Zwischen Kieling und der Wolfsangst

Wie Maischbergers ZDF-Talk die Spannung zwischen Öko-Wünschen und Wirklichkeit entlarvt.

Windräder mit Maisfeld

Foto: MichaelGaida

Ein Kommentar unseres Autors Michael Lehner:

Es hätte schlimmer kommen können. So war´s ein Glück, dass der ZDF-Talk um Wolfsangst und Bienensterben von Sandra Maischberger moderiert wurde – nicht etwa von Märchenonkel Markus Lanz. Und dass mit Karsten Schwanke ein Wissenschaftler in der Runde saß.

Auch klar: Katharina Schulze, Fraktionschefin der Grünen im bayerischen Landtag, bleibt zwar gern mal konkrete Antworten schuldig. Sie lässt aber auch ahnen, warum die Grünen momentan auf dem Weg zur Volkspartei sind. Zum Beispiel, wenn sie sagt, dass sie Menschen versteht, die Angst haben, wenn Wölfe Altenheim- und Kindergärten heimsuchen.

Tierfilmer Andreas Kieling, der den Fernsehzuschauern schon mal gezähmte Wölfe als (harmlose) Wildtiere vorführte, macht das so wütend, dass er ätzend anmerkt, er sei wohl in einer Reklamesendung für die Grünen gelandet. Was objektiv nicht stimmt, weil Frau Maischberger auch ziemlich konsequent bleibt bei der Frage, wann die Grünen den Leuten klar sagen, dass Öko-Landbau nur mit steigenden Lebensmittelpreisen zu machen ist.

Wie schon erwähnt: Gut, dass Karsten Schwanke dabei ist. Zwar Meteorologe, aber immerhin Wissenschaftler und damit fähig, die Dinge zwischen Panik und Verharmlosung einzuordnen. Sein wichtigstes Argument: Klimaschutz, der ja auch Artenschutz ist, kommt am Ende viel billiger als Reparatur der bedrohlichen Folgen.

Da ist Herrn Schwanke irgendwie zu verzeihen, dass er (wie auch Frau Maischbergers Redaktion) die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht mit einer Abschussfreigabe verwechselt. Während die Grüne Schulze dem Abschuss von Problemwölfen das Wort redet und ihrem Parteifreund Albrecht, der Umweltminister in Schleswig-Holstein ist, klar Rückendeckung für seine Wolfsentnahmeanordnung gibt.

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Wölfe beim Riss

Foto: Pixel-mixer

Noch besser: Es sind auch Praktiker dabei. Schäfer Ronald Rocher, der seine 600 Schafe von mittlerweile zwölf Herdenschutzhunden bewachen lässt (Kosten pro Hund und Jahr 2500 Euro) und dennoch schlecht schläft mit der Angst am nächsten Morgen wieder jämmerlich zugerichtete Schafe auf seinen Weiden zu finden.

„Die Kinder träumen schlimm,“ sagt der Schäfer. „Dass der Wolf ein Raubtier ist, kann keiner mit gesundem Menschenverstand abstreiten“, sagt Frau Schulze von den Grünen. Herr Kieling fragt, wieviele Osterlämmer die Deutschen auch in diesem Jahr verzehren werden. Dass viel mehr Kinder in der Landwirtschaft ums Leben kommen als durch Wölfe, und im Straßenverkehr sowieso.

Mit solcher Logik ließe sich wohl auch fragen, warum nicht wenige Deutsche für ein Autobahn-Tempolimit sind, obwohl es allenfalls 140 Verkehrstote jährlich verhindern könnte. Aber Andreas Kieling setzt noch Eins drauf mit der Äußerung: „Mir ist es ein Rätsel, dass sowas wie Sie in einer Partei sein kann.“

Angesprochen ist damit die Bäuerin und FDP-Bundestagsabgeordnete Corina Konrad. Sie hat der Runde erklärt, warum nicht alle Landwirte Bio-Bauern werden können (weil es nicht genug zahlungswillige Abnehmer gebe) und warum Problemwölfe geschossen werden müssen (weil sonst die letzten Weidetierhalter das Handtuch würfen).

Frau Konrad, selbst auch Biobäuerin, hat keinen leichten Stand, aber Sachverstand: Erntet zwar erstaunte Gesichter, aber keinen Widerspruch mit der Feststellung, dass auch der ökologische Landbau nicht ganz ohne Insektizide und Herbizide auskommt. Oder dass Kielings Ahnung, der Wolfsbestand werde sich ganz von selber regulieren, wenn die Wildtiere als Beute knapp werden, nur dann stimmt, wenn der Wolf auch keine Weidetiere mehr vor der Nase hat.

Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer, bekannt für gezielte Provokationen, sorgt für weitere Spannung: „Für einen Teil der Szene ist der Wolf zu einem heiligen Tier geworden… Vor allem für Leute, die mit der Natur sonst nix im Sinn haben, höchstens wenn sie einmal im Jahr in die Alpen fahren!“ Und auch am Insektensterben sind für den Provokateur zu einem guten Teil die Grünen schuld: Wegen der Energiepflanzen-Steppen und auch wegen der Milliarden von Insekten, die an Windrad-Flügeln kleben bleiben.

Frau Maischberger versucht es mehrfach mit dem Lockruf, dass die Streitparteien so weit doch gar nicht auseinander seien. Was Herrn Kieling unterm braun gebrannten Teint noch zornesröter werden lässt. Und Frau Schulze von der neuen, grünen Volkspartei zur Feststellung bringt, man müsse einfach mehr miteinander reden. Wobei die Sendung an der versöhnenden Kraft von Stuhlkreisen zweifeln lässt.

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