Warum nicht mal ein Jäger-Streik?

Anzeigen gegen Jagdteilnehmer, Demos, Shitstorms im Internet und angesägte Hochsitze – die Front gegen die Jagd wird scheinbar größer. Warum nicht mal ein Jahr aussetzen und abwarten, was passiert?

Hochsitz im Sonnenuntergang

Mal ganz ehrlich: Die meisten Jäger übten sich in den vergangenen Jahrzehnten in vornehmer Zurückhaltung, wenn Lebensräume ihrer Beute auf dem Spiel standen. Als kämpferische Naturschützer sind wir Jäger kaum aufgefallen. Sondern eher als Sparten-Reparaturbetrieb einer Gesellschaft, die sich im Alltag nur wenig um die Zerstörung der Lebensgrundlagen schert. Das muss sich ändern, wenn wir nicht die nützlichen Idioten bleiben wollen (siehe auch hier).

Nehmen wir den Bergwald und das Rotwild: Die Verbissschäden sind klare Folge einer Siedlungspolitik, die das Schalenwild aus seinen natürlichen Winter-Einständen in den Tal-Lagen verdrängt. Die Masse der Jäger hat nicht vernehmlich protestiert, sondern ertragen, dass die Jagd als Ursache der Schutzwaldschäden verunglimpft wurde.

Statt vernehmlich zu widersprechen, haben wir Gatter für die Winterfütterung gebaut, damit die Hirsche eine Überlebenschance haben. Und von wenigen Mutigen abgesehen, lassen wir es zu, dass unter dem fragwürdigen Motto „Wald vor Wild“ der unwürdige Abschuss in diesen Gattern erzwungen werden soll. Manche haben sogar Probleme, wenn Tier- und Naturschützer in der Gatter-Frage ausnahmsweise auf der Seite der Jäger stehen.

Gewehr im Ständer auf dem Schießstand

Foto: Dr. FM / Wie auf diesem Schießstand im Ständer könnte das Jagdgewehr einfach im Waffenschrank bleiben.

Wann sagen wir endlich sehr laut, dass „Wald ohne Wild“ weder der Natur noch den Menschen gerecht wird. Dass noch mehr Skipisten und Hotel-Komplexe die Probleme weiter verschärfen. Dass eine Freizeitgesellschaft ohne Maß und Ziel der Natur auch dann immens schadet, wenn ihre Mitläufer den Pelzkragen ächten.

Wann sagen wir, dass niemand sonst so viel Geld in die Hand nimmt, um den Lebensraum der Wildtiere trotz derart widriger Umstände zu erhalten? Mit teuren Pachten, mit dem Einstehen für enorme Wildschäden, mit dem Anlegen von Äsungsflächen – und, jawohl, auch mit der Winter-Fütterung jener Tiere, denen die Zivilisation kaum Nahrung übrig lässt.

Die Alternative zur verantwortungsbewussten Notzeit-Fütterung wäre doch wohl, das Aussterben des Rotwilds oder gar den Totalabschuss hinzunehmen und nicht weiter darüber nachzudenken, ob Hirsch und Gams eine bessere Chance hätte, gäbe es flächendeckend jene gesunden Mischwälder, denen das eher zunehmende Ertragsdenken der Forstwirtschaft noch immer sehr im Wege steht.

Es wäre zwar viel verlangt, aber durchaus wirksam, so manche wirre Theorie durch den Praxis-Test zu hinterfragen. Zum Beispiel jene, dass die Jagd an der explosiven Vermehrung der Sauen schuld sei. Mal für eine Pachtperiode verzichten und zuschauen, ob sich die Schweine dann tatsächlich selber dezimieren. Und dabei nicht bangen, wie die Wildschadensrechnung ausfallen wird.

Vielleicht kein schöner Anblick, den Polizisten zuzusehen, die dann wild gewordene Keiler aus Wohngebieten und Einkaufsläden vertreiben sollen. Aber womöglich ebenso lehrreich wie die Vorstellung, dass „Wolfsmanager“ mit Gummischrot den „Problemwölfen“ nachstellen. Dann müssen sie wenigstens einen Jagdschein machen, um jenen Strafanzeigen zu entgehen, an die sich Jäger anscheinend auch dann gewöhnen müssen, wenn sie sich an geltende Gesetze halten.

Zurücklehnen und abwarten?

Was wäre also, wenn wir uns eine Zeit lang zurücklehnen und die Zuschauerrolle genießen: An Demos gegen Naturzerstörung teilzunehmen, kostet keine Pacht und birgt auch nicht das Risiko, in einen Internet-Shitstorm zu geraten. Und die Winterfütterung lässt sich sicher auch aus Steuergeldern finanzieren – wie die Wiedergutmachung für verwüstete Maisfelder.

Ob solche Verweigerungshaltung dem Wild und der Natur hilft, ist eine andere Frage. Aber warum sollen Jägerinnen und Jäger jene aussterbende Sorte Bürger bleiben, die Antworten gibt statt immer nur Fragen zu stellen. Zumal das gesparte Geld auch für die eine oder andere Auslandsjagd reichen dürfte. Am liebsten in Länder, deren Menschen noch Raum für das Wild und die Jagd übriggelassen haben.

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