Wenn Tierrechtler die Sau rauslassen

Fake News haben es so an sich, dass ihre Erfinder sie bei jeder Gelegenheit verbreiten und am Ende selber dran glauben. Zum Beispiel, dass hoher Jagddruck an der explosionsartigen Sauenvermehrung schuld sei.

Wildschweine

Foto: Daniela Fett

Zum Anfang ein aktuelles Beispiel abseits der Sauen: Wer viel auf den Facebook-Internetseiten zu Natur- und Tierschutz unterwegs ist, hat mit großer Sicherheit die Meldung mitbekommen, dass Norwegen als weltweit erstes Land keine Bäume mehr fällen will. Die Wahrheit ist, dass der Holzeinschlag in Norwegen von Jahr zu Jahr neue Rekordmengen erreicht. Der Verzicht bezieht sich auf den Holz-Import aus Ländern, in denen keine so strengen Nachhaltigkeitsregeln herrschen wie in Deutschland oder Skandinavien.

Die Fake-News-Schöpfer verlassen sich auch in diesem Fall wie immer darauf, dass ihr Stammpublikum nur die ersten Sätze liest – die Wahrheit folgt weiter unten und reicht als Alibi, wenn der zuvor verbreitete Unsinn enttarnt werden sollte. Die Wette gilt, dass wir die norwegische Wald-Ente noch einige Jahre vorgesetzt bekommen, spätestens dann, wenn sich die Tierrechtler die Bäume als nächstes (Spenden-)Rettungsobjekt vornehmen.

Aber nun zu den Sauen: Wir dachten eigentlich, dass das Leugnen von Klimawandel und massenhaftem Maisanbau als Ursache der massiv ansteigenden Sauenvermehrung selbst bei den ärgsten Realitätsverweigerern abgehakt ist. Stimmt aber nicht: Kaum beginnt eine neue Schwarzwild-Diskussion, kommen die alten Kamellen wieder ins Internet. Schlachtruf: Mehr Jagd – mehr Sauen.

Prompt werden dann auch Wissenschaftler zitiert. Zum Beispiel die französische Biologin Sabrina Servanty, die ihre Langzeitstudie zur Sauen-Fruchtbarkeit im Jahr 2009 veröffentlichte, also Jahre vor der Kernkraftkatastrophe von Fukushima und der folgenden Energiepflanzen-Explosion im Zuge der sogenannten Energiewende. Wer auf diversen Tierrechtler-Seiten nachforscht, erkennt erst im Kleingedruckten, dass auch Frau Servanty und ihr Forscherteam Klimawandel und Nahrungsangebot als wesentliche Faktoren für die Fruchtbarkeit der Sauen ausgemacht haben. Und dass sie Bezüge zum Jagddruck mit deutlichen Fragezeichen versehen haben. Da wimmelt es nur so von Konjunktiven, von „könnte“ und „dürfte“. Anderes wäre auf Grundlage der Studienerkenntnisse wissenschaftlich nicht haltbar.

Klar ist allenfalls, was Jäger schon seit vielen Generationen wissen: Die Schonung der Sozialstrukturen ist sehr wichtig für eine gute Schwarzwildbewirtschaftung. Und zum Glück gibt es noch Jägerkreise, die den Abschuss von Leitbachen mit Ausschluss aus dem Kreis der Eingeladenen bei künftigen Drückjagden ahnden. Dafür brauchen wir keine Belehrungen von selbsternannten Tierrechtsexperten und auch das böse Wort „Reduktionsjagd“ nicht.

Wenn wir schon dabei sind: Auch der von Jagdgegnern so gern zitierte Münchner Professor von den zoologischen Staatssammlungen ist ein eher schwieriger Zeuge: Er glaubt zwar an die Jagddruck-These, hält aber sonst eher wenig von Naturrechtstheorien. Die Vorstellung vom „Einklang mit der Natur“ nannte er im Spiegel-Interview schon mal „irreal“ und „menschenverachtend“. Und mit seinem Glauben, dass der Klimawandel Chancen für Mensch und Natur biete, hat sich der Mann den geballten Zorn der Fachwelt zugezogen.

Folgt man seriösen Experten wie Sandra Cellina aus Luxemburg, wird es jedenfalls eng für die Natur-Träumer. Weil der Zusammenhang zwischen Klimawandel, Nahrungsangebot und Fortpflanzungserfolg einfach nicht zu leugnen ist. Sinnvoller, als Fake News zu verbreiten, wäre allemal zudem das Ende des Geredes, dass die Jäger die Sauen durch unmäßige Fütterung päppeln. Wo die Kirrungsmengen doch streng reglementiert sind – und dem Zweck dienen, die Schweine davon abzuhalten, dass sie im nächsten Maisfeld Schaden anrichten. Für den dann in aller Regel die Jäger aufkommen müssen – und nicht die Sauenversteher aus dem Wolkenkuckucksheim.

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