Wie Jäger Jagdgegnern in die Karten spielen

Im Netz geteilte Beiträge von der Jagd lösen immer wieder negative Schlagzeilen und Hetzkampagnen aus. Kann ein „Social Media Symposium“ des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) da helfen?

Wer zumindest hin und wieder bei Facebook, Twitter und Co. unterwegs ist, weiß, dass sich berechtigte Einwände und sachliche Kritik schnell zu einer Lawine aus Hass und Hetze entwickeln können. Kaum eine Bevölkerungsgruppe bleibt von „Shitstorms“ verschont: seien es Politiker, Jäger oder Tierrechtler. Meistens sind diese massenhaften und heftigen Reaktionen im Netz von relativ kurzer Dauer. Schnell findet die Internetöffentlichkeit einen neuen Skandal, einen neuen Hashtag, eine neue Zielscheibe für ihre Kritik.

Schockierende Jagdszenen, geteilt von Jägern

Was jedoch bleibt, ist das Bild von der Jagd, das sich mit jedem neuen Aufschrei in den Köpfen verfestigt. So mag ein einzelner unglücklicher Beitrag, wie das Video eines texanischen Jägers, der mit einem Nachtsichtgerät ausgestattet in kürzester Zeit 107 Wildscheine erlegt, noch keinen dauerhaften Imageschaden für Jäger weltweit mit sich bringen. Doch dann folgt ein Video aus Südtirol, in dem die Forstpolizei 15 Frischlinge in einem Käfig filmt, dann erlegt und schließlich vor einem Polizeiauto aufreiht und fotografiert. Kurz darauf sorgt das mit AC/DC-Sounds unterlegte Schock-Video eines bayerischen Jägers für Entsetzen, das eine Drückjagd als fröhliches Massaker inszeniert.

Und gerade erst wurde einer schweizerischen Tierrechts-Initiative ein Video zugespielt, in dem ein deutscher Jäger mehrere Jagdhunde – offenbar während einer Drückjagd – dabei filmt, wie sie sich im Wald auf eine Hauskatze stürzen. Der Filmer greift nicht ein, auch dann nicht, als die Jagdhunde die Katze förmlich auseinanderreißen. Er hält mit seiner Handykamera einfach drauf. Die Bilder sind nur schwer auszuhalten und lassen kaum Zweifel daran zu, dass die Katze diesen Angriff nicht überlebt hat.

Wie aus Nichtjägern Jagdgegner werden

Immer wieder machen unschöne Videos und Beiträge von Jagd und Jägern die Runde, immer wieder werden sie von mehr oder weniger seriösen Medien aufgegriffen und in sozialen Medien geteilt. Für Nichtjäger lässt das meist nur eine Deutung zu: dass nämlich Jäger die Bösen seien und diejenigen, die diese Handlungen anprangern und Spenden gegen diese und andere Tierquälereien sammeln, die Guten. Es ist nur logisch, dass unbedarfte Zuschauer für Nachrichten dann nicht mehr empfänglich sind, die über die vielen positiven Aspekte der Jagd, etwa das große Engagement der Jäger für den Naturschutz, berichten.

„Framing“ und „selektive Wahrnehmung“ nennen sich diese Phänomene in der Fachsprache. Werden immer wieder negative Schlagzeilen und hetzerische Beiträge angeklickt, tun Algorithmen ihr Übriges und spielen irgendwann kaum noch etwas aus, was das einfache Weltbild des Jagdgegners gefährden könnte. Somit spielen von Jägern unbedacht geteilte Beiträge auch Tierrechtlern und ihren Sympathisanten in die Karten, die nur darauf warten, einen virtuellen Shitstorm mit ganz realen Folgen für das Image der Jägerschaft loszutreten.

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Bayerischer Jagdverband veranstaltet „Social Media Symposium“

Nicht immer und überall sind diese Folgen spürbar. Erst kürzlich hat eine repräsentative Umfrage in der Schweiz gezeigt, dass die Menschen ein überwiegend positives Bild von der Jagd haben (wir berichteten). Das ist zwar  erfreulich – aber sich auf diesen Umfragewerten auszuruhen, löst nicht das Problem, dass viele Imageschäden immer noch von Jägern selbst angerichtet werden.

Immerhin: Der Bayerische Jagdverband (BJV) hat sich dieses Problems jetzt angenommen. In Erding luden sie die Jungen Jäger Bayern zum ersten „Social Media Symposium“. Angesichts der Tatsache, dass wir inzwischen 2018 haben und kaum ein Jäger nicht in sozialen Medien vernetzt ist, kommt diese Zusammenkunft vielleicht etwas spät. Doch lieber spät als nie – das dachten sich wohl auch die Verantwortlichen vom BJV. Diese hatten gleich mehrere hochkarätige Referenten zu dem Treffen bestellt, darunter eine Social Media-Strategin, einen Universitätslektor, einen freier Autor und die stellvertretenden Pressesprecherin des Deutschen Jagdverbandes. Gemeinsam mit den Fachleuten erarbeiteten die jungen Waidfrauen und -männer einen Social Media-Leitfaden, in dem „Musts“ und „No-Gos“ im Umgang mit sozialen Medien und dem Internet festgehalten wurden.

Sonnenaufgang

Foto: Sarah Aicher / Ein Sonnenaufgang ist besonders unverfänglich.

Jagdszenen schlecht, Sonnenaufgang gut? So einfach ist es selten

Doch was ist ein Muss und was geht gar nicht? „Jagdszenen in der Öffentlichkeit darzustellen, ist schnell problematisch und manche nutzen die sozialen Medien, ohne sich Gedanken darüber zu machen, was sie damit lostreten können“, meint BJV-Pressesprecher Thomas Schreder in der Pressemitteilung zum Symposium. Stattdessen sollen Jäger die „richtige Darstellung der Faszination Jagd“ üben: „Wenn ich mit meinem Hund morgens ins Revier gehe und einen wunderschönen Sonnenaufgang sehe, ist das ein tolles Naturerlebnis, das gehört auch zur Jagd“, so Schreder weiter. Er bekennt: „Wie wir solche Erlebnisse mit anderen im Netz teilen können und worauf wir dabei achten sollten, das müssen wir noch lernen.“

Jagdszenen schlecht, Sonnenaufgang gut, könnte der einfache Merksatz lauten. Diese Regel ist allerdings etwas verkürzt, weil es so viele Nuancen gibt, die man diskutieren muss. Erfahrungsgemäß sind es eben nicht die unverfänglichen Naturmomente, bei denen die Entscheidung schwerfällt, sie mit der Internetöffentlichkeit zu teilen. In vielen Fällen ist es komplizierter: Wie ist das beispielsweise bei Drückjagd-Videos, die Jäger zu Informationszwecken im Internet teilen wollen? Sollen wir über die Notwendigkeit der Waschbärjagd schweigen, nur weil die Tierschützer dann mit alternativen Fakten zur Rettung der Waschbären aufrufen? Auch an der Frage, ob und wie man die Jagdstrecke öffentlich im Netz präsentieren sollte, scheiden sich im Netz seit Langem die Geister.

Wildschwein-Strecke

Auch das sollte zumutbar sein: eine Streckenlegung nach der Jagd auf Schwarzwild.

Realistische Jagdszenen ohne mediale Hetzjagd?

Tatsächlich beweist der BJV mit seinem Social Media Symposium ein gutes Gespür. Es muss das Ziel der Jägerschaft sein, sich immer wieder mit positiven Berichten, Bildern und Videos ins Gespräch zu bringen, anstatt mit würdelosen Streckenfotos und schaurigen Videoaufnahmen für negative Schlagzeilen zu sorgen. Da ist jeder und jede einzelne gefragt. Nur so können die Jäger es erreichen, dass Jagdlaien für Schock-Videos und Tierrechtspropaganda künftig weniger empfänglich sind.

Auch wenn die genannten Negativbeispiele vielleicht extreme Ausnahmen sind, müssen wir uns von deren Urhebern vehementer distanzieren, indem wir zeigen, wie Jagdalltag und Waidgerechtigkeit in der Realität aussehen. Wir müssen uns aber auch fragen, was wir einer informierten Netzöffentlichkeit an realistischen Darstellungen von Jagd und Natur zumuten können, ohne gleich eine mediale Hetzjagd loszutreten.

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