Wölfe in Brandenburg: Das Ende der Lügen

Im Havelland ist ein Wolf in Lebensgefahr, weil er einer Kita zu nahe kam. Jetzt ist das Wolfsmanagement in der Pflicht.

Wieder kommt ein Wolf in Lebensgefahr. Diesmal in Brandenburg, wo ein Abschuss droht, weil sich das Tier einer Kita näherte. Schuld sind auch die Beteuerungen, dass Wölfe besonders menschenscheu sind.

Nahbegegnungen mit Wölfen sind absolut nicht ungewöhnlich. Das wissen wir aus allen Ländern, die schon länger mit den Raubtieren leben. Dass von neugierigen Wölfen grundsätzlich eine besondere Gefahr ausgeht, wird durch solche Erfahrung nicht gestützt. Die Ängste, die jetzt im Havelland wachsen, sind womöglich unbegründet. Aber sie sind verständlich, weil der Bevölkerung immer wieder eingeredet wurde, dass Wölfe scheu seien und den Menschen meiden. Nun erleben die Betroffenen, dass die Tiere so scheu wohl doch nicht sind und sie zweifeln deshalb auch an deren Ungefährlichkeit. Es wäre sicher klüger gewesen, gleich bei der Wahrheit zu bleiben: Es gibt ein Restrisiko. Vor allem dann, wenn Risiken geleugnet werden.

Auf dem Truppenübungsplatz von Munster waren Wolfsbegegnungen wohl an der Tagesordnung – nicht nur mit Soldaten. Bis das Füttern streng verboten wurde, hatten auch Tierfreunde dort ihren Spaß an den zutraulichen Tieren. Dass es dem Potsdamer Umweltminister nun zu weit geht, wenn ein Wolf in Kindergartennähe gesichtet wird, ist die Kehrseite der Medaille.



Klar ist, dass bei der Dichte, die die Population in einigen Regionen erreicht hat, Wolfssichtungen zur Normalität werden – ebenso wie Angriffe auf Weidetiere und Wildunfälle mit den Raubtieren. Darüber darf sich nur wundern, wer die Realität nicht sehen will. Zur verdrängten Wahrheit gehört auch, dass ausgeprägte Menschenscheu die Konsequenz erfordert, den Tieren zu vermitteln, dass ihnen der Mensch gefährlich werden kann.



Für solche, womöglich sinnvolle Abschreckung zu sorgen, kann nicht Sache der Jäger sein. Sie wehren sich mehrheitlich aus gutem Grund, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Sie sind mehrheitlich nicht bereit, in diesem emotionsgeladenen Umfeld die Rolle der Wolfsfeinde zu übernehmen. Das ist aus Jägersicht Sache des Wolfsmanagements.



Ob es gelingen kann, in den betroffenen Regionen jene Bürger-Akzeptanz zu erhalten, die für das langfristige Gelingen der Wiedereinbürgerung unerlässlich ist, hängt auch von der Bereitschaft ab, Risiken nicht klein und den Wolf nicht schön zu reden. Die Einsicht, dass Politikern kaum etwas wichtiger ist als ihre Wiederwahl, ist da ein guter Grund, mehr Realitätssinn zu entwickeln.


Wölfe nur in dünn besiedelten Gebieten?

Zu den wirklich wichtigen Fragen gehört dabei die, ob es wirklich überall in Deutschland Wölfe geben muss. Oder ob ein entspanntes Miteinander nicht besser gelingen könnte, wenn die Populationen auf dünn besiedelte Gebiete beschränkt werden. Wie etwa beim Rotwild, das in weiten Teilen Deutschlands nur dort geduldet wird, wo es der Forstpolitik einigermaßen genehm ist.



Allein mit der wenig fundierten Stimmungsmache, dass Rotkäppchen nur ein Lügenmärchen sei, kommen wir ebenso wenig weiter wie mit Statistiken, die Wolfsangriffe auf Menschen tunlichst ignorieren oder mit der Tollwut erklären. Wenn wirklich passiert, was angeblich nicht passieren kann, wird eine Tollwut-Diskussion die Forderung nach Ausrottung der Tiere nicht verhindern und vermutlich auch Abschüsse nicht.



Eher noch nützen den Wölfen jene Jäger, die in betroffenen Revieren Warnschilder aufstellen – zur Empörung mancher Tierfreunde, aber letztendlich im Interesse eines möglichst konfliktfreien Zusammenlebens.

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