Der Tradition auf der Fährte (II): Jägersprache

Wer mit der jagd in Berührung kommt, lernt nicht nur viel über Mensch und Natur. AUch die Sprache der Jäger ist sehr Speziell. Aber es hat viele Vorteile, sie zu beherrschen.

Jäger und Jägerin im Gespräch

Wenn der aufgebaumte Waidmann dem Stück Rehwild nach dem Ansprechen eine Kugel anträgt und am Anschuss nur Schweiß zu finden ist, dann ist die Verwirrung nicht nur beim Jägersmann groß. Gerade Nicht-Jäger können sich auf viele Begriffe der Jägersprache erstmal keinen Reim machen.

Ursprünge der Jägersprache

Die deutsche Jägersprache ist schon sehr alt. Erste Anfänge waidmännischer Ausdrücke sind bereits in Jagdschriften und Urkunden des siebten und achten Jahrhunderts zu finden. Während sich einige Begriffe über die Jahrhunderte hinweg gehalten haben, sind andere wieder in Vergessenheit geraten.

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Gerade im Mittelalter und in der frühen Neuzeit bildete sich in Europa ein ausgeprägtes Zunftwesen. Die zunehmende Urbanisierung und Technisierung förderte die Arbeitsteilung weg von der rein bäuerlichen Kultur. Immer mehr Handwerke entstanden oder erblühten. Sie organisierten sich in Zünften, mit eigener Verwaltung, Gerichtsbarkeit und vor allem Fachausdrücken. Egal, ob Zimmermann oder Gerber, eine gemeinsame Sprache ermöglichte es, sich unter Kollegen präzise verständigen zu können. Und natürlich schuf sie auch ein Gefühl des Zusammenhalts.

Ab dem zwölften Jahrhundert entwickelte sich aus ähnlichen Gründen die Zunftsprache der Berufsjäger. Diese damaligen professionellen Jäger waren insbesondere mit der Pflege der königlichen Jagdreviere, Bannwälder und Hundezwinger betraut. Ihre besondere Stellung als Spezialisten auf dem Gebiet der Jagd förderte die Entstehung einer Fach- und Standessprache, die ihre gehobene soziale Stellung unterstreichen sollte. Sie diente allerdings auch zur Abgrenzung gegenüber Bürgern, Bauern und Jägern, denen nur die niedere Jagd auf Kleinwild gestattet war.

Jägersprache ist mehr als Folklore

Heutzutage ist die Waidmannsprache die umfangreichste deutsche Sondersprache, mit einem Wortschatz von etwa 6.000 Wörtern! Von diesen wird circa noch die Hälfte angewandt und verstanden. Ihre Verwendung ist weit mehr als schlichte Folklore. Oft können Jäger so untereinander eindeutiger, schneller und präziser ausdrücken, was genau sie beschreiben möchten. Die Jägersprache fokussiert sich dabei sowohl auf Gegenstände, als auch auf Vorgänge in der Natur und bei Lebewesen.

Der einleitende Satz oben im Artikel in Jägersprache lässt sich beispielsweise wie folgt „übersetzen“: „Der Jäger, der auf einem Hochsitz ist, schießt mit einem Gewehr auf ein einzelnes Reh, nachdem er es nach Alter und Geschlecht beurteilt hat. Dort, wo die Kugel das Reh getroffen hat, ist nur Blut zu finden.“

Auffällig an der Jägersprache ist zum einen ihre Bildlichkeit: „Windfang“ statt Nase, „Lauscher“ statt Ohren, „aufbaumen“ statt hinaufklettern. Zum anderen sind gerade die Ausdrücke rund um das Schießen und den Tod des Tieres meistens passiv und weniger drastisch. Wild wird „ge“-schossen, nicht „er“-schossen. Es wird nicht abgeknallt, sondern „erlegt“. Nicht abgestochen, sondern „abgefangen“. Gerne wird Jägern hierbei Feigheit vorgeworfen, oder sogar das Verschleiern ihres Tuns. Derartige Vorwürfe stellen gerade in jüngster Zeit ein relativ neues Phänomen dar. Die Wahl der Sprache bringt allerdings vielmehr den Respekt vor dem Tier zum Ausdruck. Es ist schließlich nicht alltäglich, ein Wirbeltier zu töten – umso wichtiger ist es, dieses Handeln auch durch die Wortwahl beständig zu reflektieren.

Aber aufgepasst! Waidmannssprache ist keinesfalls mit dem allseits bekannten „Jägerlatein“ zu verwechseln. Als Jägerlatein ist im Allgemeinen die selten ernst gemeinte Übertreibung oder das absichtliche Schwindeln beim Erzählen von Jagdgeschichten gemeint.

Hier finden Sie den ersten Teil unserer Serie:
Der Tradition auf der Fährte (I): Jagdliches Brauchtum

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