Weniger Kiefern, mehr Verbiss

Ein Forschungsprojekt warnt vor einseitigen Erklärungen für die Probleme der Forstwirtschaft: Kiefern in Schweden haben andere, unbekannte Feinde als das Schalenwild. Die Waldbauern müssen also in Teilen umdenken.

Blick in Kiefernmonokultur

Foto: Redaktion

Schweden ist nicht nur beim Wolfsmanagement weiter als die Berliner Republik. Jetzt erkunden Waldbesitzer und Jäger gemeinsam neue Wege gegen das Verbissproblem. Ein Rezept: Mehr Kiefern, weil sie genug Äsungspflanzen hochkommen lassen.

Eine andere These wird einigen Forst-Theoretikern gar nicht schmecken: Alles deutet nach den bisherigen Forschungsergebnissen darauf hin, dass der Verbiss durchs Schalenwild nur eine von vielen Ursachen für ein großflächiges „Absterben“ von Kieferngipfeln sein dürfte. Die Wissenschaftler haben den begründeten Verdacht, dass zum Beispiel auch viele Forstpflanzen an ihren neuen Standorten schlecht wachsen. Etwa, weil sie in den Baumschulen mit Dümger überfüttert werden und dann mit kargeren Böden nicht klarkommen.

 

„Was ich sehe, reicht aus um unruhig zu werden“

Auch der berühmt-berüchtigte Gipfelverbiss, heißt es in einer Zwischenbilanz, muss nicht immer und überall durch Reh, Hirsch und Elch verursacht sein. Es dürfte weitere Ursachen geben: „Wir haben noch keine Antwort, aber was ich sehe, reicht aus um unruhig zu werden“, sagt Waldforscher Karl-Anders Högberg von Institut „Skogforsk“ in der Zeitschrift des Schwedischen Jägerverbands. 

Es waren Waldbesitzer im Osten der Provinz Smaland, die beschlossen, die Schuld für das schlechte Aufwachsen ihrer Kiefernbestände nicht einfach nur beim Schalenwild zu suchen, sondern die mysteriösen Gipfel-Schäden genauer zu untersuchen. Mit dabei die Waldkonzerne Sveaskog und Södra.

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Projektleiter Högberg stellt fest: Kiefern mit zerstörtem Spitzentrieb kommen auch in wilddicht eingezäunten Schonungen reichlich vor. Es muss also weitere Ursachen für das Verbuschen der Pflanzen geben. Wohl solche, gegen die auch die radikalste Schalenwildbekämpfung nichts ausrichten kann.

Ob es Parasiten sind oder die immer häufigeren trockenen, heißen Sommer, oder aber bisher unbekannte Schadfaktoren: Allein auf Schalenwildreduktion sollten sich die Forstbetriebe also nicht verlassen, mahnt Högberg. Und vom Verzicht auf den Brotbaum Kiefer hält er auch nichts.

Keine Fichtenaufforstung

Vorm scheinbaren Ausweg Kiefernwälder mit Fichtenpflanzen aufzuforsten, warnen auch andere, ausgewiesene Experten: Da sei die Gefahr groß, dass der Verbissdruck weiter zunimmt. Dem Schalenwild fehle ohne Kiefern das in Kiefernwäldern typische Äsungsangebot, Blaubeeren zum Beispiel und die selbst gefroren noch genießbaren Preiselbeeren.

In den Provinzen Södermanland und Örebro haben sich Jäger und Waldbesitzer schon zusammengetan, um das großflächige Überleben der Kiefer zu stützen. Auch mit verstärktem Schalenwildabschuss, aber zugleich im Glauben an eine Faustregel: „Weniger Kiefern, mehr Verbiss.“

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