Landesjagdverband Baden-Württemberg:
Dr. Jörg Friedmann


Im Interview spricht der Landesjägermeister aus Baden-Württemberg über seinen schönsten Jagd-Moment, Interessengegensätze mit NGOs und die größten Herausforderungen für die Jagd in seinem Bundesland.

Angesprochen: Die Präsidenten der Landesjagdverbände

16 Bundesländer, 16 Landesjagdverbände und Landesjägerschaften – 15 davon sind Mitglied im Deutschen Jagdverband, nur Bayern trat Ende 2009 aus dem DJV aus. Doch wer sind die obersten Jäger in den einzelnen Bundesländern? Wer vertritt die Interessen der Jägerschaft? Wie sieht derjenige aus und was macht ihn aus? Um diese und weitere Fragen zu klären, haben wir mit den Landesjägermeistern und den Präsidenten der Landesjagdverbände gesprochen.

In Baden-Württemberg ist Dr. Jörg Friedmann seit 2013 Landesjägermeister. Der 45-Jährige ist Rechtsanwalt, genauer gesagt Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht. Von den insgesamt rund 38.700 Jagdscheininhabern sind 30.000 Mitglieder im Landesjagdverband, von den 10,7 Millionen Einwohnern in Baden-Württemberg also insgesamt 0,36% Jäger. Friedmann wohnt in Kraichtal und hat den Jagdschein, seit er 18 ist – seine enge Beziehung zur Jagd pflegt er allerdings schon deutlich länger. Bis März 2016 hatte er sein eigenes Revier. 2015 hat er den Jagdrechtskommentar für das Land Baden-Württemberg verfasst.

Dr. Jörg Friedmann

Foto: Privat / Dr. Jörg Friedmann

Warum haben Sie den Jagdschein gemacht und was bedeutet die Jagd für Sie?

Von Kindesbeinen an bin ich zur Jagd gegangen. So waren die Jägerprüfung 1987 – zum frühestmöglichen Zeitpunkt – und der erste Jugendjagdschein mit 16 Jahren selbstverständlich. Jagd bedeutet für mich Berufung und ist Auftrag und Leidenschaft. 

Wenn Sie sich einmal zurückerinnern – was war Ihr bisher schönster Moment bei der Jagd?

Ich durfte bereits viele schöne Momente erleben. Sauen, die vom Horizont im Januar-Vollmond bei Schneelage auf mich zuzogen, oder spannende Blattjagderlebnisse waren einige solcher Momente.

Wie jagen Sie am liebsten?

Jede Jagdart hat ihren Reiz. Gerade die Vielfalt macht die Jagd aus. Besonders liebe ich spannende und herausfordernde Jagden.  

Mit welchem Jagdgewehr gehen Sie am liebsten auf die Jagd? 

Der Drilling von meinem Großvater ist meine Lieblingswaffe (Baujahr 1959, Kaliber 16/70, .22 Hornet und 7x57R).

Welches ist Ihr liebstes Wildgericht?

Rehrücken, aber bitte nur kurz gebraten!

Warum sind Sie Landesjägermeister geworden? Haben Sie ein bestimmtes Ziel für die Jägerschaft und Baden-Württemberg?

Als Landesjägermeister möchte ich die Zukunft der Jagd in Baden-Württemberg aktiv gestalten. Ziel ist es, die Interessen der Jägerinnen und Jäger wahrzunehmen, zu sichern und Nichtjägern Jagd begreifbar zu machen. Daher gilt es, eine nachhaltige Jagd im Spannungsfeld von Eigentum, Bewirtschaftung, Natur-, Tier- und Artenschutz sowie Tourismus fest in unserer Gesellschaft zu verankern. Dafür investiere ich gerne viel Zeit und Herzblut.

Was ist das Besondere an Baden-Württemberg hinsichtlich der Jagd? Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung von Wild und Wald? 

Baden-Württemberg ist ein unglaublich vielfältiges und von völlig unterschiedlichen Habitaten und Landschaftsformen geprägtes Land. Diese Vielfalt bereichert und ist zugleich Basis eines unglaublich breiten jagdlichen Erfahrungsschatzes – vom Rebhuhn bis zum Auerhahn.

Wild und Wald entwickeln sich auch in Zeiten des Klimawandels gut, da die Jägerinnen und Jäger sich ihrer Verantwortung bewusst sind und im regelmäßigen Dialog mit Forst BW handeln. Auch wenn lokal oder regional Verbissproblematiken bestehen: Die Weißtannen- und Laubholzvorräte entwickeln sich prächtig, lediglich die Eiche macht uns Sorgen.

Landesjägertag 2015

Foto: Armin Liese / Dr. Jörg Friedmann beim Landesjägertag 2015.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen für den Landesjagdverband in Baden-Württemberg und die deutsche Jägerschaft im Allgemeinen? 

Die größte Herausforderung sehe ich in der Beibehaltung einer rechtlich gegenüber Natur- und Tierschutz gefestigten Position der Jagd. Insbesondere europarechtliche Vorgaben müssen im Jagdrecht – und nicht im Naturschutzrecht – umgesetzt werden. Andernfalls regieren aus nicht-jagdlichem Antrieb heraus zumindest sehr jagdkritisch eingestellte Verwaltungen und Verbände unsere Jagd. Die Vergasung von Gänsen in den Niederlanden ist ein Beispiel. So weit dürfen wir es nicht einmal ansatzweise kommen lassen.

Wie ist das Verhältnis zu NGOs wie NABU, BUND oder WWF in Baden-Württemberg? 

Auch in Baden-Württemberg bestehen mitunter gewaltige Interessengegensätze. Wir sprechen dennoch miteinander und haben bewiesen, dass wir auch Interessengegensätze im Sinne der Sache zumindest punktuell überwinden können.

Was können Jäger von Naturschutzverbänden lernen? 

Eine vernetzte Naturschutzarbeit in den Revieren und eine nahezu perfekte Präsentation in der Öffentlichkeit und bei der Spendenwerbung. 

Inwiefern können Sie sich Kooperationen mit Naturschutzverbänden vorstellen?

In der Naturschutzarbeit vor Ort. Außerdem ist im Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (seit diesem Jagdjahr in Baden-Württemberg gültig) eine Zusammenarbeit beim Wildtiermonitoring angelegt. Bei allen Interessengegensätzen bestehen einige gemeinsame Interessen. Jägerinnen und Jäger können hier als Brücke zwischen Eigentümern und Bewirtschaftern einerseits und Naturschutz andererseits fungieren. Wir nutzen und schützen die Natur. Natur schützen wollen auch viele andere Verbände. Dort haben wir eine breite Schnittmenge.

„Erleben ist die beste Überzeugungsarbeit.“

Dr. Jörg Friedmann

Die Jagd und Jäger kommen in der Presse und im öffentlichen Diskurs oft nicht gut weg. Was entgegnen Sie Jagdgegnern und -kritikern? 

Befassen Sie sich mit der Jagd! Gehen Sie mit und erleben Sie die täglichen Herausforderungen im Revier. Schauen Sie, wie verantwortungsvoll die Jägerinnen und Jäger mit den ihnen anvertrauten Rechten und Pflichten umgehen. Erleben ist die beste Überzeugungsarbeit.

Was können Sie und der Landesjagdverband tun, um für mehr Akzeptanz zu werben?

Wir müssen immer und immer wieder erklären, warum wir das tun. Der im Stillen wirkende Jäger gehört der Vergangenheit an. „Tue Gutes und sprich darüber“, muss unsere Devise sein.

Beste Werbung können wir mit der Vermarktung einwandfreien Wildbrets, der Präsentation unserer Arbeit zur Unterstützung bedrohter Wildarten und Bodenbrüter, beim Thema Wildtiere in der Stadt, mit dem Lernort Natur und mit dem Jagdhornblasen machen. Dies sind aber nur einige Beispiele.

Was wünschen Sie sich für die Jagd in den nächsten 20 Jahren? 

Hoffentlich kann ich in 20 Jahren noch mit genauso viel Freude jagen. Durchaus kritisch von der Öffentlichkeit begleitet, aber respektiert und anerkannt. Außerdem wünsche ich mir viele Mitstreiter in der Jägerschaft, die für Wild, Jagd und Natur viel Energie und Zeit investieren.

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