Unsere Jagdhunde (XXI): Die Westfälische Dachsbracke

Die Westfälische Dachsbracke gehört zu den wegen allzu schmaler Zuchtbasis am meisten gefährdeten Jagdhundrassen. Im Jahre 2016 fielen gerade einmal 24 Welpen.

Westfälische Dachsbracke

Foto: Stephan Angermayer

Die Westfälische Dachsbracke ist ein niederläufiger Vetter der Deutschen Bracke, mit der sie näher verwandt ist als mit der ähnlich gebauten Alpenländischen Dachsbracke. Als vor mehr als hundert Jahren die Verkleinerung der Jagdreviere einsetzte, züchtete man im Bergischen Land und im Sauerland aus niedrig gebauten Olper Bracken und deren kleinster Form, den Steinbracken, eine kurzläufige und daher langsamer jagende Brackenrasse. Dass auch Teckel wohl gelegentlich eingekreuzt wurden, lässt die bei den Westfälischen Dachsbracken nicht seltene „Mahnung“ (also ein Knick) in den Vorderläufen vermuten.

Die Westfälische Dachsbracke gehört zu den wegen allzu schmaler Zuchtbasis am meisten gefährdeten Jagdhundrassen. Im Jahre 2016 fielen gerade einmal 24 Welpen. Um einen Kollaps zu vermeiden, kreuzte man in jüngerer Zeit den schwedischen „Drever“ ein, ein  Nachfahre vor langer Zeit nach Schweden exportierter Westfälischer Dachsbracken. Das wird aber nur dann Erfolg haben können, wenn die deutsche Jägerei größeres Interesse an diesen schönen und sehr „brauchbaren“ Hunden entwickeln würde. Das wiederum würde sich in der Folge auch auf größere züchterische Aktivitäten und damit auf eine Verbreiterung der Zuchtbasis auswirken. 

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Die Westfälische Dachsbracke ist ein langrückiger, kompakter Jagdhund mit einem dichten und manchmal „groben“ Jagdkleid. Sie ist rot bis gelb gefärbt, mit schwarzem Sattel oder Mantel und den weißen Brackenabzeichen (Blesse oder Schnippe, weißer Fang mit Halsring, weiße Brust, weiße Läufe und eine weiße Rutenspitze).

Schade, dass man dieser Rasse so selten in Deutschlands Jagdrevieren begegnet.

Die Westfälische Dachsbracke ist ein zuverlässig spur- und fährtelauter Stöberer, der naturgemäß wegen seiner relativ kurzen Läufe langsamer jagt als seine hochläufiger Vettern. Er wäre eigentlich der ideale Hund für die Bewegungsjagden mit den „Zielwildarten“ Schwarz-, Rot- und Rehwild, bei denen es auf gründlich suchende, verlässlich laute und auch wildscharfe vierläufige Jagdhelfer ankommt. Schade, dass man dieser Rasse so selten in Deutschlands Jagdrevieren begegnet. In Schweden gehört der nahe verwandte Drever zu den am häufigsten geführten Jagdhundrassen.

Es wäre den Westfälischen Dachsbracken eine weitere Verbreitung sehr zu wünschen – und ihr Einsatz würde der Effektivität und der tierschutzgerechten Durchführung der vielen Bewegungsjagden ausgesprochen gut tun.

Züchterisch betreut wird die Westfälische Dachsbracke vom „Deutschen Bracken-Club“ (DBC), ebenso wie die Deutsche Bracke. Geprüft wird die Westfälische Dachsbracke – wie alle übrigen Brackenrassen, für die es einen Zuchtverein im Jagdgebrauchshundverband gibt – nach der gemeinsamen Prüfungsordnung aller im JGHV zusammengeschlossenen Bracken-Zuchtvereine.

Bernd Krewer

Bernd Krewer / Foto: Manfred Gessinger

Über den Autor:

Bernd Krewer, Jahrgang 1939, hat jahrzehntelang als Förster gearbeitet, ist ein ausgewiesener Fachmann der Jagdkynologie, Nachsuchespezialist, Richter bei Jagdhundeprüfungen und Sachbuchautor. Er lebt in Kinderbeuern im Alftal, ist verheiratet und hat drei Kinder. 

Eine große Auswahl seiner Bücher rund um die Themen Jagd, Jagdhunde und Rotwild finden Sie in der Altstadt-Buchhandlung in Wittlich: www.altstadt-buchhandlung.biz

Zu den ersten Teilen unserer Jagdhundeserie gelangen Sie hier:
Unsere Jagdhunde (XX): Die Deutsche Bracke
Unsere Jagdhunde (XIX): Der Barbet - Ein treuer Gefährte für Jäger und Familien
Unsere Jagdhund (XVIII): Die Steirische Rauhhaarbracke
Unsere Jagdhunde (XVII): Eleganz in grau – der Weimaraner
Unsere Jagdhunde (XVI): Der Beagle als Jagd- und Familienhund
Unsere Jagdhunde: (XV): Ein kastanienbraunes Temperamentsbündel – Der Irish Setter
Unsere Jagdhunde (XIV): Der Hannoversche Schweißhund
Unsere Jagdhunde (XIII): Versicherung für Vierbeiner
Unsere Jagdhunde (XII): Der Deutsch Kurzhaar

Unsere Jagdhunde (XI): Ambitionierter Apportierhund – der Labrador Retriever
Unsere Jagdhunde (X): Der Jämthund – das schwedische Kraftpaket
Unsere Jagdhunde (IX): Dackel, Teckel, Dachshund – ein verlässlicher Jagdbegleiter
Unsere Jagdhunde (VIII): Die Schweizer Laufhunde - Vier auf einen Streich
Unsere Jagdhunde (VII): Der kleine Münsterländer
Unsere Jagdhunde (VI): Ideal für Jagd und Familie – der Cocker Spaniel
Unsere Jagdhunde (V): Wissenswertes über Zecken
Unsere Jagdhunde (IV): Der Pointer – Sprinter mit Spürnase!
Unsere Jagdhunde (III): Die Alpenländische Dachsbracke
Unsere Jagdhunde (II): Magyar Vizslas – Majestätische Vierbeiner
Unsere Jagdhunde (I): Vom Welpen zum Waidmannsheilbringer

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