Wolfsmanagement für Blauäugige

Wolf am Seeufer

Foto: Dieter Hopf

Jetzt richtet sich auch Nordrhein-Westfalen ganz offiziell auf ein Leben mit den Wölfen ein. Der „Wolfsmanagementplan“ des grünen Umweltministers Remmel zeigt Realitätssinn, bis hin zum Abschuss verhaltensauffälliger Tiere – aber leider nur im Kleingedruckten.

Misstrauische dürfen den eben vorgelegten „Handlungsleitfaden für das Auftauchen einzelner Wölfe“ durchaus als Vorsichtsmaßnahme zum politischen Überleben werten: In der Langfassung steht alles drin, was die Fans der Wiederansiedlung sonst gern verschweigen. Vor allem, dass es Verhaltensauffälligkeiten geben kann, die im schlimmsten Fall den Abschuss der Tiere erfordern.

Nur in der Pressemitteilung zum Managementplan werden die möglichen Probleme weitgehend verschwiegen und beschönigt. Das Ministerium wiederholt die Fehler anderer Bundesländer, die erst Euphorie verbreiteten und nun mühsam zurückrudern – auch wegen der berechtigten Sorge, dass die Wirklichkeit jene Politiker einholen könnte, die von einer Gefahr durch die Raubtiere am liebsten gar nichts wissen wollten.

Originalton der Pressemitteilung: „Aus den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte kann festgestellt werden, dass Angriffe von gesunden freilebenden Wölfen auf Menschen in Deutschland nicht dokumentiert sind. Wölfe sind vielmehr extrem scheu und meiden üblicherweise den Menschen ...“ Verräterisch sind dabei zwei Wörter: „gesund“ und „üblicherweise“. Sie sind mittlerweile Standard, wenn sich Wölfe nicht an solche Verharmlosungsfloskeln halten. Sie sind dann aus solcher Sicht entweder krank oder verhalten sich nicht „üblich“. Vielleicht, ließe sich ironisch anmerken, hatten sie ja auch „eine schlechte Jugend“.

Wer sich nicht die Mühe macht, den vollständigen Text zu lesen, erfährt kein Wort darüber, dass selbst wohlmeinende Experten mittlerweile dringend raten, Hunde in Wolfsgebieten an die Leine zu nehmen. Was in Schweden, Norwegen und Finnland längst Standard ist, weil die Realität gezeigt hat, dass Wölfe Hunde zum Fressen gern haben – durchaus auch in Rufweite ihrer Besitzer.

Und dann folgen in der Mitteilung des Ministeriums die üblichen Empfehlungen für den Fall, dass es womöglich doch zur Begegnung mit Wölfen kommt, die ihre angeblich angeborene Scheu vermissen lassen: „Nicht versuchen, Wölfe anzufassen oder zu füttern. Nicht weglaufen, sondern stehen bleiben. Langsam zurückziehen, wenn man den Abstand vergrößern will. Man kann einen Wolf vertreiben, indem man ihn laut anspricht, in die Hände klatscht und mit den Armen winkt.“

Fehlt nur noch der ebenfalls gern gegebene Rat, mit dem Schlüsselbund zu klappern und keinesfalls panisch davonzulaufen. Ersteres hilft gar nicht, Letzteres löst beim Wolf seinen ganz natürlichen Jagdinstinkt aus. Fehlt nur noch, dass „Wolfsbotschafter“ behaupten, dass auch ihre Schützlinge eigentlich nur spielen wollen. Nebenbei bemerkt ein Satz, mit dem sich auch unverbesserliche Hundebesitzer unbeliebt machen.

Foto: Dieter Hopf

In der Langfassung des Managementplans lesen wir anderes. Zum Beispiel: „Das Entfernen von Problemwölfen aus der freien Wildbahn erfolgt in aller Regel durch Abschuss, da die Haltung eines gefangenen Wolfs in einem Gehege oder einer ähnlichen Einrichtung für das Tier extrem belastend wäre.“ Der Lösungsvorschlag „Entfernen“, also Abschuss, findet sich folgerichtig für allerlei Konfliktsituationen wie den Angriff auf Hunde oder die Annäherung an Menschen: „Wolf nähert sich mehrfach Menschen, interessiert sich scheinbar für Menschen.“

Für möglicherweise betroffene Nutztierhalter gilt auch in Nordrhein-Westfalen, dass sie im Zweifel auf ihren Schäden sitzenbleiben: „NRW entschädigt im Falle von nachweislich durch den Wolf erfolgten Nutztierrissen; ein Rechtsanspruch auf Schadensausgleich besteht jedoch nicht.“ Außerdem sollen sich Tierhalter versichern – zum Beispiel für den Fall, dass ihre Schützlinge bei einem Wolfsangriff in Panik flüchten und Verkehrsunfälle verursachen.

Fazit: Im Westen nichts Neues, wenn es um den Wolf geht. Auch in Düsseldorf bestimmt die Taktik das politische Vorgehen, das in der Sache oft unkundige Großstadt-Wählerpublikum bei Wolfslaune zu halten. Und die Hände in Unschuld zu waschen, wenn es mit der blauäugigen Willkommenskultur schief gehen sollte. Schließlich steht doch im Kleingedruckten, dass auch der Abschuss nicht ausgeschlossen ist.

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