Unsere Jagdhunde (XXII): Der Bayerische Gebirgsschweißhund

Ein wahrer Nachsuchenspezialist, der seinen Weg auch ins Flachland gefunden hat und einen treuen Jagdbegleiter abgibt.

zwei Bayrische Gebrigsschweißhunde

Foto: Johann Hayden

Der Bayerische Gebirgsschweißhund (BGS) entstand im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts im bayerischen Alpenraum. Man hatte den Fährtewillen und die Fährtentreue des Hannoverschen Schweißhundes (HS) auf der kalten Hochwild-Wundfährte kennen und schätzen gelernt, aber auch feststellen müssen, dass der damals wohl mehrheitlich schwere (leithundförmige) HS für die Arbeit im Hochgebirge nicht „ideal gebaut“ war. Beim Hetzen und Stellen kranker Gams war er doch ziemlich gefährdet und konnte leicht abstürzen oder vom laufkranken Gams, der sich auf einem Band in einer steilen Wand dem nachfolgenden HS gestellt hatte, gehakelt werden.

So kreuzte man Rote „Tirolerbracken“ mit Hannoverschen Schweißhunden und kombinierte so die positiven Fährteneigenschaften des HS mit der „geländegängigeren“ Form der Bracken und deren Hetz- und Lautfreude auf der warmen Fährte.

Der Bayerische Gebirgsschweißhund hat das Hochgebirge längst verlassen und folgt den Fährten kranken Schalenwildes auch in den Mittelgebirgen und in der norddeutschen Tiefebene. Und auch im Hochgebirge werden weiterhin Hannoversche Schweißhunde erfolgreich geführt.

Der BGS ist 47 bis 52 Zentimeter groß und von hirschroter bis fahlgelber Farbe, bisweilen auch grau wie das Winterhaar des Rotwildes, mit mehr oder weniger ausgeprägter dunkler Maske.

Der „Klub für Bayerische Gebirgsschweißhunde“ (KBGS) ist der einzige in Deutschland vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH), vom Jagdgebrauchshundverband (JGHV) und – international – vom Internationalen Schweißhundverband (ISHV) anerkannte Zuchtverein für diese Rasse. Der KBGS hat im Jahre 2016 exakt 106 Welpen in sein Zuchtbuch eingetragen. Die Zahl in Deutschland, die von nicht von den Dachverbänden anerkannten „Dissidenzvereinen“ und auch „schwarz“ gezüchtet werden, dürfte diese Angabe um ein Vielfaches übersteigen.

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Der BGS ist – zusammen mit dem HS – der Spezialist auf der kalten, womöglich nicht mehr schweißenden Wundfährte verletzten Wildes. Die dafür notwendigen ererbten Anlagen (Gesundheit, intakte Nerven, Fährtentreue, „Lust zur Folge“ und Hetz- und Lautfreudigkeit) können die in- und ausländischen Zuchtvereine garantieren (soweit man in der Zucht überhaupt etwas garantieren kann), die seit der Entstehung dieser Rasse ihre Zuchthunde auf eben diesen Anlagen selektiert haben. Vermehrungs- und Schönheitszüchter können das wohl nicht.  

Das sollte jeder Jäger bedenken, der sich der gerechten Nachsuchenarbeit mit einem Bayerischen Gebirgsschweißhund (oder einem Hannoverschen Schweißhund) verschreiben möchte.

Autor Bernd Krewer

Bernd Krewer / Foto: Manfred Gessinger

Über den Autor:

Bernd Krewer, Jahrgang 1939, hat jahrzehntelang als Förster gearbeitet, ist ein ausgewiesener Fachmann der Jagdkynologie, Nachsuchespezialist, Richter bei Jagdhundeprüfungen und Sachbuchautor. Er lebt in Kinderbeuern im Alftal, ist verheiratet und hat drei Kinder. 

Eine große Auswahl seiner Bücher rund um die Themen Jagd, Jagdhunde und Rotwild finden Sie in der Altstadt-Buchhandlung in Wittlich: www.altstadt-buchhandlung.biz

Zu den ersten Teilen unserer Jagdhundeserie gelangen Sie hier:
Unsere Jagdhunde (XXI): Die Westfälische Dachsbracke
Unsere Jagdhunde (XX): Die Deutsche Bracke
Unsere Jagdhunde (XIX): Der Barbet - Ein treuer Gefährte für Jäger und Familien
Unsere Jagdhund (XVIII): Die Steirische Rauhhaarbracke
Unsere Jagdhunde (XVII): Eleganz in grau – der Weimaraner
Unsere Jagdhunde (XVI): Der Beagle als Jagd- und Familienhund
Unsere Jagdhunde: (XV): Ein kastanienbraunes Temperamentsbündel – Der Irish Setter
Unsere Jagdhunde (XIV): Der Hannoversche Schweißhund
Unsere Jagdhunde (XIII): Versicherung für Vierbeiner
Unsere Jagdhunde (XII): Der Deutsch Kurzhaar

Unsere Jagdhunde (XI): Ambitionierter Apportierhund – der Labrador Retriever
Unsere Jagdhunde (X): Der Jämthund – das schwedische Kraftpaket
Unsere Jagdhunde (IX): Dackel, Teckel, Dachshund – ein verlässlicher Jagdbegleiter
Unsere Jagdhunde (VIII): Die Schweizer Laufhunde - Vier auf einen Streich
Unsere Jagdhunde (VII): Der kleine Münsterländer
Unsere Jagdhunde (VI): Ideal für Jagd und Familie – der Cocker Spaniel
Unsere Jagdhunde (V): Wissenswertes über Zecken
Unsere Jagdhunde (IV): Der Pointer – Sprinter mit Spürnase!
Unsere Jagdhunde (III): Die Alpenländische Dachsbracke
Unsere Jagdhunde (II): Magyar Vizslas – Majestätische Vierbeiner
Unsere Jagdhunde (I): Vom Welpen zum Waidmannsheilbringer

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