Wenn Wildschweine den Garten umgestalten

Ein ungebetener Besuch der BORSTIGEN Zeitgenossen ist für Grundstücksbesitzer und Gartenfreunde meistens eine unangenehme Angelegenheit – außer man weiß sich zu helfen.

Bache mit Frischlingen beim Brechen

Foto: Dieter Hopf

Wildschweine sind äußerst intelligente und anpassungsfähige Tiere. Bei gutem Fraßangebot können sie eine Reproduktionsrate von bis zu 300 % in einem Jahr erreichen. So verwundert es nicht, dass die gesellig in großen Familienverbänden, den so genannten Rotten, lebenden Tiere sich immer neue Lebensräume erobern. Schnell haben sie gelernt, dass von Menschen besiedelte Gebiete, wie beispielsweise Parks, Grünanlagen, Friedhöfe oder auch private Gärten, nicht nur ein ausgesprochen gutes Nahrungsangebot für die Tiere bereitstellen, sondern auch oftmals guten Schutz und Deckung.

In Jahren, in denen ein reichhaltiges Angebot an Eicheln oder Bucheckern zur Verfügung steht, steigt der Appetit der Wildschweine auf eiweißreiche Kost rapide an. 2018 war beispielsweise ein sogenanntes „Mastjahr“, mit einem großen Angebot an Eicheln („Eichelmast“ genannt). Eicheln sind noch vor Mais und anderem Getreide für Wildschweine eine wahre Delikatesse. Auf der Suche nach tierischem Eiweiß, wie etwa Engerlingen, anderen Larven und Würmern, durchwühlen sie den Erdboden systematisch. Im Wald ist dies durchaus nützlich und auch gewollt, da so der Waldboden auf natürliche Weise belüftet und aufgelockert wird. Auf landwirtschaftlich kultivierten Flächen, wie Weiden oder Pferdekoppeln sowie im städtischen Bereich in Parkanlagen, auf Fußballplätzen, privaten Gärten und so weiter, kann dies doch schnell zu hohem finanziellen Schaden und damit verbundenem großen Ärgernis führen.

Hinzu kommt, dass in so genannten „befriedeten Bezirken“, zu denen Städte und Ortschaften zählen, die Jagd ruht. Das bedeutet, dass ohne Sondergenehmigung kein Jäger in einer geschlossenen Ortschaft Jagd auf zu Schaden gehende Wildschweine machen darf, selbst wenn dies dringend notwendig wäre.

Umso wichtiger ist das richtige Verhalten der Anwohner, wenn sich die Schwarzkittel bis in die Ortschaften vorwagen und auch die geeignete Absicherung des eigenen Grundstücks gegen die nicht eingeladenen, meist nächtlich vorbeischauenden borstigen Besucher.

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Die Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung gibt nützliche Tipps, wie man sich in solchen Fällen richtig verhält:

- Besonders wichtig sei die sachgerechte Entsorgung des Hausmülls in vor dem Umkippen gesicherten Mülltonnen. Betonierte Verblendungen für die Mülltonnen oder auch schon einfache Varianten aus Holz haben sich hierbei bewährt.

- Ebenso sollten Komposthaufen vor dem direkten Zugriff der Sauen geschützt werden. Je einfacher die Tiere an Nahrung gelangen können, desto häufiger werden sie dieses Angebot auch versuchen wahrzunehmen.

- Weiterhin raten die Experten dringlichst davon ab, die Tiere in den Gärten oder anderswo zu füttern. Auf diese Weise verlören die Wildschweine sehr schnell ihre natürliche Scheu vor dem Menschen und können regelrecht aufdringlich werden. Dies gilt auch für den Nachwuchs, die Frischlinge.

- Jeder Garten sollte eingezäunt sein. Diese „Einfriedung“ unterscheidet ihn von Feldern und Wald. Wer sein Grundstück am Ortsrand, in der Nähe von Feldern oder in der Nähe des Waldes hat, sollte sein Grundstück besonders gut vor dem Eindringen der wilden Schweine schützen. Feste Zäune, die hoch genug sind, um ein Überspringen durch die Tiere zu verhindern und darüber hinaus auch noch nach Möglichkeit circa 20 cm in den Boden eingegraben werden sollten, bieten einen zumeist ausreichenden Schutz. Auch anteilig in den Boden eingelassene Baustahlmatten seien hier empfohlen. Bei großen Gärten sei auch an die Sicherung durch mobile Elektrozäune zu denken.

- Besonders interessant für die Schweine und daher besonders gefährdet sind Bereiche, in denen bewirtschaftete Gartenanlagen in direkter Nachbarschaft zu verwilderten Grundstücken oder Gärten, alten Weinbergen und ähnlichem vorkommen. Hier biete sich an das Unterholz zu lichten, um den Tieren die Deckung zu nehmen und damit zu verhindern, dass sich die Sauen dort dauerhaft aufhalten.

- Des Weiteren wird dazu geraten sich mit seinen Nachbarn abzustimmen. Manche freuen sich über den „Besuch“ der Tiere, füttern sie womöglich noch an und der Nachbar mit dem sorgsam gepflegten englischen Rasen nebenan leidet unter dem Schaden, den die Tiere auf der Suche nach Fraß anrichten.

- Auch wenn die Tiere von Natur aus eher mit Scheu und Flucht auf den Kontakt mit Menschen reagieren, so könnte sich dieses Verhalten, aus den gerade schon genannten Gründen, auch ändern. Sollte dem so sein und die Tiere zutraulich werden, so ist es überhaupt keine gute Idee die Tiere anzufassen oder gar streicheln zu wollen. Manchem fällt dies bestimmt schwer, sind doch gerade die kleinen gestreiften Frischlinge besonders süß und possierlich. Ihre Mutter, die Bache, ist nie weit weg und kann äußerst aggressiv werden, wenn sie ihre Sprösslinge bedroht wähnt. Wildschweine sind sehr kräftig und wehrhaft. Knochenbrüche und schwerste Bissverletzungen durch die starken Kiefer der Tiere können die Folge solch unbedachten Verhaltens sein.

- Geraten Sie in eine derartige Situation, in der ein Wildschwein zuerst „Scheinangriffe“ auf Sie unternimmt und dabei fauchende Geräusche, das so genannte Blasen, als Drohgeste zu hören sind, dann hilft nur der zügige, aber dennoch ruhige und geordnete Rückzug. Machen Sie keine hektischen Bewegungen. Versuchen Sie nicht die Tiere zu verscheuchen. Das könnte genau den gegenteiligen Effekt erzielen, den Sie sich wünschen und das Tier könnte zum Angriff übergehen. Vergrößern Sie den Abstand. Das wird die Wildschweine wieder beruhigen.

- Seien Sie auch vorsichtig mit ihren Hunden. Wenn Wildschweine in der Nähe sind, sollten sie diese nicht von der Leine lassen. Hunde, die den Kontakt mit Wildschweinen nicht gewohnt sind, ziehen bei einer möglichen Konfrontation meist den Kürzeren.


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Beachtet man diese einfachen Hinweise und ist sich immer bewusst, dass man es mit Wildtieren zu tun hat, so braucht niemand Angst oder gar Panik beim Kontakt mit diesem interessanten Wild zu haben.

Wenn Sie Probleme mit Wildschweinen auf Ihrem Grundstück haben und sich noch immer unsicher über das richtige Verhalten sein sollten, so scheuen Sie sich nicht die örtliche Jägerschaft oder auch die Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung um Hilfe zu bitten. Diese Experten werden Ihnen sicherlich gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen.


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