägern. Denn die Drecksarbeit wird – wie bei den nahezu vogelfreien Sauen – am Ende wohl an ihnen hängenbleiben. 

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